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Wirecard-Aktie im Buffett-Check: Würde der Starinvestor hier zuschlagen?

Quelle: Matt Koppenheffer

Der US-Starinvestor Warren Buffett gilt als bedeutender Großinvestor und Börsenlegende. Sobald eine Aktie seine Aufmerksamkeit bekommt, gilt das gewissermaßen als Ritterschlag. Denn die Börsenlegende ist besonders wählerisch, was seine eigenen Aktienpositionen anbelangt, und selten offen für Kompromisse.

Insbesondere ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell, ein starker Cashflow und ein großer, möglichst uneinholbarer Wettbewerbsvorteil sind hierbei Kriterien, die die Börsenlegende bei seinen Investitionen gerne sehen möchte.

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Doch wie sieht das bei Wirecard (WKN: 747206) aus? Hätte der Zahlungsdienstleister angesichts dieser Analysekriterien überhaupt eine Chance bei dem Starinvestor oder würde Buffett lediglich abschätzig seine Nase rümpfen? Ein kleiner, Foolisher Faktencheck kann hier womöglich Erstaunliches offenbaren.

Das zukunftsträchtige Geschäftsmodell

Gleich zu Beginn sollten wir vielleicht eine gewisse Einschränkung erwähnen. Denn insbesondere das Geschäftsmodell als digitaler Zahlungsdienstleister dürfte dem eher tech-abgeneigten Starinvestor ein Dorn im Auge sein, weshalb er vermutlich eher die Finger davon lassen würde. Allerdings könnte es hier, wenn er einmal eine Ausnahme machen würde, dennoch Aspekte geben, die Buffett gefallen dürften.

Wirecard und seine innovativen Zahlungsdienstleistungen sind schließlich ein Geschäftsbereich, der durchaus zukunftsorientiert ist. In einer immer vernetzter und digitaler werdenen Welt werden innovative Zahlungslösungen immer bedeutender. Zudem möchte Wirecard mithilfe eigener, führender Technologien in der Biometrie oder auch bei smarten Möbeln vorneweg gehen und so den Markt maßgeblich mitgestalten. Das könnte durchaus für eine langjährige Erfolgsgeschichte sprechen, die Buffett möglicherweise gefällt.

Wirecard verfügt daher zwar über einen technischen Geschäftsbereich, nichtsdestoweniger dürfte das grundsätzliche Segment, in dem der innovative Zahlungsdienstleister tätigt ist, in der Wirtschaftswelt eine größere Rolle spielen. Das könnte Buffett – wie gesagt, bis auf den Tech-Aspekt – durchaus gefallen, zumal der Starinvestor auch immer noch Anteile an Visa und American Express hält, die beide prinzipiell in eine ähnliche Richtung gehen.

Der solide Cashflow

Was den Cashflow von Wirecard anbelangt, so müssen wir hingegen weitere Einschnitte hinnehmen. Der innovative Zahlungsdienstleister ist derzeit nämlich noch immer dabei, sein Geschäftsmodell mit vielen, vielen Partnerschaften zu erweitern. Von einer regelrechten Cash-Maschine ist das Unternehmen allerdings noch immer weit entfernt.

So betrug der bereinigte Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit im Geschäftsjahr 2018 „lediglich“ 500 Mio. Euro, im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres 2018 hingegen 284 Mio. Euro, was zwar ein gewisses Wachstum unterstreicht. Jedoch wohl nicht als Cash-Maschine umschrieben werden dürfte.

Insbesondere nicht, wenn wir uns die aktuelle Bewertung Wirecards mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von fast 18 Mrd. Euro ansehen. Der innovative Zahlungsdienstleister wird bei einer solchen Bewertung, die letztlich dem 36-Fachen des 2018er-Cashflows entspricht, für sein zukünftiges Potenzial gewürdigt. Nicht jedoch für sein aktuelles cashintensives Geschäftsmodell. Ein Aspekt, der Buffett daher möglicherweise missfallen könnte.

Der uneinnehmbare Burggraben

Zu guter Letzt schätzt Buffett einen metaphorischen Burggraben, der ein Unternehmen vor der Konkurrenz schützt. Ein solcher moat ist häufig etwas wenig Greifbares, kann in einem bekannten und wertvollen Markennamen mit führenden Produkten bestehen, besonders loyalen Kunden oder einem starken Netzwerk, das hier quasi uneinnehmbar ist. Neben vielen weiteren Dingen, wohlgemerkt, die einen solchen Burggraben symbolisieren können – jedoch langfristig allesamt einem einzigen Zweck dienen: dem Schutz des Unternehmens und der zukünftigen Renditen.

Wenn wir Wirecard hier nun dem Burggrabencheck unterziehen, müssen wir wohl ebenfalls gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Der innovative Zahlungsdienstleister arbeitet zwar gegenwärtig an seinem Namen und seiner Stellung als führendes Unternehmen im digitalen Finanzbereich, ist von einer solchen Wettbewerbsposition allerdings noch immer weit entfernt. Auch die aktuellen Geschäftszahlen lassen im Grunde genommen keine anderen Rückschlüsse zu, denn Wirecard kann bislang lediglich einen geringen Teil des internationalen Transaktionsvolumens auf sich vereinen, wobei das natürlich in den kommenden Jahren konsequent ausgebaut werden kann. Vielleicht zur Marktführerschaft, vielleicht aber auch nicht.

Das bisherige Kundennetzwerk wächst gleichsam gewaltig, ist allerdings noch weit davon entfernt, das Nonplusultra-Digitale-Zahlungsnetzwerk zu sein, bei dem jedes Unternehmen zwingend mitmachen muss. Zwar häufen sich aktuell die Nachrichten, wonach die prominenten und größeren Partnerschaften zunehmen, was für die Bildung einer gewissen burggrabenähnlichen Anziehungskraft sprechen könnte.

Allerdings ist es definitiv noch zu früh, hier von einem starken Burggraben zu sprechen, der das operative Geschäftsmodell langfristig wird schützen können. Zumal andere innovative Zahlungsdienstleister die Konkurrenzsituation vergrößern oder aber Wirecard technisch überholen könnten, was ebenfalls ein Indikator dafür ist, dass Wirecard von einem sicheren Burggraben noch immer weit entfernt ist.

Das finale Buffett-Fazit

In meinem persönlichen Buffett-Check dürfte Wirecard daher letztlich durchgefallen sein. Zwar verfügt der innovative Zahlungsdienstleister über ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell, was dem Starinvestor prinzipiell gefallen könnte. Allerdings sind die von ihm präferierten starken Cashflows noch ausbaufähig. Zudem ist der Wettbewerbsvorteil nicht sonderlich nachhaltig, was natürlich auch mit dem Tech-Geschäftsmodell zusammenhängt, das der Starinvestor ebenfalls eigentlich eher meidet.

Wirecard ist daher, wie auch dieser kleine Buffett-Check zeigt, als durchaus risikoreich einzustufen, was allerdings nicht per se schlecht sein muss. Hohe Risiken gehen schließlich häufig mit höheren Renditen einher, zumindest, wenn Wirecard sich in den kommenden Jahren hier noch etablieren und innerhalb seiner Branche festigen kann.

Die spannende Frage für alle Privatinvestoren dürfte daher nun sein, ob man ein solches Risiko eingehen möchte. Oder ob man es lieber wie Buffett halten will, der hier wohl eher fernbleiben würde.

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Vincent besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Visa.

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