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Neue Impulse für die Mobilitätsservices von Daimler und BMW

Foto: car2go

Der neue BMW (WKN:519000)-Chef Zipse wurde recht deutlich. Er sieht BMW weder heute noch in Zukunft als Airline, sondern weiterhin als Flugzeugbauer. Auf BMW übertragen will er künftig sich also wieder deutlich stärker auf das Kerngeschäft des Autobauens konzentrieren und weniger stark auf Mobilitätsservices. Die Zukunft des erst kürzlich gemeinsam mit Daimler (WKN:710000) neu geformten Mobilitätsdienstleisters scheint bei derartigen Aussagen bereits auf der Kippe zu stehen.

Eine erste Konsequenz hat diese Erkenntnis schon hervorgebracht. Die bisherige Chefin der Mobilitätsallianz hat das Unternehmen verlassen. Angeblich aufgrund zu geringer finanzieller Unterstützung aus München und Stuttgart. BMW und Daimler sollen derzeit anscheinend schon nach externen Investoren für das Gemeinschaftsunternehmen suchen, um das künftige Wachstum zu finanzieren. Ihre eigenen, derzeit begrenzten finanziellen Ressourcen sehen die Autokonzerne im Kerngeschäft derzeit also besser eingesetzt.

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Der Kapitalbedarf des gemeinschaftlichen Mobiltätsdienstleisters aufgrund des hart umkämpften Marktes ist sicherlich nicht gering. Einige Beobachter sehen daher einen möglichen Teilverkauf von Anteilen am Gemeinschaftsunternehmen für die Daimler-Aktie und die BMW-Aktie vielleicht sogar als positive Neuigkeit. Eine allzu deutliche Begrenzung der Unternehmensanteile würde ich persönlich zwar nicht befürworten, ein neuer Geldgeber könnte aber auch für neue Impulse sorgen. Bevor wir genau dazu kommen, lasst uns zunächst darauf schauen, was wir über das Gemeinschaftsunternehmen derzeit überhaupt wissen.

Zwar wenige, aber dennoch interessante Informationen

Sowohl Daimler als auch BMW geizen derzeit noch mit Informationen über den wirtschaftlichen Erfolg des Gemeinschaftsunternehmens. Die Zahlen die beide Unternehmen erscheinen zumindest auf den ersten Blick nicht allzu schlecht. Sie zeigen aber auch, wie klein dieser Bereich im Vergleich zum heutigen Stammgeschäft noch ist.

Zählten die unterschiedlichen Services zum Ende des ersten Quartals noch mehr als 66 Mio. Kunden, waren es zum Ende des zweiten Quartals bereits mehr als 75 Mio. Kunden in mehr als 1.200 Städten. Auch die Anzahl der Transaktionen stieg von 124 Mio. im ersten Quartal deutlich auf 144 Mio. im zweiten Quartal 2019. Das drückt sich natürlich auch im sogenannten Gross Merchandise Volume aus. Zum 30.06. betrug der annualisierte Wert aller Umsätze, die über die verschiedenen Dienste gebucht wurden, rund 3,4 Mrd. Euro – ordentliche 200 Mio. Euro mehr als noch im ersten Quartal. Könnte man dieses Wachstum über ein komplettes Jahr aufrechterhalten, würde das einer Wachstumsrate von über 27 % auf Jahressicht entsprechen.

Natürlich kommt nur ein Teil dieses Buchungsvolumen beim Gemeinschaftsunternehmen als Umsatz an. Schließlich wollen beispielsweise auch die FREENOW-Taxifahrer einen fairen Anteil daran abhaben. Bei Uber verbleiben beispielsweise rund 20 % der im Ride-Sharing gebuchten Transaktionen als Umsatz beim Unternehmen selbst. Bei einem ähnlichen Wert würde sich der auf ein Jahr hochgerechnete Umsatz des BMW/Daimler-Gemeinschaftsunternehmen auf 700 Mio. Euro belaufen.

Das ist im Vergleich zu den Jahresumsätzen der beiden Unternehmen – bei Daimler knapp 170 Mrd. Euro, bei BMW knapp 100 Mio. Euro – natürlich vernachlässigbar. Die Idee von Zipse, sich auf das Stammgeschäft zu konzentrieren, ist auf den ersten Blick also durchaus nachvollziehbar. Dennoch, eine allzu deutliche Reduzierung der Anteile am Mobilitätsdienstleister würde ich als Aktionär beider Unternehmen persönlich nicht gut finden. Ein neuer Investor könnte aber für neue Impulse und für die notwendige Unabhängigkeit von den Großkonzernen sorgen.

Mehr Unabhängigkeit kann nicht schaden

Das Geschäft eines Mobilitätsserviceanbieters unterscheidet sich deutlich vom Geschäft eines Autobauers, schon beim Blick auf Wachstumsdynamik, Produktentwicklungszyklen, Konkurrenten und die Anzahl der Kundeninteraktionen. Darüber sollten wir uns nicht streiten müssen. Eine größtmögliche Unabhängigkeit des Mobilitätsdienstleisters von den Entscheidungsträgern des Autobauers fand ich daher bereits bei der Vorstellung des Gemeinschaftsunternehmens gut. Sollte nun also noch ein konzernfremder Finanzinvestor in das Gemeinschaftsunternehmen einsteigen, könnte das diese notwendige Unabhängigkeit weiter steigern.

Als Anteilseigner von BMW und Daimler würde ich mir dennoch wünschen, dass beide Unternehmen weiterhin einen gewichtigen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen halten. Weil diese Unternehmensanteile eine Art Lebensversicherung darstellen, wenn neue Mobilitätsservices irgendwann tatsächlich zu einem Rückgang der Pkw-Verkäufe führen sollten. Nach den Aussagen von Zipse bin ich zumindest bei BMW hier derzeit aber nicht sehr zuversichtlich.

Natürlich, heute würde diese Versicherung nur einen sehr kleinen Rückgang der Pkw-Verkäufe abdecken. Wenn das bisherige Wachstum aber in Zukunft fortgeführt werden kann, so wird diese Versicherung von Jahr zu Jahr gewichtiger. Wenn der neue Finanzinvestor nun noch frisches Kapital zur Finanzierung des weiteren Wachstums mitbringt, könnte sich das bisherige Wachstum vielleicht nochmal beschleunigen. Lassen wir uns also überraschen, wie sich Daimler und BMW entscheiden werden, wer als neuer Investor gewonnen werden kann und wie sich das auf die Aktienkurse von BMW und Daimler auswirken wird.

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Sven besitzt Aktien von BMW und Daimler. The Motley Fool empfiehlt BMW und Uber Technologies.

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