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Wird die OSRAM-Übernahme durch die ams AG torpediert? – Was Aktionäre jetzt bedenken sollten

Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob die ams AG (WKN: A118Z8) die Akquisition der OSRAM Licht (WKN: LED400) nun durchziehen könnte, nachdem das Management des Photonik-Konzerns sich zu einer Empfehlung für seine Aktionäre durchrang, das Angebot anzunehmen. Vom Private-Equity-Unternehmen Carlyle war außerdem zu hören, dass man keinesfalls in eine Übernahmeschlacht einsteigen wolle.

Bei den Kollegen von Bain Capital sieht man das aber offenbar anders, weshalb auch OSRAM-Aktionäre ihre Pläne überdenken müssen.

So ist jetzt die Lage

Das Angebot, 38,50 Euro für jede angediente Aktie zu bezahlen, läuft auf Hochtouren und das ams-Management drängt die Aktionäre zum Handeln. Schließlich endet die Annahmefrist schon am 1. Oktober zur Geisterstunde und nicht jede Bank ist so fit, dass sie Kundenaufträge noch am selben Tag ausführen kann. Außerdem wurden zum 24.09. lediglich 2 % der ausstehenden Anteile angedient. Da fehlt noch eine Menge, bis die notwendigen 62,5 % erreicht sind.

Offenbar warten gerade die institutionellen Anleger, die über einen Großteil der Aktien verfügen, bis zum letzten Moment mit ihrer Entscheidung. Wie man jetzt wieder sieht, könnte sich ihr Abwarten lohnen. Denn Bain Capital, das bereits beim etwas mickrigen 35-Euro-Gebot federführend beteiligt war, will jetzt mit einem neuen Partner, der Advent International Corporation aus Boston, ausloten, ob man nicht doch noch eine deutlich verbesserte Offerte machen könne.

Noch ist jedoch nichts Konkretes bekannt geworden und da die Zeit drängt, stellt sich nun die Frage, wie Anleger sich jetzt verhalten sollen.

Was man sonst noch wissen muss

Die Verantwortlichen bei OSRAM zeigten mehr Sympathien für die Pläne der Investoren, weil diese den weitgehenden Erhalt der bisherigen Strukturen und Strategie versprachen, während der österreichische Sensorentwickler eine Zerschlagung und einschneidende Umbaumaßnahmen plant, deren Ausgang schwer einzuschätzen ist. Dass Bain Capital sich nun also doch noch einmal aus der Deckung hervorwagt, wird freudig begrüßt.

Der Aktienkurs hat am 25.09. auch erstmals seit Monaten den Angebotspreis von 38,50 Euro überschritten, sodass Investoren an der Börse mehr erlösen können als über die Annahme der ams-Offerte. So wie es aussieht, haben die Marktteilnehmer großes Vertrauen in Bain. Falls die Amerikaner nämlich doch einen Rückzieher machen und die beiden laufenden Übernahmeangebote Anfang Oktober ergebnislos auslaufen, dann stehen Aktionäre mit leeren Händen da.

Wir müssen uns auch fragen, was damit gemeint ist, eine „bedeutende“ Erhöhung sei geplant. Sicher ist, dass Bain jetzt nicht mit 39 Euro kommen kann. Aber werden es 40 Euro sein oder wird man gar erneut um 10 % aufstocken, also auf 42,35 Euro? – Irgendwo in dieser Spanne vermutlich.

Dass ams dann gegenhält und seinerseits erhöht, ist eher unwahrscheinlich, denn die Österreicher haben bereits für das bestehende Angebot der größeren OSRAM mit spitzem Bleistift rechnen müssen (Update 27.09.: das habe ich falsch eingeschätzt – ams erhöht auf 41 EUR). Gut für ams ist allerdings, dass es über die Börse bereits über 4 % der OSRAM-Aktien gekauft hat, und zwar im Schnitt für unter 38 Euro. Dafür wurden rund 150 Mio. Euro eingesetzt, die zur Not gewinnbringend an das Bain-Konsortium weiterveräußert werden könnten. Es wäre ein kleines Trostpflaster im Wert von vielleicht 15 Mio. Euro.

Was jetzt zu tun ist

Seit die Übernahmegeschichte begann, hatte ich die Marke von 40 Euro im Auge, die ich für ein vernünftiges Kursniveau halte. Da wir jetzt bei knapp 39 Euro sehr nah dran sind, spricht einiges dafür, Kasse zu machen, mit dem Thema abzuschließen und sich nach neuen Chancen umzusehen. Das mögliche Angebot von Bain ist natürlich ein willkommener Kurstreiber, aber völlig darauf verlassen würde ich mich nicht.

Das ams-Angebot anzunehmen ergibt andererseits auch keinen Sinn, solange sich direkt an der Börse mehr erlösen lässt. Wer hingegen das Maximum ausreizen möchte, der tut einfach weiterhin nichts und lässt die Dinge auf sich zukommen. Wer weiß, was diese spannende Geschichte sonst noch so auf Lager hat.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von OSRAM.

The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.