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NIO vs. Tesla – welche ist die bessere Aktie?

Nur wenige Autoaktien konnten in der Vergangenheit die Investoren so begeistern wie die von Tesla (WKN:A1CX3T). Der innovative Elektroautohersteller (und vor allem CEO Elon Musk) haben mit bahnbrechenden – wenn auch nicht immer perfekten – Elektrofahrzeugen der gehobenen Klasse nicht nur viele Kunden, sondern auch viele Fans gewinnen können.

Das chinesische Start-up-Unternehmen NIO (WKN:A2N4PB) ist im vergangenen Jahr mit einem ebenfalls attraktiven, gehobenen E-SUV sowie großen Ambitionen für weitere Projekte entstanden. Investoren, die davon überzeugt waren, dass sich mit E-Autos in China Geld verdienen lässt, haben auf die Aktie von NIO gesetzt.

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Aber das war eben in der Vergangenheit, und seitdem ist viel passiert – und zwar nicht unbedingt Gutes. Die Aktien von Tesla und NIO sind seit Anfang 2019 gesunken. Da man sich auf der ganzen Welt Sorgen macht um die Absätze in der Autobranche, kann man sich jetzt durchaus fragen, ob es an der Zeit ist, bei einer der Aktien einzusteigen.

Bewertung und Wertentwicklung der Aktie

Keine der beiden Aktien hatte bislang ein gutes Jahr, aber bei Tesla lief es nicht annähernd so schlecht wie bei NIO:

Tesla via YCharts

Wenn es um Bewertungen geht, gelten die herkömmlichen Kennzahlen weder für das eine noch für das andere Unternehmen. Beide Aktien leben davon, dass sie Erwartungen an zukünftiges Wachstum und Rentabilität schüren – sogenannte Story-Aktien.

Diese Erwartungen werden wiederum von den Storys getrieben – von den Unternehmen, die diese beiden mal in Zukunft sein werden, nicht von den Unternehmen, die sie derzeit sind. Beispiel: Ein Investor, der viel auf Fundamentaldaten setzt, könnte sich Tesla anschauen und darin nichts weiter sehen als einen Autohersteller, der nach wie vor Geld verliert und noch immer mit Qualitäts- und Serviceproblemen zu kämpfen hat. So gesehen ist das Unternehmen wohl nicht viel wert.

Aber wenn wir mal einfach davon ausgehen, dass Tesla tatsächlich bis etwa 2025 einer der erfolgreichsten und profitabelsten Automobilhersteller werden kann, dann muss man bei der Bewertung eben von dieser Erwartung ausgehen – und nicht von der gegenwärtigen Situation.

Diese Erwartungen haben dann auch dazu geführt, dass Tesla eine Marktkapitalisierung von 44 Milliarden USD hat. Und Teslas Aktienkurs – und der von NIO – sind mit den sich verändernden Erwartungen im Laufe der Zeit gestiegen und gefallen.

Wie sieht es bei Tesla jetzt aus?

Im Moment erwarten die von Thomson Reuters befragten Wall-Street-Analysten, dass Tesla im Jahr 2019 durchschnittlich 3,47 USD pro Aktie bei einem Umsatz von 24,7 Milliarden USD verlieren wird. Aber sie erwarten auch, dass sich das 2020 ändert. Dann nämlich soll Tesla 4,02 USD pro Aktie Gewinn und einen Umsatz von 30,3 Milliarden USD melden.

Folgende Überlegungen stehen dahinter:

  • Tesla steht kurz vor der Fertigstellung eines zweiten Montagewerks in der Nähe von Shanghai, wo bald (möglicherweise noch vor Ende 2019) mit dem Bau des Model 3 für den chinesischen Markt begonnen werden soll.
  • Tesla wird im kommenden Jahr in den USA mit dem Bau seines nächsten Modells, dem Model Y Crossover SUV auf Basis des Model 3, beginnen.

Ein Pickup-Truck, der eine ernsthafte Herausforderung für die F-150 der Ford Motor Company (WKN: 502391) und andere große Player in Detroit darstellen wird, kommt ebenfalls bald.

  • Die Nachfrage nach Tesla-Modellen wird weiterhin sehr stark sein und die Produktionskapazität von Tesla übersteigen, und Tesla wird in der Lage sein, weiterhin gute Preise für die Fahrzeuge zu verlangen.

Natürlich geht das alles nicht ohne Probleme oder Zweifel:

  • Die Auslieferungen von Tesla stiegen im dritten Quartal um nur 2 % gegenüber dem zweiten Quartal und stellten die Erfolgsgeschichte infrage. Wenn der Markt für Neuwagen seine Talfahrt beginn, die immer kommen kann, kann man hier ins Zweifeln geraten.
  • Das preiswertere (und profitablere) Model 3 scheint die Verkäufe von Teslas profitableren Modellen S und X, die im dritten Quartal zurückgingen, zu belasten.
  • Im Moment hat Tesla nicht die Kapazität, um einen Pickup in Serie zu bauen, und es wird Zeit und viel Geld kosten, das auf den Weg zu bringen.

