The Motley Fool

3 deutsche Nebenwerte, die wir jetzt spottbillig finden

Foto: Getty Images

Die Börse ist oft nicht rational. Aktien, die zu lange schlecht laufen, werden manchmal noch zusätzlich abverkauft, einfach weil die Anleger die Geduld verlieren. Oder Leerverkäufer schießen sich auf eine ganze Branche ein und reißen damit auch eigentlich erfolgreiche Unternehmen mit nach unten. Was auch immer die Ursache ist: Es passiert immer wieder, dass aus günstigen Aktien spottbillige werden.

Wir haben drei Foolishe Autoren nach ihren Kandidaten für solche Schnäppchen mit Aufholpotenzial gefragt. Dabei sind drei sehr unterschiedliche Ideen herausgekommen, sodass für jeden Anlegertyp etwas dabei sein sollte.

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Die MBB-Aktie – Beteiligungsgesellschaft zum Schnäppchenpreis

Sven Vogel: Das neun Köpfe zählende Team von MBB (WKN:A0ETBQ) betreut derzeit eine Sammlung von sieben bunt gemischten Beteiligungen – vom Automobilzulieferer bis hin zum Matratzenhersteller. Zudem sind sie angestrengt auf der Suche nach neuen Beteiligungslinien und ergänzenden Zukäufen für die bestehenden Beteiligungen.

Um das MBB-Geschäft soll es heute aber nicht gehen, sondern um spottbillige Nebenwerte. Ein Nebenwert ist die Berliner Investmentgesellschaft dabei auf alle Fälle: Der Name taucht derzeit noch nicht einmal im SDAX auf, und die Marktkapitalisierung ist mit knapp 380 Mio. Euro (alle Angaben zum 06.09.2019) ebenfalls noch nicht allzu üppig.

Aber sind die MBB-Aktien heute auch zu einem Spottpreis zu haben? Ich denke schon!

Im diesjährigen Halbjahresabschluss zählte die Unternehmensgruppe ein Eigenkapital abzüglich der Minderheitsanteile von 317 Mio. Euro. Derzeit muss man für einen MBB-Anteil also das 1,2-Fache des bilanzierten Eigenkapitals hinblättern. Für eine Beteiligungsgesellschaft, die das Eigenkapital seit Börsengang um durchschnittlich 22 % pro Jahr steigern konnte, ein ausgezeichneter Preis.

Auch von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet scheint die MBB-Aktie heute ein großartiges Schnäppchen zu sein. Summiert man die Unternehmensanteile der börsennotierten Beteiligungen Aumann (MBB-Anteil 84 Mio. Euro) und Delignit (MBB-Anteil 29 Mio. Euro) und zählt noch die Nettoliquidität von 217 Mio. Euro hinzu – Achtung, der Kaufpreis für die kürzlich erworbene siebte Beteiligung ist hier noch nicht abgezogen –, zahlt man für die anderen vier Beteiligungslinien und das Know-how des MBB-Managements läppische 50 Mio. Euro.

Die Aktie von SGL Carbon – jede Menge Hightech für dein Geld

Ralf Anders:Oh ja, MBB könnte jederzeit nach oben ziehen, wenn man sich diese Kennzahlen anschaut. Mein Pick ist da etwas riskanter, bietet aber dafür aus meiner Sicht noch mehr Turnaround-Potenzial. SGL Carbon (WKN: 723530) ist der europäische Konzern für Spezialgraphit und Verbundwerkstoffe und hat sich über die letzten Jahre auf Lösungen für Hightech-Anwendungen fokussiert. Leichtbau für Fahrzeuge, Raketen und Windturbinenrotoren ist da genauso dabei wie besonders robuste Komponenten für die Medizintechnik und Prozessindustrie.

Dinge wie Gasdiffusionsschichten zum Einsatz in PEM-Brennstoffzellen, 3D-Druck mit Kohlenstoff und Siliziumkarbid sowie synthetisches Karbon für Graphit-Anodenmaterial von Lithium-Batteriezellen sorgen für langfristige Wachstumsfantasie. Dadurch, dass SGL die Wertschöpfungskette von den Vormaterialien bis hin zum perfekt auf die Anwendung abgestimmten System beherrscht, hat sich das Unternehmen zu einem fast unverzichtbaren Partner für das Who-is-who der europäischen Industrie und darüber hinaus entwickelt.

