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Evotec: Warum kommt die deutsche Biotechperle derzeit nicht vom Fleck?

Seit dem famosen Bericht zum zweiten Quartal 2019 inklusive Anhebung der Managementprognose hat die Aktie von Evotec (WKN: 566480) circa 27,7 % (25.10.2019) ihres Wertes verloren. Verständlicherweise führt dies zu Unmut und Unverständnis unter den Investoren.

Wenn eine Aktie aufgrund einer Gewinnwarnung crasht, wissen Anleger meist um die Probleme des Unternehmens. Im Fall von Evotec tappen die Investoren jedoch im Dunkeln, sodass selbst langfristige Anleger nicht mehr wissen, was sie vom Unternehmen halten sollen. Daher stellt sich die Frage, welche Ursachen der Kurssturz hatte und weshalb sich die Aktie seitdem kaum erholen konnte.

Das innovative Geschäftsmodell von Evotec

Vereinfacht gesagt besteht das Geschäftsmodell von Evotec darin, die Forschung für kooperierende Pharmaunternehmen zu übernehmen. Hierbei ist vor allem die Diversität der Kooperationspartner interessant, denn diese bestehen einerseits aus namhaften Großkonzernen wie Bayer, Celgene, Novartis, Pfizer oder Takeda. Andererseits gibt es auch unzählige Kooperationen mit Universitäten und staatlichen Forschungsinstituten.

Die Diversifikation besteht jedoch nicht nur durch Evotecs Partner, sondern auch durch die gestreute Forschungsaktivität auf unterschiedliche Erkrankungen, die von der Erforschung neurodegenerativer Krankheiten wie Alzheimer oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) bis hin zu innovativen Wirkstoffen im Kampf gegen Krebs reichen.

Evotec profitiert durch dieses Geschäftsmodell von millionenschweren Meilensteinzahlungen bei Erreichen von Forschungszielen sowie von zukünftigen Umsatzbeteiligungen. Evotecs Kooperationspartner können hingegen auf einen hochqualitativen, innovativen Forschungsansatz bauen, wie die einzigartige iPSC-Plattform, und kostspielige Forschungsaufwendungen outsourcen.

Mysteriöser Abverkauf im Spätsommer

Doch weshalb strafen die Anleger Evotec dermaßen ab? War ihnen der Umsatzanstieg um 16 % und die Erhöhung des EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) um 51 % zu wenig?

Eine mögliche Erklärung liegt ganz klar in der Bewertung des Unternehmens. Im Hoch betrug das 2019er-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 88 (25.07.2019). Wenngleich Evotecs Innovationskraft und strategische Geschäftsausrichtung zwar ein hohes KGV rechtfertigt, sind diese Werte am deutschen Aktienmarkt relativ selten, sodass hier vermutlich eine Überbewertung vorlag.

Dies haben auch Hedgefonds und Leerverkäufer erkannt, die die Aktie nach den Quartalsergebnissen stark unter Beschuss nahmen. Folglich ist anzunehmen, dass die Stoploss-Orders von vielen Investoren gerissen wurden, was zu einer weiteren Beschleunigung des Abverkaufs führte. Da Fondsmanager oftmals Auflagen hinsichtlich des Risikomanagements unterliegen und der Kurs am Tag der Anhebung der Prognose –20 % unter Druck stand, ist es gut möglich, dass auch dadurch eine Vielzahl von Aktien verkauft wurden. Das Ergebnis war eine schwarze Woche für die Investoren der Evotec-Aktie.

Wann kommt die erhoffte Erholung?

Derzeit befindet sich die Evotec-Aktie in einer Seitwärtsbewegung zwischen 19 und 20 Euro. Da ich ein langfristig orientierter Anleger bin, werde ich meine Aktien behalten und in Schwächephasen meine Position weiter aufstocken. Im Regelfall erwischt man das Tief und somit den Start einer neuen Aufwärtsbewegung nie genau. Für eine langfristige Anlage ist dies jedoch auch nicht notwendig. Fundamental hat sich das Geschäft seit dem Mehrjahreshoch bei 27,29 Euro nicht eingetrübt, denn Meldungen über innovative Ansätze zur Erforschung und Behandlung von Erkrankungen gibt es am laufenden Band.

Zudem gibt es einen zunehmenden Trend von großen Pharmaunternehmen, ihre Forschungstätigkeiten aus dem Konzern zu gliedern. Evotec wird voraussichtlich alleine durch diesen Trend in den nächsten Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum im Vergleich zur eigenen Peer-Group und zum TecDax verzeichnen können.

Folglich hat sich das Chance-Risiko-Verhältnis klar verbessert, das KGV beträgt „nur“ noch 63 (25.10.2019) und höhere Gewinne in der Zukunft sollten dazu führen, dass die Evotec-Aktie an ihren langfristigen Aufwärtstrend anschließen kann. Ein möglicher Kurstreiber können wie bei Wirecard (WKN: 747206) auch Eindeckungskäufe von Leerverkäufern darstellen. Daher sollten Foolishe Anleger nicht das perfekte Timing bei Evotec suchen, sondern auf das innovative Geschäftsmodell setzen.

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Michael besitzt Aktien von Evotec. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.