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Schließt Pinduoduo bald zu Alibaba und JD.com auf?

Die Aktien von Pinduoduo (WKN: A2JRK6) stiegen kürzlich, nachdem die Zahlen des chinesischen E-Commerce-Unternehmens im zweiten Quartal die Analystenschätzungen weit übertroffen hatten. Der Umsatz stieg im Vorjahresvergleich um 169 % auf 7,29 Mrd. Yuan Renminibi (1,06 Mrd. US-Dollar) und übertraf damit die Erwartungen um 187 Mio. US-Dollar.

Pinduoduo bleibt unrentabel, aber sein bereinigter Nettoverlust verringerte sich gegenüber dem Vorjahr von 673,4 auf 411,3 Mio. Yuan (59,9 Mio. US-Dollar) oder 0,04 US-Dollar pro Aktie – was die Erwartungen um 0,15 US-Dollar übertraf. Deuten diese Zahlen darauf hin, dass Pinduoduo den Rückstand zu den Marktführern Alibaba (WKN: A117ME) und JD.com (WKN: A112ST) aufholt?

Ein schnell wachsender Underdog

Pinduoduo verkauft meist preisgünstige Alltagsprodukte an einkommensschwache Kunden. Es gibt Käufern Rabatte auf Großbestellungen, wenn sie ihre Freunde, Familienmitglieder und Kollegen davon überzeugen können, einen sogenannten Teameinkauf zu tätigen. Pinduoduo ermöglicht es den Käufern, Links über Social-Media-Plattformen wie WeChat zu teilen, wodurch das „Social Shopping“-Erlebnis noch intensiver wird.

Dieser Ansatz hat Pinduoduo geholfen, in weniger prestigeträchtigen chinesischen Städten Fuß zu fassen, und es macht gute Fortschritte in den Leuchttürmen wie Peking, Shanghai und Hangzhou. Das Management hat kürzlich erklärt, dass die Bestellungen aus diesen hochrangigen Städten 48 % des gesamten Auftragsvolumens im Juni ausmachten, gegenüber 37 % im Januar. Brutto stieg das Verkaufsvolumen um 171 % auf 709,1 Mrd. Yuan (100 Mrd. US-Dollar). Damit ist der Wert aller über die Plattform verkauften Waren gemeint.

Pinduoduos durchschnittliche monatlich aktive Nutzer (englisch kurz: MAUs) im Quartalsverlauf stiegen um 88 % im Vorjahresvergleich auf 366 Millionen und die Zahl der aktiven Käufer in den letzten zwölf Monaten stieg um 41 % auf 483 Millionen. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass das Unternehmen mehr aktive Kunden hat als JD, das seine Zahl der jährlichen aktiven Kunden im letzten Quartal nur um 2 % auf 321 Millionen erhöhte. Alibaba bleibt führend, mit 755 Millionen mobilen MAUs über all seine chinesischen Marktplätze hinweg.

Diese Zahlen scheinen auf den ersten Blick darauf hinzudeuten, dass Pinduoduo größer als JD ist, aber tatsächlich generiert es nur etwa 5 % der Quartalsumsatz von JD, weil seine Auftragsgrößen viel geringer sind. Pinduoduo übernimmt wie Alibaba keinerlei Warenbestände der angeschlossenen Lieferanten. JD hingegen übernimmt auch die Lagerhaltung und wickelt die Logistik als direkter Einzelhändler ab (was es ihm ermöglicht, höhere E-Commerce-Umsätze zu generieren als Pinduoduo oder Alibaba). Selbstredend, dass dieser Ansatz viel mehr Kapital erfordert.

