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Übernahmepoker: Diese Optionen haben OSRAM-Aktionäre nun

Bild: Ralf Anders

Bei OSRAM (WKN: LED400) ist mal richtig etwas los! Gleich zwei Bieter wollen den zuletzt strauchelnden Lichtkonzern übernehmen. Für Anleger und Aktionäre wird es jetzt etwas unübersichtlich. Lass uns deshalb systematisch die Alternativen durchgehen.

Es tut sich was bei OSRAM

Im Zuge des Bain-Angebots bin ich im Juli zum Schluss gekommen, dass es für OSRAM-Aktionäre am besten sein würde, abzuwarten. 35 Euro erschienen angesichts des massiven Kursverfalls der vorhergehenden Quartale spärlich und über einen Direktverkauf wären sogar nur gut 33 Euro zu erzielen gewesen. Zwischenzeitlich hat sich die Vermutung, dass ein weiterer Bieter in das Geschehen eingreifen könnte, bewahrheitet.

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ams (WKN: A118Z8) bietet 10 % mehr und entsprechend ist auch der Kurs um rund 10 % angestiegen. Es hat sich also auf alle Fälle gelohnt, dabei zu bleiben. Nun stellt sich allerdings erneut die Frage, wie man jetzt handeln sollte.

Sofort verkaufen

„Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“: Nach dem Stand der Dinge gibt es maximal 38,50 Euro. Allerdings nur, wenn der ams-Deal auch durchgeht. Sollte noch irgendetwas dazwischenkommen, dann droht ein Rückschlag auf Kurse unter 30 Euro. Mit den derzeit erhältlichen 37 Euro (22.08.) wäre man in diesem Fall gut bedient.

Zu Bedenken ist auch, dass es selbst im besten Fall voraussichtlich noch mehr als ein halbes Jahr dauert, bis Geld von einem der Bieter fließt. Insbesondere was ams angeht, werden auch die Kartellbehörden einen Blick auf Überschneidungen im Produktportfolio werfen, vor allem rund um optische Sensoren.

Andererseits besteht die Chance, dass der Bieterkampf in die nächste Runde geht. Wer jetzt verkauft, dem entgehen dann signifikante Gewinne.

Einen besseren Kurs herausschlagen

Von daher könnte es sinnvoll sein, noch etwas an den Aktien festzuhalten. Das ein oder andere Prozent Kurssteigerung ist über die kommenden Wochen wahrscheinlich noch drin, im besten Fall sogar noch deutlich mehr. Das Risiko, dass beide Bieter einen Rückzieher machen, dürfte mittlerweile recht gering sein, sodass der Kurs bei 35 Euro zunächst recht gut nach unten abgesichert erscheint.

Allerdings gibt es ja noch die Annahmeschwelle von 70 %, die das ganze Vorhaben platzen lassen könnte. Wer sich hier Sorgen macht und verkaufswillig ist, der sollte vielleicht nicht zu lange warten und einen gewissen Abschlag akzeptieren.

Andienen

Den vollen Preis bekommen jedoch nur, wer sich auf eines der Angebote einlässt. Die Aktionäre werden sich dabei nicht groß um die Strategie der Bieter kümmern, sondern schauen, wo sie am meisten erhalten. Das ist derzeit bei ams.

Was die 70 % angeht, denke ich, dass das machbar sein sollte. Es kommt hier hauptsächlich auf ein paar große Akteure an, welche zustimmen müssen. Die Tatsache, dass der OSRAM-Kurs von 2015 bis Anfang 2019 die meiste Zeit über der Marke von 40 Euro notierte, könnte den ein oder anderen davon zögern lassen. Aber letztlich muss man sich den Realitäten stellen. Kurzfristig würde sich aus eigener Kraft bei OSRAM wahrscheinlich nicht so viel tun.

Wer zu 38,50 Euro andient, der steigert seinen Einsatz innerhalb von weniger als einem Jahr um mehr als 4 %, wenn alles glatt läuft. In Zeiten von Minuszinsen ist das gar nicht so schlecht.

Zukaufen

Diesen Gedanken könnte man sogar noch weiter treiben: Wenn es hier aufs Jahr gerechnet mehr als 6 % Rendite zu holen gibt, dann spricht doch einiges dafür, sich bis zur Halskrause mit OSRAM-Aktien einzudecken und dann zum höchsten Gebot anzudienen. Je nachdem, wie wohlhabend du bist, könntest du damit sogar die Erfolgschancen steigern, dass die 70-%-Schwelle überschritten wird.

Bevor du aber die Kaufaufträge rausschießt, solltest du dir nochmal in Ruhe Gedanken über die Wahrscheinlichkeiten im Positiven wie im Negativen machen. Den Chancen auf neue Gebote über 40 Euro steht ein nicht auszuschließendes Scheitern gegenüber, mit unabsehbaren Folgen für den Aktienpreis.

Nichts tun

Wenn die Zeiten hektisch werden, kann es manchmal vorteilhaft sein, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Warum also nicht einfach die Aktien schön im Depot liegen lassen? Es steht jedem frei, Minderheitsaktionär zu bleiben und darauf zu hoffen, dass sich die Photonikvision von OSRAM doch noch so profitabel entfaltet wie vom Management versprochen.

Falls es zuvor zu einem sogenannten Squeeze-out kommt, wo die restlichen Aktionäre zwangsweise herausgekauft werden, dann dürfte es zumindest eine Prämie auf den Übernahmepreis geben. Von daher wäre es vielleicht nicht die schlechteste Idee, die Großaktionäre dafür sorgen zu lassen, dass der Deal durchgeht, und als Kleinaktionär unbeeindruckt dabeizubleiben.

Es gibt nicht die eine beste Entscheidung

Ich tendiere dazu, zumindest noch eine Zeitlang an OSRAM festzuhalten, um vielleicht doch noch in den Bereich von 40 Euro vorzustoßen. Je nach Risikobereitschaft bieten sich aber auch einige der Alternativen an. Wenn du Vertrauen darin hast, dass das ams-Management die richtigen Hebel bedienen wird, um die Potenziale von OSRAM besser auszuschöpfen als die bisherigen Verantwortlichen, dann könnte es auch sinnvoll sein, einfach nichts zu tun.

Wer sich jedoch keinen Kopf machen und bei der Lichttechnik investiert bleiben will, der kann auch einfach kurzfristig verkaufen und beispielsweise auf den Wettbewerber Signify (WKN: A2AJ7T) umschichten.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von OSRAM. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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