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2 Foolishe Wege, um die Bewertung einer Aktie systematisch einzuschätzen

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Wie bewertet man Unternehmen und ihre Aktien am besten? Das ist eine Frage, die sich jeder ernsthafte Anleger früher oder später stellt. Das verfügbare Instrumentarium ist nahezu unüberschaubar und Experten fuchteln gerne mit Anglizismen wie Enterprise Value, Discounted Cashflow und Return on Investment herum. Davon sollten wir uns jedoch nicht einschüchtern lassen. Zwei unserer Autoren zeigen im Folgenden auf, wie sie sich ohne wahnsinnigen Aufwand und Rechenakrobatik einen vernünftigen ersten Eindruck verschaffen.

Die Erkundung des zukünftigen KGV-Pfads

Ralf Anders: Manche Anleger beginnen die Suche nach guten Investitionsgelegenheiten mit einem Stock Screening Tool, also einem Onlinewerkzeug, das Aktien nach bestimmten Kennzahlen herausfiltert. Aber das können die Profis mit ihren Supercomputern und KI-Algorithmen besser. Am Anfang eines Auswahlprozesses sollte aus meiner Sicht vielmehr eine Liste von Unternehmen stehen, die wir schon ein bisschen kennen- und schätzen gelernt haben.

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Daraufhin gehe ich der Frage nach, ob mir auch der Kurs dazu gefällt. Erst jetzt kommen Kennzahlen ins Spiel. Mein Blick fällt dabei zuerst auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und wie es sich über die letzten Jahre entwickelt hat. Warum? Weil der Kurs (Zähler) und der Nettogewinn je Aktie (Nenner) für jede Aktiengesellschaft leicht und einheitlich verfügbar sind.

Bei anderen Dingen wie Free Cashflow oder Enterprise Value (Wert des schuldenfreien Betriebs, kurz EV) muss ich hingegen immer genauer hinsehen, was exakt gemeint ist. Von daher fühle ich mich mit dem KGV wohler, zumal der Wert auch über das Verhältnis von Marktkapitalisierung und (den Aktionären zustehendem) Nettogewinn schnell überschlagen werden kann.

Wenn ich also die KGV-Reihe habe, interessiert mich als Nächstes, was die Veränderung des Nettogewinns je Aktie über die letzten Jahre getrieben hat (Umsatzwachstum, Margenausweitung, Finanzierungskosten, Aktienrückkäufe, Sondereffekte?). Viele Börsenportale bieten dafür praktische 5-Jahres-Übersichten. Das dient mir als erster Anhaltspunkt, was für die Zukunft erwartbar ist.

Schauen wir uns zum Beispiel Wirecard (WKN: 747206) an: Der aktuelle Kurs von 147 Euro (23.09.2019) entspricht einem 2014er-KGV von 165, was wahnsinnig teuer wirkt. Allerdings stieg der Gewinn pro Aktie von damals 0,89 Euro auf 2,81 Euro im Geschäftsjahr 2018. Das 2018er-KGV liegt dann „nur“ noch bei 52. Gelingt bis 2022 erneut ein solcher Gewinnsprung von 216 %, dann würde das KGV bezogen auf den heutigen Kurs auf handliche 17 fallen.

An dieser Stelle müssen wir uns erstens fragen, ob es wahrscheinlich ist, dass Wirecard mit der gleichen Geschwindigkeit der vergangenen Jahre den Gewinn steigern kann. Zweitens möchte ich mir eine Meinung darüber bilden, ob das Unternehmen nach 2022 noch genügend Entfaltungsmöglichkeiten haben wird, um sich auch längerfristig auf einem Wachstumspfad zu halten.

Wenn ich in diesem Fall beide Fragen positiv beantworten könnte, dann käme der stürmische Finanzdienstleister sicherlich in meine engere Wahl. Also stelle ich weitere Überlegungen an, wäge zusätzliche Chancen und Risiken ab und prüfe beispielsweise vergangene Skandale, die Transparenz des Zahlenwerks, das Wettbewerberumfeld, aussichtsreiche neue Geschäfte und die Robustheit der Bilanz. Damit sind wir aber schon in der tiefer gehenden Analyse.