All die schönen Potenziale bringen aber natürlich nichts, wenn es dem Management nicht gelingt, sie auszuschöpfen. Der umfassende Konzernumbau der letzten Jahre hat Spuren hinterlassen. Jürgen Köhler hat zwar vieles angepackt, um SGL auf die Zukunft auszurichten und alte Zöpfe abzuschneiden, aber die Erfolgsspur hat er nicht wirklich finden können. Im August musste er etwas überraschend seinen Hut nehmen, sodass nun die Suche nach einem Nachfolger auf Hochtouren läuft.

Die Anleger gaben sich verschreckt über die zuletzt enttäuschenden Zahlen und das Führungschaos. Die bereits geprügelte Aktie wurde eine weitere Etage tiefer geschickt. Nun wird dieser Hightech-Konzern mit über 1 Mrd. Euro Umsatz nur noch mit 557 Mio. Euro bewertet, was nur wenig mehr als den Buchwert darstellt. Wenn es also dem künftigen Chef gelingt, auch nur einen Teil der vielfältigen Wachstumschancen zu ergreifen, dann könnte diese Aktie abgehen wie eine Rakete.

Deshalb ist die SGL-Aktie für mich ein klares Beispiel für eine spottbillige Aktie, oder wie siehst du das, Thomas?

Die Sixt-Aktie – Top-Unternehmen mit niedrigem KGV

Thomas Brantl: Eine spottbillige Aktie zeichnet sich in meinen Augen durch zwei Aspekte aus: Zum einen durch eine niedrige Bewertung – klar. Zum anderen muss aber auch die Qualität der Aktie stimmen. In meinen Augen vereint die Sixt (WKN:723133)-Aktie diese beiden Punkte derzeit wie kaum ein anderer Titel!

Auf Basis des 2018er-Gewinns (ohne DriveNow-Verkauf) beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Vorzugsaktie derzeit 13,2 (Stand: 05.09.2019). Ziemlich günstig, wenn du mich fragst – immerhin wächst Sixt sehr schnell: Der Umsatz im ersten Halbjahr 2019 konnte verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um stolze 15,3 % gesteigert werden.

Gleichzeitig steckt eine Menge Qualität im Unternehmen! Ich ist unter anderem daran festzumachen, dass Sixt ein echtes Familienunternehmen ist. Erich Sixt ist seit 1969 (!) Vorstandsvorsitzender von Sixt, hat das Unternehmen an die Spitze der Mobilitätsdienstleister geführt und besitzt 58,30 % aller Sixt-Aktien. Gleichzeitig stehen seine beiden Söhne Alexander und Konstantin bereits in den Startlöchern – beide gehören seit ein paar Jahren zum Sixt-Vorstand.

Ganz ehrlich – mehr Familienunternehmen geht fast nicht. Und weil ich der Meinung bin, dass in Familienunternehmen besonders langfristig gedacht wird, ist mir dieser Punkt auch besonders wichtig.

Gleichzeitig vermögen auch die nackten Zahlen zu überzeugen:

durchschnittliches Umsatzwachstum p.a. seit 2013 (CAGR) 12,1 %
durchschnittliches Gewinnwachstum (EBT) p.a. seit 2013 (CAGR) 16,1 %
Umsatzrendite 2018 * 13,0 %
Eigenkapitalrendite 2017 24,4 %

Quelle: Unternehmensangaben Sixt, Stand: September 2019

Familiengeführt, schnelles Wachstum und gleichzeitig hochprofitabel – all diese Merkmale vereint in einem Unternehmen findet man wahrlich nicht allzu oft. Sixt strotzt in meinen Augen daher geradezu vor Qualität – und das alles gibt’s derzeit zu einem in meinen Augen sehr günstigen Preis. Spottbilliger deutscher Nebenwert eben.

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Thomas Brantl besitzt Aktien von Sixt. Sven Vogel besitzt Aktien von MBB. Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt MBB.

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