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„Wie Hedgefonds von 150.000 gestrandeten Urlaubern profitieren“

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Ja, da sind sie mal wieder, die bösen Hedgefonds. Stecken sich ein paar Hundert Millionen Euro in die Taschen, während der „kleine Mann“ nicht von der Insel herunterkommt. Aber wie genau funktioniert das Spiel und ist es wirklich so fies, wie es sich in der Presse im Zuge der Pleite von Thomas Cook (WKN: A0MR3W) vielfach anhört? Hier sind ein paar Hintergründe.

Des einen Leid, des andern Freud

Wo jemand gewinnt, da verliert auf der anderen Seite auch jemand. Die Finanzmärkte sind häufig ein Nullsummenspiel. Im Fall von Thomas Cook gibt es offenbar ein paar Hedgefonds und andere Vehikel, die gezielt auf die Insolvenz gesetzt haben und nun saftige Renditen auf ihren Einsatz bekommen. Auf der Gegenseite stehen aber nicht unmittelbar die armen Urlauber, die von dem ganzen Schlamassel betroffen sind, sondern vielmehr andere institutionelle Investoren, die ihrerseits darauf gesetzt haben, dass Thomas Cook den Turnaround schaffen kann.

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Anders ausgedrückt wären die Pauschalreisenden wahrscheinlich auch gestrandet, wenn die „Wetten“ nicht stattgefunden hätten. Es besteht also kein ursächlicher Zusammenhang, soweit von außen erkennbar (etwas anderes wäre es natürlich, wenn die profitierenden Hedgefonds aktiv Einfluss genommen hätten, um das Geschäft von Thomas Cook zu schädigen oder gar zu sabotieren).

Auf alle Fälle gehen solche Hedgefonds routinemäßig ähnliche Geschäfte ein. Manchmal gewinnen sie dabei und manchmal verlieren sie, und wenn im Schnitt eine vernünftige Rendite übrig bleibt, dann haben sie einen guten Job gemacht. Zeit für Schadenfreude kommt da wahrscheinlich nur selten auf.

Überhaupt profitieren wir als Aktionäre ebenfalls immer mal wieder von Missgeschicken und Unglücken. Wenn im arabischen Raum die Petroindustrie unter Beschuss steht, schießen die Erdölaktien hoch. Das drohende Aus für Condor treibt die Aktie der Lufthansa (WKN: 823212) und die Boeing (WKN: 850471)-Abstürze haben die Airbus (WKN: 938914)-Aktie beflügelt.

Insgesamt denke ich daher, dass man die Perspektive weiten muss. Statt sich auf Einzelfälle zu konzentrieren ist es sinnvoller, das Gesamtbild im Blick zu behalten. Manchmal bekommt unser Depot Rückenwind durch den Schaden anderer und das nächste Mal sind wir vielleicht selbst betroffen. Langfristig sollte sich das in etwa ausgleichen.

Sicher ist, dass sich mit dem Thomas-Cook-Desaster eine Menge Geld machen ließ.

Wie die Wetten gegen Thomas Cook funktioniert haben

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, um gegen einen Großkonzern zu wetten (bei kleineren Nebenwerten sind es typischerweise weniger).

Zertifikate
Für uns Privatanleger steht normalerweise ein breites Spektrum an Optionsscheinen, Zertifikaten und Knock-out-Papieren zur Verfügung, um auf fallende Kurse zu setzen. Auf das englische Unternehmen wurden jedoch anscheinend keine Produkte aufgelegt, sodass es für uns nicht so leicht war, einen Weg zu finden, um hier mitzuspielen.

Optionen
Auf viele Aktien werden auch Optionen an den Terminbörsen angeboten. So kann man an der Intercontinental Exchange beispielsweise auf sinkende Kurse von EasyJet (WKN: A1JTC1) setzen, und zwar gehebelt, sodass mit kleinem Einsatz ein großer Gewinn möglich ist – genauso wie ein Totalverlust. Auf Thomas Cook gab es jedoch, soweit für mich erkennbar, dort kein Angebot.

Leerverkäufe
Die nächste Möglichkeit besteht darin, sich Aktien von einem Investor (zum Beispiel ein Pensionsfonds) für eine mehr oder weniger geringe Gebühr zu leihen und direkt zu verkaufen – und dann abzuwarten, bis der Kurs einbricht. An dieser Stelle kann die Aktie billig zurückgekauft und dem ursprünglichen Investor wieder eingebucht werden.

Diese Strategie hat offenbar bei Thomas Cook super geklappt. Zuletzt hatte laut CNBC-Informationen eine ganze Reihe von Fonds größere Leerverkaufspositionen, darunter TT International mit 3,83 % und Whitebox Advisors mit 3,15 %. Zusammen haben sie mehrere Hundert Millionen damit verdient, wenn man bedenkt, dass die Aktie seit dem Frühjahr 2018 wohl bis zu 99 % ihres Werts verloren hat (Stand 25.09.2019).

Versicherungskontrakte
Credit Default Swaps (CDS) sind Finanzkonstrukte, die nur absolute Insider wirklich verstehen. Und doch gehören sie zu den bedeutendsten Anlageklassen überhaupt. Sie wurden eingeführt, um das Ausfallrisiko, das Anleihebesitzer tragen, handeln zu können. Das ist eigentlich eine gute Sache, weil ich so mit reduziertem Risiko an der Investition festhalten kann. Für die Gegenseite in der Rolle des Versicherers wiederum ergeben sich interessante Renditechancen.

Vor der Finanzkrise nach 2007 haben es allerdings einige Spieler übertrieben, indem sie halsbrecherische Risiken außerhalb der Bilanz eingingen. Solange es keine größeren Pleiten gab, wurden so schöne Zusatzgewinne erwirtschaftet, die über Boni und Dividenden an Mitarbeiter und Aktionäre verteilt werden konnten. Dann platzte die Blase und der Staat musste einspringen.

Heute ist dieses Geschäft viel stärker reguliert und gehandelt wird weniger im Hinterzimmer („over the counter“), sondern über multilaterale Plattformen wie ICE Clear Europe, die die Rahmenbedingungen für die Derivate definieren und somit Transparenz herstellen. Das Volumen solcher Kontrakte ist deutlich zurückgegangen (nominal von 61,2 Billionen (!) USD Ende 2007 auf 9,4 Billionen USD Ende 2017). Trotzdem bleiben CDS ein wichtiges Segment für institutionelle Teilnehmer.

Einige davon haben auf den Ausfall der ausstehenden Thomas-Cook-Anleihen spekuliert. Mit der Insolvenzanmeldung ist wohl ein sogenanntes CDS Credit Event eingetreten, das die Gegenpartei zur Zahlung verpflichtet.

Wer die Gegenparteien sind, war nicht zu recherchieren, aber sicher ist, dass jemand dafür geradestehen muss – und das wird wohl ein Finanzdienstleister oder ein anderer Fonds sein. Theoretisch könnte auch die Deutsche Bank (WKN: 514000) oder die Allianz (WKN: 840400) betroffen sein. Meine Vermutung ist, das ein Finanzinstitut in der Doppelrolle als Thomas-Cook-Gläubiger und CDS-Versicherer stand und deshalb eine Lösung mit Schuldenschnitt unbedingt vermeiden wollte, ohne jedoch eine gangbare Alternative organisieren zu können. Vielleicht erfahren wir mehr, wenn die Berichtssaison zum gerade ablaufenden Quartal startet.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien.

The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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