Die Methode funktioniert besonders gut bei Unternehmen, wo sich ein wahrscheinlicher Entwicklungspfad identifizieren lässt. Geht es hingegen eher um Hop oder Top, dann wird man nicht umhinkommen, zusätzlich mit Szenarien und Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. So in etwa gehe ich in der Regel vor. Was meinst du dazu, Caio?

Statistiken mit einer Portion Zukunftsprognose

Caio Reimertshofer: Ja, Ralf, deine vorgestellte Methode klingt doch schon sehr interessant! Mit Wirecard hast du auch einen Wert gewählt, mit der sich deine Methode wunderbar nachvollziehen lässt. Vielleicht probiert der eine oder andere Leser einfach sein Glück direkt aus und berechnet den zukünftigen KGV-Pfad seiner Wunschaktie, um den Startschuss für eine tiefer gehende Analyse zu geben. Um den ersten Eindruck von der Bewertung einer Aktie zu bekommen, gehe ich etwas anders vor. Lass mich im Folgenden genauer darauf eingehen.

Wenn ich auf ein Unternehmen aufmerksam werde, das augenscheinlich über ein interessantes und attraktives Geschäftsmodell verfügt, sammle ich von dem Unternehmen ein paar Basisdaten und werfe diese in eine selbst erstellte Excel-Tabelle. Die Excel-Tabelle berechnet daraufhin übliche Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, das Kurs-Buch-Verhältnis, die Eigenkapitalrendite, die Eigenkapitalquote und noch ein paar andere für mich interessante Werte.

Eine Pivot-Tabelle verschafft mit daraufhin einen Überblick über alle gesammelten Daten. Mit einer hinterlegten, bedingten Formatierung erkenne ich direkt, welche Werte auf den ersten Blick positiv wirken. Wichtig zu beachten ist, dass ich mir, als ich die Excel erstellte, Gedanken gemacht habe, welche Kennzahlen ich einfach immer wissen möchte. Selbstverständlich kann nicht jede Kennzahl für jedes Unternehmen oder jede Branche ohne Weiteres hingenommen werden – sie dienen mir jedoch bisher sehr gut als erste Einschätzung.

Sind die meisten Bewertungskennzahlen erfreulich, gehe ich tiefer in die Analyse. Das bedeutet kurz gesagt: Geschäftsberichte durchleuchten und ein Gefühl für die laufenden Entwicklungen und das Management bekommen. An dieser Stelle hinterfrage ich jede Kennzahl, die ich davor ausgewertet habe. So bekomme ich ein Gefühl dafür, woher die statistischen Ergebnisse rühren und wie die zukünftigen Entwicklungen aussehen könnten.

Bin ich auch hier zufrieden, schätze ich in einer weiteren Excel-Tabelle (ja, ich liebe Excel) den Umsatz, die Aufwendungen und das operative Ergebnis für das Unternehmen in fünf Jahren. Dazu recherchiere ich das vergangene Wachstum des Marktes, in dem das Unternehmen tätig ist, und die Prognosen für das zukünftige Marktwachstum. Diese Daten findet man auf Statistikportalen oder in entsprechenden Unternehmensberichten. Anschließend nutze ich die erhobenen Daten, um meine eigene Einschätzung für das Wachstum zu treffen.

Das mag auf den ersten Blick alles kompliziert klingen, ist jedoch recht simpel, macht Spaß und lohnt sich definitiv, wenn man einmal einen Treffer landet, wo scheinbar alles passt.

Viele Wege führen nach Rom

Wir haben hier zwei Vorgehensweisen vorgestellt, wie man über Aktien nachdenken kann, ohne sich in Details oder komplexen Zahlenspielen zu verirren. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies der Weisheit letzter Schluss ist. Vielmehr hoffen wir, einen Anstoß gegeben zu haben, damit du deine ganz persönliche Methodik entwickeln oder verfeinern kannst.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien.

The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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