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Deutsche Automobilzulieferer im Ausverkauf: Hände weg oder zugreifen? 3 Foolishe Meinungen

Foto: Getty Images

Hast du auch den Eindruck, dass Lieferanten von Fahrzeugkomponenten seit einiger Zeit optisch billig wirken? Trotzdem geht es bei Zuliefereraktien auf breiter Front immer weiter bergab. Stecken hier vielleicht strukturelle Ursachen mit langfristig negativen Auswirkungen dahinter oder handelt es sich eher um ein temporäres Phänomen, das langfristig orientierten Investoren in die Hände spielt?

Drei unserer Foolishen Autoren haben sich dazu Gedanken gemacht. Hier sind ihre Erkenntnisse.

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Wenn es Hightech im Sonderangebot gibt, ist Augenaufhalten angesagt

Ralf Anders: Was seit etwa Juni 2018 mit den Automobilzulieferern auf breiter Basis passiert ist, lässt sich aus meiner Sicht kaum mit Vernunft erklären. Natürlich gab es ein Zusammentreffen von ungünstigen Entwicklungen – Stichworte WLTP, BREXIT und Handelskrieg – die auf die sich immer stärker abzeichnende Mobilitätswende getroffen sind. Solche Phasen machen Aktionäre nicht glücklich.

Aber muss man es deshalb dermaßen übertreiben und sämtliche Aktien der Branche nach unten prügeln? Werden die Zulieferer jetzt alle verschwinden oder sich gegenseitig zerfleischen? Wird der Autoabsatz von einem auf den anderen Tag zusammenschrumpfen? Viele Fragen, auf die meine Antwort jeweils „Nein!“ wäre.

Es gibt gerade in Deutschland und Europa herrliche Automobilzulieferer, deren Technologieposition sich kaum hinter den schillernden IT-Giganten aus dem Silicon Valley verstecken muss. Ich denke dabei beispielsweise an Valeo (WKN: 854052), Continental (WKN: 543900) oder Veoneer (WKN: A2JM03), die alle zuletzt beeindruckende Innovationen vorgestellt haben und zweifellos ihren Stempel der Gestaltung der Elektromobilität und Fahrzeugautonomie aufdrücken werden.

Schauen wir uns Conti an: Die haben über die letzten Jahre zuverlässig 2 bis 3 Mrd. Euro Nettogewinne abgeliefert und gleichzeitig starke Partnerschaften geknüpft sowie große Summen in Zukunftsthemen investiert. Trotzdem liegt die Marktkapitalisierung aktuell bei unter 25 Mrd. Euro (12.09.2019).

Valeo wiederum hat über viele Jahre hinweg bewiesen, dass es stark darin ist, Wachstum zu generieren, und hat sich von einem Zulieferer aus der zweiten Reihe in die globale Spitzengruppe vorgearbeitet. Mit dem Verbrennungsmotor hat man dabei nicht viel zu tun, kontrolliert jedoch mit dem deutschen E-Antriebs-Joint-Venture Valeo Siemens eAutomotive eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Branche, das bereits im kommenden Jahr Milliardenumsätze schreiben wird.

Die depressiven Charts passen da einfach nicht dazu. Wo sonst erhält man so viel Hightech zu solchen Schnäppchenpreisen?

Die Risiken übersteigen die Chancen gewaltig

Christoph Gössel: Da magst du recht haben Ralf, man wird in der Branche sicherlich außergewöhnliche Schnäppchenkäufe machen können. Was mich jedoch von einem Investment abhält, ist die immense Unsicherheit in der Branche: Langfristig wird sich die Welt vom Verbrennungsmotor verabschieden und durch Batterie und Elektromotor (vielleicht aber auch eine andere Technologie) beerbt werden. Und das wird dazu führen, dass die Komponenten, die für Verbrennungsmotoren und deren Antriebsstränge benötigt werden, über die Zeit obsolet werden.

