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Wie hat Canopy Growth das erste Quartal derart versemmeln können?

Canopy Growth (WKN: A140QA) verlor im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020 1,28 Mrd. Kanadische Dollar. Und das war nicht einmal das schlimmste Problem.

Der große kanadische Cannabis-Züchter gab Mitte August seine Ergebnisse zum ersten Quartal bekannt. Dieser riesige, eklatante Nettoverlust war jedoch gar nicht so schlimm, wie er auf den ersten Blick aussieht. Canopy verzeichnete eine Anpassung von 1,18 Mrd. Kanadischen Dollar im Zusammenhang mit Optionsscheinen, die von Constellation Brands im Rahmen der Übernahme des US-Cannabis-Unternehmens Acreage Holdings gehalten werden.

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Nein, das größere Problem bestand darin, dass der Nettoumsatz von Canopy gegenüber dem Vorquartal um 4 % zurückging. Die Analysten erwarteten, dass das Unternehmen einen Nettoumsatzanstieg von 17 % gegenüber dem Vorquartal verzeichnen würde. Und dabei wächst der legale Markt in Kanada. Wie also konnte Canopy Growth im ersten Quartal alles so vermasseln?

Unfähigkeit?

Einige könnten Canopys nicht ganz nachvollziehbaren Rückgang des Nettoumsatzes im ersten Quartal auf die Unfähigkeit des Managements zurückführen. Es gibt einen ziemlich guten Grund für diese Theorie.

Canopy erzielte im Geschäftsjahr 2019 im vierten Quartal einen Umsatz von 36,5 Mio. Kanadischen Dollar mit Cannabis-Ölen und -Gels. Der verzeichnete Umsatz des Unternehmens mit diesen Produkten sank im ersten Quartal auf nur noch 0,2 Mio. Kanadische Dollar. Canopy reduzierte seinen Umsatz im ersten Quartal um 8 Mio. Kanadische Dollar aufgrund der erwarteten Produktrückgaben. Unter Berücksichtigung dieser Anpassung betrug der Umsatz mit Ölen und Softgels im ersten Quartal nur 8,2 Mio. Kanadische Dollar und damit rund ein Viertel des Umsatzes im Vorquartal.

Cronos Group berichtete unterdessen, dass ihr Umsatzanstieg im zweiten Quartal hauptsächlich auf höhere CBD-Verkäufe zurückzuführen war. Aphria hat beim letzten Bericht keine Probleme bei den Öl- und Softgelprodukten erwähnt. Tilrays CFO Mark Castaneda bemerkte in der vierteljährlichen Telefonkonferenz, dass die kanadischen Provinzen in erster Linie Cannabis-Blüten verlangen und im Moment nicht so viele Extraktprodukte wollen. Für Tilray stellte dies jedoch keine großen Probleme dar.

Niemand außer Canopy Growth schien also größere Probleme zu haben. Das klingt alles in allem nach einem Problem des Managements.

„Channel Stuffing“?

Es gibt noch eine weitere mögliche Erklärung für den Umsatzrückstand von Canopy Growth im ersten Quartal: „Channel Stuffing“. Aber was genau ist das? Hier ist eine Definition aus einem vor Jahren veröffentlichten Artikel auf The Motley Fool:

Was bedeutet „Channel Stuffing“? Nun, das bedeutet, dass das Unternehmen sein Inventar früher als geplant versendet und seine Vertriebskanäle mit mehr Produkten füllt, als benötigt werden. Da Unternehmen oft Umsätze verzeichnen, sobald sie die Produkte versenden, kann „Channel Stuffing“ den Eindruck erwecken, dass das Geschäft boomt. In Wirklichkeit werden die nicht verkauften Produkte möglicherweise irgendwann an den Hersteller zurückgesendet. Das bedeutet, dass bereits verzeichnete Verkäufe nie stattfinden.

Ist das etwa bei Canopy Growth passiert? Hat das Unternehmen seine Vertriebskanäle mit mehr Produkten gefüllt, als bei Cannabis-Ölen und -Softgels benötigt wurde? Ja. Sah es so aus, als ob das Geschäft in einem Vorquartal boomte? Ja, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Canopy übertraf knapp die Umsatzschätzung der Analysten im Vorquartal und hätte dies ohne das hohe Niveau der Öl- und Softgelumsätze nicht geschafft.

Noch einmal aus der oben angeführten Definition: „nicht verkaufte Produkte werden möglicherweise irgendwann an den Hersteller zurückgesendet“. Das ist genau das, was Canopy Growth erwartet – und zwar in Höhe von mindestens 8 Mio. Kanadischen Dollar.

Ein Analyst erwähnte Channel Stuffing bei der Konferenz, aber der derzeitige CEO Mark Zekulin reagierte nicht direkt darauf. Das ist nicht überraschend. Channel Stuffing legt nahe, dass das Unternehmen hier und da ein paar Zahlen gedreht hat. So oder so: Das alles sieht nicht gut aus.

Änderungen sind nötig – und sie sollen kommen

Mark Zekulin sagte in der Analystenkonferenz zum ersten Quartal, dass bessere Tage kommen werden. Er bekräftigte, dass Canopy bis Ende des Geschäftsjahres 2020 einen annualisierten Umsatz von 1 Mrd. Kanadischen Dollar erreichen werde. Er erklärte auch, dass das Unternehmen im Geschäftsjahr 2021 auf Quartalsbasis ein positives bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und im Geschäftsjahr 2022 ein positives bereinigtes EBITDA liefern werde. Zekulin sagte auch, dass Canopy innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre wohl profitabel sein werde.

All das klingt großartig. Aber es sieht derzeit so aus, als ob das Management von Canopy entweder unfähig war oder einige sehr fragwürdige Dinge getan hat. Das Unternehmen ist noch immer auf der Suche nach einem neuen CEO. Es muss dringend eine qualifizierte Person ran, um das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen. Hier werden noch einige positive Veränderungen passieren müssen.

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The Motley Fool empfiehlt Aktien von Constellation Brands. Keith Speights besitzt keine der angegebenen Aktien. Dieser Artikel erschien am 16.8.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschsprachigen Leser übersetzt. 

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