Der durchschnittliche aktive Käufer auf Pinduoduo gab jedoch in den letzten zwölf Monaten 1.467 Yuan (206,90 US-Dollar) auf der Plattform aus – ein Plus von 92 % gegenüber dem Vorjahr. Dies deutet wiederum darauf hin, dass sich der Vorstoß von Pinduoduo in Städte mit höherer Kaufkraft – Alibabas und JDs Kernmärkte – auszahlt. Darüber hinaus könnte die wirtschaftliche Abschwächung in China Pinduoduo zugutekommen, da die Käufer dann ihre Ausgaben einschränken und nach stärkeren Rabatten Ausschau halten.

Das Wachstum von Pinduoduo könnte nachhaltig sein, …

Im vergangenen November erklärte ich den Anlegern, sie sollten Pinduoduo besser meiden, weil seine Verluste mit alarmierender Geschwindigkeit zunahmen. Die Zahlen für das zweite Quartal zeigen jedoch, dass Pinduoduo seine Kosten unter Kontrolle hält.

Die bereinigten Herstellungskosten machten 22 % des Umsatzes aus, verglichen mit 19 % im ersten Quartal und 14 % im Vorjahr. Andererseits machten die bereinigten Vertriebs- und Marketingkosten im zweiten Quartal nur 81 % des Umsatzes aus, verglichen mit 103 % im ersten Quartal und 108 % im Vorjahr.

Pinduoduos robustes Umsatzwachstum und niedrigere Marketingausgaben kompensierten die höheren Herstellungskosten und reduzierten den Nettoverlust – was darauf hindeutet, dass sein Geschäft nachhaltiger sein könnte, als ich ursprünglich dachte. Die Liquidität des Unternehmens ist ebenfalls stark – es schloss das Quartal mit 40,7 Mrd. Yuan (5,9 Mrd. US-Dollar) an liquiden Mitteln ab, gegenüber lediglich 30,5 Mrd .Yuan Ende 2018.

… aber es drohen immer noch große Herausforderungen am Horizont

Die Zahlen von Pinduoduo für das zweite Quartal waren ermutigend, aber ich zögere aus zwei Gründen noch immer, diese Aktie zu kaufen. Erstens wird es mit einem viel härteren Wettbewerb von Alibaba und JD konfrontiert sein, wenn es in die begehrtesten Metropolen vordringt – und beide Rivalen sind profitable Unternehmen mit tieferen Taschen und größeren Ökosystemen.

Zweitens sieht sich das Unternehmen immer noch mit der Behauptung konfrontiert, dass seine Plattform gefälschte Waren unter die Leute bringt. Pinduoduo und Alibabas Taobao sind immer noch auf der berüchtigten Schwarzmarktliste des US-Handelsbeauftragten geführt. Dort wird auch behauptet, dass vielen von Pinduoduos „preisbewussten Käufern die Verbreitung von gefälschten Produkten [auf der Plattform] bekannt ist“, aber sie „sich trotzdem von den billigen Waren anlocken lassen“.

Der Bericht stellt auch fest, dass „mehrere Marken öffentliche Mitteilungen herausgegeben haben, um die Verbraucher zu warnen, dass Produkte, die unter ihren Markennamen auf Pinduoduo.com gelistet sind, Fälschungen sind“. Dieser schlechte Ruf macht es zu einem nichtmilitärischen Ziel im Handelskrieg. Schließlich geht es dabei vielfach um Markenrechtsverletzungen, sodass sich sowohl US-amerikanische als auch chinesische Regulierungsbehörden gegen das Unternehmen wenden könnten.

Das Fazit

Pinduoduo wird zu einem Hauptkonkurrenten für Alibaba und JD, aber sein zweifelhafter Ruf und die mangelnde Profitabilität hindern mich daran, es als Investition zu empfehlen. Bis ich weniger Verluste und einen klareren Fokus darauf sehe, gefälschte Produkte von der Plattform zu verbannen, werde ich stattdessen lieber weiterhin bei profitablen Marktführern wie Alibaba und JD bleiben.

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Leo Sun besitzt Aktien von JD.com. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von JD.com. Dieser Artikel erschien am 23.08.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschsprachigen Leser übersetzt.