Aus meiner Sicht laufen alle Fragen zu Teslas Story auf diese beiden hinaus:

  • Kann das Unternehmen den Umsatz angesichts der sich abkühlenden Wirtschaft weiter steigern?
  • Muss das Unternehmen noch mehr Geld reinholen, um weitermachen zu können?

Ich vermute, dass die Antworten auf diese Fragen Nein bzw. Ja sind. Wenn ich recht habe, dann ist es unwahrscheinlich, dass Teslas Aktien in den nächsten Jahren den Markt schlagen werden. Wenn nicht – insbesondere, wenn man das Umsatzwachstum für eine Weile länger aufrechterhalten kann – dann könnte diese Aktie immer noch besser abschneiden.

Und was ist mit NIO?

Die Geschichte von NIO ist etwas einfacher. Der Absatz des ersten Serienprodukts, des 7-Personen-SUV ES8, war in den ersten Monaten nach der Markteinführung im Juni 2018 gut. NIO folgte dem ES8 mit einem kleineren, ebenfalls hochwertigen elektrischen Fahrzeugmodell namens ES6, das im Vergleich zu Teslas Model 3 jedenfalls auf dem Papier gut abschneidet – und die Verkäufe dieses Modells waren seit seiner Einführung vor einigen Monaten recht gut.

Aber NIO hat viel Geld ausgegeben, um überhaupt so weit zu kommen, viel mehr, als es sollte. Jetzt ist man in einer Liquiditätskrise: Das Unternehmen verfügte zum 30. Juni über nur noch 503,4 Millionen USD in bar, nachdem es im zweiten Quartal rund 620 Millionen USD verbrannt hatte, als es sich auf die Markteinführung des ES6 konzentrierte.

NIO hat im September einen Deal angekündigt, um 200 Millionen USD zu sammeln, und die Umsätze im dritten Quartal waren gut, aber das ist wahrscheinlich nicht genug. Ein wichtiger Analyst glaubt, dass dem Unternehmen vor Ende des Jahres das Geld ausgehen wird, es sei denn, es wird von einem Großinvestor oder der chinesischen Regierung gerettet. CEO William Li sagte im September, dass das Unternehmen an einem neuen Finanzierungspaket arbeite, aber derzeit sind noch keine Details bekannt.

Im Moment sind die Aktien von NIO wahrscheinlich am besten als Option zu betrachten – wenn, ja wenn das Unternehmen den Bankrott vermeiden kann.

Welche ist also die bessere Aktie?

Die Autoindustrie ist ein zyklisches Geschäft. Die Autoverkäufe steigen und fallen mit dem Vertrauen der Verbraucher, und die Gewinne der Autohersteller steigen und fallen mit den Verkäufen. Weil Autohersteller – selbst innovative Elektrofahrzeughersteller wie Tesla und NIO – so hohe Fixkosten haben, kann schon ein moderater Umsatzrückgang ausreichen, um selbst die Gewinne eines gut finanzierten Automobilherstellers vollständig auszulöschen. Und angesichts der Reife des aktuellen Zyklus scheint ein deutlicher Rückgang in nicht allzu ferner Zukunft wahrscheinlich.

Da keines dieser Unternehmen derzeit nachhaltig profitabel ist, ist es schwierig, sich hier vollen Herzens zu entscheiden. Wer an Teslas langfristige Wachstumsgeschichte glauben will und denkt, dass es wahrscheinlich ist, dass man schon das Schlimmste einer Rezession überstehen wird, dann könnte die Aktie zu derzeitigen Preisen in Ordnung sein. Aber wenn die Umsätze nachlassen, könnte sie demnächst zu sehr viel attraktiveren Preisen zu haben sein.

Was NIO angeht, fühlt sich das alles noch nach reinem Versprechen ah. Ich schlage vor, NIO-Aktien erst einmal links liegen zu lassen, zumindest bis die finanzielle Situation des Unternehmens kurzfristig etwas klarer ist.

Ist dies die nächste Wirecard?

Wirecard stieg um fast 2.000 %. Jetzt gibt es einen aussichtsreichen „Nachfolger“, der schon bald die Spitze einnehmen könnte. Erst im vergangenen Jahr kam die Aktie an die Börse. Mit +49 % Umsatz-Wachstum (2018) und einer traumhaften Marge von 52 % (vor Steuern und Abschreibungen) fasziniert das Unternehmen die Analysten, während seine Plattform die Internet-Händler in der ganzen Welt mit der besten Performance begeistert und so bereits über 3 Milliarden Menschen erreicht. Wächst hier ein ganz neuer Tech-Gigant heran? Alle Details liest du hier:

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. John Rosevear besitzt Aktien von Ford. Dieser Artikel erschien am 9.10.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

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