Das schafft für alle Unternehmen in der Branche ein erhebliches langfristiges Risiko, da sie sich so positionieren müssen, dass sie diesen Übergang ohne große Schwierigkeiten meistern. Das ist leichter gesagt als getan, da die zukünftige Struktur der Branche noch überhaupt nicht klar ist: Welche Wertschöpfung werden die Autohersteller in Zukunft selbst leisten, wo steigen neue Unternehmen in den Markt ein und wie können sich Zulieferer hier am besten positionieren?

Für Investoren ist es zudem extrem schwer einzuschätzen, welche Unternehmen die führenden Technologien entwickeln werden. Die meisten von uns Investoren haben keine großen Kenntnisse im Ingenieurswesen oder in der Elektrotechnik, die es uns erlauben würden, die technischen Entwicklungen in den Unternehmen zu beurteilen. Stattdessen bleibt uns fast nur noch das Vertrauen in die Unternehmen und ihre Managementteams, die bevorstehenden Herausforderungen möglichst gut zu meistern.

Unsicher ist außerdem, inwiefern die Mobilitätswende bei den Zulieferern tatsächlich auch für langfristige Gewinnsteigerungen sorgen können wird oder ob die notwendigen Investitionen reine „Arterhaltung” ohne Mehrwert sind.

Wir Fools investieren gern in Unternehmen mit starken und möglichst sicheren Marktpositionen, die durch Wettbewerbsvorteile untermauert werden. Das versetzt uns in die Lage, uns bei unseren langfristigen Investitionen entspannt zurücklehnen zu können. In einer Branche, die sich so stark verändert, wie es die Automobilindustrie derzeit tut, ist das aus meiner Sicht nicht gegeben.

Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte …

Thomas Brantl: Ralf, Christoph – ich glaube, dass ihr beide mit euren Argumenten irgendwo recht habt! Wie Ralf halte ich es ebenfalls für absolut übertrieben zu glauben, dass von heute auf morgen niemand mehr einen BMW, Daimler oder einen Volkswagen kaufen möchte! Zu viele Gründe sprechen für die Produkte dieser Unternehmen.

Sei es die starke Brand, die Gewohnheit oder auch die Qualität, die diese Fahrzeuge mitbringen – sie werden sich meiner Meinung nach auch in den nächsten Jahren gut verkaufen. E-Antrieb hin, autonomes Fahren her. Und deshalb gehe ich auch davon aus, dass die Welt der Automobilzulieferer rund um Continental, Hella und Co. nicht von heute auf morgen untergehen wird!

Andererseits kann ich auch Christophs Argumentation gut nachvollziehen – jup, die Branche befindet sich im Umbruch und jup, wir „normalen“ Privatanleger tun uns sicher schwer, solch komplexe Unternehmen und deren noch komplexere Produkte und Wettbewerbsvorteile zu bewerten, keine Frage.

Was also tun? Nun, ich halte es mit den Aktien von Automobilzulieferern wie folgt: Auf keinen Fall würde ich aufgrund kurzfristiger Trends oder Entwicklungen in eine Aktie aus dem Zuliefersektor investieren, nur weil ich auf eine Erholung spekuliere. Oder weil ich glaube, dass sich diese oder jene Technologie durchsetzen könnte. Hierfür fehlt es mir schlichtweg an Fachkompetenz.

Wenn mich allerdings ein Unternehmen aus diesem Bereich überzeugt – ich also denke, dass ein fähiges Management, motivierte Mitarbeiter, eine starke Marktstellung und eine gesunde Bilanz vorhanden sind –, dann  schaue ich mir solch ein Aktie derzeit sehr genau an.

Denn hier stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass solch ein Unternehmen langfristig sogar von den massiven Veränderungen in der Automobilbranche profitieren könnte – und die derzeitige Situation somit eine günstige Einstiegsgelegenheiten darstellen könnte.

In meinen Augen könnte dies aktuell auf Continental zutreffen – eine Aktie, die ich bereits besitze und bei der ich prüfe, ob ich noch mal aufstocken soll.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Continental und Valeo. Christoph Gössel besitzt keine der erwähnten Aktien. Thomas Brantl besitzt Aktien von Continental und Daimler. The Motley Fool empfiehlt BMW und Hella.

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