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Eine aussichtsreiche schweizerische Aktie hinter dem Hype um Beyond Meat

Erzählt man die noch kurze Börsengeschichte der Beyond Meat (WKN:A2N7XQ)-Aktie im Zeitraffer, gleicht diese einem Tag im Hochgebirge. Im Mai ging es bei einem Aktienkurs von unter 60 Euro los. Bis Ende Juli dann der rasante Aufstieg auf über 200 Euro. Heute pendelt der Kurs rund um 100 Euro. Für all diejenigen, die an die Zukunft von Fleischersatzprodukten glauben, die wilde Berg- und Talfahrt von Beyond Meat aber zu aufregend finden, könnte die Givaudan (WKN:938427)-Aktie einen Blick wert sein – trotz der heute sehr ambitionierten Bewertung.

Die wirtschaftliche Nische wird für Givaudan noch attraktiver

Geschmack, Geruch und das Gefühl beim Reinbeißen entscheiden darüber, ob wir ein Nahrungsmittelprodukt lieben und es wieder kaufen oder hassen und künftig einen großen Bogen darum machen. Genau dafür sorgen die natürlichen und künstlichen Aromastoffe von Givaudan. Da diese Aromen zwar maßgeblich die Kaufentscheidung beeinflussen, aber nur einen kleinen Teil der Produktkosten ausmachen, ist diese Nische in der Nahrungsmittel-Wertschöpfungskette für Givaudan äußerst lukrativ. Die Hersteller können auf keinen Fall auf die Aromastoffe verzichten und da Preissteigerungen bei Duft- und Aromastoffen bei den gesamten Produktkosten nicht sonderlich ins Gewicht fallen, hat Givaudan eine starke Preissetzungsmacht.

Der erwartete Nachfrageanstieg nach Fleischersatzprodukten verstärkt die Position von Givaudan nochmals. Bei Fleischprodukten ist das Basisprodukt – Schwein, Rind, Hühnchen oder irgendetwas anderes – angeblich für 85 % des Geschmacks des fertigen Endproduktes verantwortlich. Aromen und Geschmacksstoffe hingegen nur für die restlichen 15 %. Dieses Verhältnis dreht sich bei Fleischersatzprodukten um: 15 % des Geschmacks kommen vom Basisprodukt, 85 % hingegen müssen die Aromen von Givaudan beisteuern.

Laut Statista soll der weltweite Markt für vegane Fleischersatzprodukte im Jahr 2020 bereits 120 Mrd. US-Dollar groß sein und bis zum Jahr 2040 auf 450 Mrd. US-Dollar anwachsen – ein Wachstum von 6,8 % pro Jahr. Hinzu kommt bis 2040 angeblich noch ein 630 Mrd. US-Dollar großer Markt für Laborfleisch, den es heute noch überhaupt nicht gibt. Ohne den Geschmack von Givaudan wäre diese optimistische Prognose aber nie und nimmer zu erreichen.

Natürlich bedient Givaudan mit seinen Aromastoffen nur einen kleinen Teil dieses Gesamtmarktes. Augfrund der beschriebenen Umkehrung der Geschmackserzeugung bei Fleischersatzprodukten – mehr durch Aromen, weniger durch das Basisprodukt – erhöht sich der Givaudan-Anteil am Gesamtmartk aber deutlich. Bestehen durchschnittliche Fleischprodukte zu 0,1 bis 0,2 % aus Aromen, steigt der Aromaanteil bei einem durchschnittlichen Fleischersatzprodukt auf 1 %. In der Spitze also eine Verzehnfachung des Marktpotenzials für Aromahersteller, wie Givaudan einer ist.

Givaudan bietet zum Glück viel mehr als Aromen für Fleischersatzprodukte

Die Marktkapitalisierung von Givaudan beträgt heute 26,6 Mrd. Schweizer Franken. Hinzu kommt eine ordentliche Nettoverschuldung in Höhe von 3,7 Mrd. Schweizer Franken zur Jahresmitte 2019. Nach den ersten neun Monaten des Jahres 2019 stehen Umsätze in Höhe von 4,7 Mrd. Schweizer Franken in den Büchern. Der Jahresumsatz für das Jahr 2019 wird sich also in der Größenordnung von 6,3 Mrd. Schweizer Franken bewegen.

Heute müsste man also das Fünffache des anvisierten Jahresumsatzes für Anteile an dem Schweizer Duft- und Aromaexperten bezahlen. Oder das 30-Fache des operativen Ergebnisses, sofern die EBIT-Marge von 16 % aus dem ersten Halbjahr des Jahres 2019 auch im zweiten Halbjahr erreicht werden kann. Selbst der optimistische Ausblick auf die günstigen Entwicklungen hin zu mehr Fleischersatzprodukten macht die Givaudan-Aktie bei diesen Zahlen nicht zum Mega-Schnäppchen.

Allerdings bietet das Unternehmen mit seinen Duftstoffen für Parfums, Pflege- und Haushaltprodukte und Aromen für Lebensmittel aller Art ein konjunkturunabhängiges Geschäftsmodell, welches noch dazu großartige Chancen für lang anhaltendes und profitables Umsatzwachstum bietet. Sei es nun durch die hohe Preissetzungsmacht, durch Mengensteigerungen aufgrund der starken Positionierung in schneller wachsenden Schwellenländern – rund 40 % der heutigen Umsätze – oder der zunehmenden Wichtigkeit von Duft- und Aromastoffen, wie wir es bei Fleischersatzprodukten sehen.

Trotz der ambitionierten Bewertung reicht das für mich aus, um der Givaudan-Aktie einen Platz in meinem persönlichen Aktienportfolio zu reservieren. Das wird sich aber nur dann als richtige Entscheidung herausstellen, wenn Givaudan es schafft, den durch mehrere Zukäufe angehäuften Schuldenberg abzutragen und weiterhin profitabel und zuverlässig zu wachsen.

Sven besitzt Aktien von Givaudan. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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