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Deutsche Börse streicht Transaktionsgebühren bei ETF-Sparplänen: Warum sich Anleger nicht zu früh freuen sollten

Wenn man als Anleger hört oder liest, dass Gebühren im Bank- und Börsengeschäft gesenkt oder gestrichen werden, sollte das doch ein Grund zur Freude sein, oder etwa nicht? Immerhin haben wir in letzter Zeit eher gegenteilige Nachrichten zu hören bekommen. In den letzten Monaten haben sich viele Banken und Sparkassen dazu veranlasst gesehen, ihre Gebühren zu erhöhen, weil sie die Erträge ausgleichen wollen, die ihnen wegen des Zinstiefs entgehen. Einer Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY zufolge hat jede sechste Bank im Jahr 2019 vor, die Gebühren zu erhöhen. Das betrifft vor allem Girokonten, aber zum Teil auch Überweisungen. Doch damit nicht genug. Von einer guten Verzinsung unserer Spareinlagen mussten wir uns auch schon vor einiger Zeit verabschieden. Für uns als Sparer und Anleger sind die Niedrigzinsen also im Grunde eine doppelte Belastung.

Darunter dürften diejenigen Sparer am meisten leiden, die ihr Geld nur auf dem Girokonto parken, weil die Angst vor dem Aktienmarkt zu groß ist. Bei der in Deutschland sehr mageren Aktionärsquote von nur 16 % ist der Großteil unserer Landsmänner (und -frauen) von der Zins-Ebbe auf dem Girokonto und oft auch von Gebührenerhöhungen betroffen.

Deutsche Börse will ETFs attraktiver machen

Dass die meisten Deutschen vom Aktienmarkt als Möglichkeit zur Vermögensanlage nicht viel halten, ist kein Geheimnis. Die Deutsche Börse (WKN: 581005) hat nun nach eigenen Angaben einen Schritt unternommen, mit dem sie das ändern will. In einer Pressemitteilung gab sie letzte Woche bekannt, dass sie die Transaktionsentgelte für ETF-Sparplan-Orders im Xetra-Handel abschaffen und ab sofort eine kostenfreie Ausführung anbieten will. Da die Gebühren im Bank- und Börsengeschäft in letzter Zeit nur gestiegen sind, dürfte dieser Schritt viele Anleger überrascht haben.

Was bezweckt die Deutsche Börse also damit? Profitieren sollen vor allem Sparer, die mithilfe von ETFs langfristig und regelmäßig Vermögen ansparen wollen. Mit der Streichung der Transaktionsgebühren wolle man ETFs attraktiver machen und neue Anleger für den Kapitalmarkt begeistern. Tatsächlich klingt der Anspruch, der breiten Bevölkerung die Vorteile einer Altersvorsorge mit Kapitalmarktprodukten näherzubringen, fast ein bisschen zu selbstlos, um wahr zu sein.

Wer profitiert?

Der Gedanke, mehr Privatanleger an den Kapitalmarkt zu locken und die Attraktivität von ETFs zu erhöhen, ist ja sehr nobel, aber wer spart hier tatsächlich? In der Pressemitteilung der Deutschen Börse heißt es weiter, dass die Streichung der Transaktionsentgelte für ETF-Sparpläne durch einen Vertrag zwischen Börse und Broker geregelt wird. Als Privatanleger richten wir unseren Sparplan ja normalerweise bei einem Broker oder einer Bank ein, der bzw. die für uns in regelmäßigen Intervallen für eine bestimmte Summe ETF-Anteile kauft (meist einmal im Monat).

Dabei hängen die Handelsgebühren, die der Broker oder die Bank an die Börse zahlt, von der Ordergröße ab. In der Regel liegen sie zwischen 60 Cent und 24 Euro. Als Privatanleger profitieren wir vom Wegfall der Transaktionsentgelte also nur, wenn der Broker oder die Bank diese Einsparungen bei den Gebühren im Anschluss auch an uns als Endkunden weitergibt. Da viele Banken aber derzeit um ihre Profitabilität kämpfen müssen, halte ich es für wenig wahrscheinlich, dass die Gebührenstrukturen zu unserem Vorteil angepasst werden. Hinzu kommt, dass viele Anbieter ohnehin schon ein recht großes Angebot an Aktions-ETFs haben, die man als Privatanleger zu sehr niedrigen Gebühren oder sogar kostenlos besparen kann.

Gebühren für die Sparplanausführung – nur keine Panik!

Wer sich entscheidet, sein Vermögen langfristig über einen ETF-Sparplan anzulegen, findet sicher ausreichend Anbieter und Produkte, bei denen die Sparplanausführung kostenlos ist – immer wohl wissend, dass sich das jederzeit ändern kann. Das ist mir übrigens selbst schon passiert: Ein ETF, für den ich seit ein paar Jahren einen monatlichen Sparplan laufen habe, wurde aus dem Aktionsangebot genommen. Ab diesem Zeitpunkt wurde eine Pauschalgebühr für die Ausführung fällig. Da ich meinen ETF-Sparplan aber weder auf einen anderen ETF umstellen noch kündigen wollte, entschied ich, stattdessen das Sparintervall anzupassen und den ETF nicht mehr monatlich, sondern quartalsweise zu besparen. Damit konnte ich zumindest einen Teil der Gebühren umgehen und profitiere weiterhin vom Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt).

Das A und O ist hier nach wie vor, sich über seine eigene Strategie klar zu werden, bevor man einen Sparplan anlegt oder in ein Finanzprodukt investiert, und an dieser Strategie festzuhalten. Und was die Gebühren betrifft, sollte man zwar auf der Hut bleiben, sich aber nicht verrückt machen lassen, solange eine Erhöhung nicht für deutliche Ertragseinbußen sorgt. Meldungen wie die der Deutschen Börse sind aber ebenso mit Vorsicht zu genießen. Für mich klingt das alles verdächtig nach einem cleveren Marketing-Coup, der für positive Presse sorgen und ETFs noch mehr Publicity verschaffen soll.

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Franziska Eggert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.