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Fresenius – Fundamental Top, Performance Flop?!

Fresenius (WKN: 578560) ist eines der erfolgreichsten DAX-Unternehmen der letzten 25 Jahre. In diesem Zeitraum konnten sich die Aktionäre über eine Ver-25-fachung des Kurses freuen. Hinzu kommt noch, dass Fresenius seit 27 Jahren die Dividende kontinuierlich erhöht hat und damit aktuell der einzige Dividendenaristokrat im DAX ist.

Der verpatzte Akorn-Deal

Doch obwohl Fresenius den DAX in den letzten 25 Jahren deutlich geschlagen hat, könnte die Performance sogar noch besser sein. Seit dem Allzeithoch bei über 80 Euro im Sommer 2017 tauchte die Aktie des Gesundheitskonzerns ab und notiert aktuell ein Stück oberhalb der 40-Euro-Marke. Auslöser dieses nun seit über zwei Jahren anhaltenden Abwärtstrends waren Probleme rund um die Übernahme des amerikanischen Pharmaunternehmens Akorn.

Der Akorn-Deal sollte mit einem Volumen von rund 4,3 Mrd. US-Dollar einer der größten in der Geschichte von Fresenius werden. Vorstandschef Stephan Sturm wollte mit Akorn eigentlich den Bereich Fresenius Kabi verstärken, doch schon kurz nachdem die Übernahmepapiere unterzeichnet wurden, veröffentlichte der amerikanische Generika-Hersteller sehr schlechte Ergebnisse. Daraufhin wertete die Börse die geplante Übernahme als Fehler und schickte die Fresenius-Aktie auf Talfahrt. Im Frühjahr 2018 gingen dann auch noch anonyme Hinweise bei Fresenius ein, dass Akorn bei seinen Medikamententests Daten geschönt hatte. Die Ergebnisse der anschließenden Untersuchung führten dazu, dass Fresenius von der Übernahme zurücktrat.

Fresenius hat das Vertrauen der Anleger verspielt

Obwohl Fresenius bereits vor über einem Jahr von einem US-Gericht im Recht gesehen wurde und daher kein langfristiger Schaden für den Konzern entstanden ist, kommt der Kurs seitdem nicht mehr richtig in Fahrt. Das liegt meiner Meinung nach in erster Linie daran, dass Fresenius das Vertrauen der Anleger verspielt hat. Es stellt sich nachvollziehbarerweise die Frage, warum die Probleme bei Akorn im Vorfeld nicht aufgefallen sind. Wenn man dann den Schluss zieht, dass die Probleme nicht aufgefallen sind, weil im Vorfeld der Übernahme schlampig geprüft wurde, verliert man schnell das Vertrauen in den Vorstand und damit auch in die Aktie.

Ich persönlich glaube nicht, dass Fresenius bei der Überprüfung von Akorn schlampig agiert hat. Stephan Sturm hat bereits bei der Ankündigung von Untersuchungen im Februar 2018 erklärt, dass es nicht möglich war, Bereiche wie die Produktentwicklung genau zu prüfen, da Akorn im direkten Wettbewerb mit Fresenius steht. Daher hat sich Fresenius für diese Bereiche vertragliche Zusicherungen geben lassen. Diese Zusicherungen scheinen sehr sorgfältig erstellt worden zu sein, denn auf deren Grundlage konnte Fresenius nun von der Übernahme zurücktreten. Daher hat Fresenius meiner Meinung nach sehr sorgfältig gearbeitet und es dadurch am Ende geschafft, Schaden vom Unternehmen abzuhalten.

Bewertung vergleichbar mit den Zeiten der Finanzkrise

Fresenius weist eine sehr ungewöhnliche Entwicklung auf. Zum einen hat sich der Kurs in den letzten beiden Jahren fast halbiert, zum anderen ist der Gewinn je Aktie aber auch kontinuierlich gestiegen. Und auch für die kommenden Jahre erwartet der Konzern Wachstum bei Umsatz und Gewinn. Diese für die Börse recht ungewöhnliche Konstellation führt dazu, dass Fresenius aktuell sehr niedrig bewertet wird. Aktuell liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Fresenius bei rund 12,6 (Stand: 14.10.2019). Zum Vergleich, während der Finanzkrise 2009 wurde die Fresenius-Aktie mit einem KGV von 14,2 gehandelt.

Ist Fresenius jetzt ein Schnäppchen?

Meiner Meinung nach schon. Es passiert nicht oft, dass sich eine Aktie eines Unternehmens mit steigenden Gewinnen im Kurs halbiert. Auch das Marktumfeld von Fresenius bietet langfristig gute Wachstumspotentiale, da der Gesundheitsmarkt von der demografischen Entwicklung profitieren wird. Daher denke ich, dass Fresenius die Gewinne auch in Zukunft weiter steigern kann. Als kleines Schmankerl gibt es aktuell zudem noch eine für Fresenius-Verhältnisse hohe Dividendenrendite von 1,9 % (Stand: 15.10.2019).

Alles in allem denke ich, dass sich jeder Foolishe Investor die Fresenius-Aktie auf dem aktuellen Niveau einmal genauer anschauen sollte. Es gibt aus meiner Sicht keine fundamentalen Probleme im Unternehmen, und trotzdem wird die Aktie niedriger bewertet als zu Zeiten der Finanzkrise. Und selbst, wenn es noch einige Zeit dauert, bis die Anleger wieder Vertrauen in Fresenius fassen, kann man sich in der Zwischenzeit mit der schönen Dividendenrendite trösten.

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Robin Gey besitzt Aktien von Fresenius. The Motley Fool empfiehlt Fresenius.