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Ryanair: Wird ein steigender Ölpreis zum Problem?

Dividenden
Foto: Getty Images

Wenn man darüber nachdenkt, welche Branchen von einem steigenden Ölpreis besonders stark beeinflusst werden, kommt man schnell auf die Luftfahrt. Aber ist das wirklich so, dass ein steigender Ölpreis diese Unternehmen so stark beeinflusst?

Wieso könnte der Ölpreis steigen?

Der Iran befindet sich auf der Liste der Nationen mit den größten Ölvorkommen der Welt auf Platz vier. Jeder, der sich mit Politik befasst, dürfte mitbekommen haben, dass es in den vergangenen Wochen und Monaten zu gewaltigen Spannungen zwischen den USA beziehungsweise dem Westen und dem Iran gekommen ist.

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Deshalb hängt der Ölpreis sehr stark davon ab, wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickelt. Für den Fall, dass sich die Wogen wieder glätten, dürfte der Ölpreis fallen. Sollte sich die politische Situation zwischen den USA und dem Iran zuspitzen, könnte der Ölpreis in schwindelerregende Höhen steigen. 

In diesem Artikel soll es aber nicht um Wirtschaftspolitik gehen, sondern vielmehr darum, welchen Effekt mögliche Preisänderungen auf betroffene Unternehmen, zum Beispiel auf Ryanair (WKN: A1401Z), hätten. Wichtig zu erwähnen ist dabei, dass der Preis für Öl und der für Kerosin fast perfekt positiv miteinander korrelieren.

Ryanair: Treibstoffkosten als größter Kostenfaktor 

Ryanair ist, zumindest nach der Anzahl der jährlichen Fluggäste, die größte Fluggesellschaft Europas. Bei Ryanair haben die Kosten für Kerosin 36 % der gesamten operativen Aufwendungen des letzten Geschäftsjahres ausgemacht. Damit sind die Kosten für Kerosin für diesen Konzern nicht zu unterschätzen. Dabei sind die Kosten pro Fluggast für Kerosin von 14,60 Euro im Geschäftsjahr 2018 auf 17,08 Euro im Geschäftsjahr 2019 gestiegen. Eine Änderung um beinahe 17 %.

Deshalb machen sich die Fluggesellschaften folgende Gedanken: Die Konzerne wollen sich gegen steigende Kosten für Kerosin absichern, da diese das Konzernergebnis direkt tangieren. Schauen wir uns mal an, wie Ryanair das macht.

Absicherung bei Ryanair

Ryanair schätzt die benötigte Menge Kerosin für bis zu 18 Monate im Voraus ab. Anschließend wird versucht, sich über Derivate gegen Preisfluktuationen abzusichern. In diesem Fall geschieht das über sogenannte Forwards. Aber was genau ist das eigentlich?

  1. Forwards werden „over the counter“, also nicht an der Börse gehandelt.
  2. Es gibt zwei Vertragspartner: Eine Seite spekuliert auf einen steigenden, die andere auf einen fallenden Kurs eines bestimmten Basiswertes. Das kann beispielsweise ein Rohstoff, aber auch ein Edelmetall oder etwas anderes sein. Daraus resultieren dann der Käufer und der Verkäufer des Derivats.
  3. Die Forwards umfassen eine bestimmte Menge des Basiswertes und belaufen sich dabei auf einen bestimmten, in der Zukunft liegenden Zeitpunkt. Hierbei wird der Preis bereits zum Vertragszeitpunkt festgelegt und ist ab dann bindend. Die Abnahme beziehungsweise die Lieferung, je nach Vertragsseite, ist dabei verpflichtend und nicht rückgängig zu machen.
  4. Der Abschluss erfolgt ohne einen Kaufpreis, das heißt, die Verpflichtung, die man eingeht, kostet als solche bei Vertragsabschluss nichts.
  5. Bei der Erfüllung kann zwischen (physischer) Lieferung und dem Barausgleich, also lediglich einer Finanztransaktion unterschieden werden.

Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres (31.03.2020) hat sich Ryanair für 90 % des geschätzten Verbrauchs über entsprechende Forwards abgesichert. Zum fixen Preis von 709 US-Dollar pro Tonne. Der Preis pro Tonne Kerosin beträgt momentan (Stand: 16.08.2019) knapp 600 US-Dollar. Das heißt, momentan legt Ryanair für rund 90 % seines verbrauchten Kerosins 109 US-Dollar pro Tonne drauf. Denn die Futures zwingen Ryanair zur Abnahme des Kerosins zum vereinbarten Preis. Wenn auch nicht zwangsläufig physisch, dann zumindest monetär.

Was heißt das für das laufende Geschäftsjahr?

Für Ryanair wäre es also, zumindest auf Sicht dieses Geschäftsjahres, nicht schlimm, wenn der Ölpreis steigen würde. Das ist kein Tippfehler! Im Gegenteil …

Sollte der Ölpreis auf über 709 US-Dollar steigen, macht Ryanair über seine Derivate sogar Gewinn. Momentan legt der Konzern drauf.

Andersherum könnte der Preis pro Tonne Kerosin enorm fallen, falls sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA wieder legen sollten. In diesem Fall wäre das auf Sicht eines einzigen Jahres für Ryanair fatal. Sollte der Preis auf beispielsweise 500 US-Dollar pro Tonne Kerosin fallen, würde der Konzern rund 210 US-Dollar pro Tonne mehr als am Markt bezahlen. Denn auch hier gilt: Ryanair hat sich zur Abnahme von etwa 90 % des benötigten Kerosins zum fixen Preis von 709 US-Dollar pro Tonne verpflichtet. Damit würde bei einem Kerosinpreis von 500 US-Dollar pro Tonne also eine Preisdifferenz von etwa 210 US-Dollar pro Tonne entstehen. Damit würde der Konzern also ebendiese 210 US-Dollar pro Tonne mehr bezahlen, als am Markt üblich wäre.

Die Absicherung der Fluggesellschaften tangieren in jedem Fall das Konzernergebnis. Teilweise sogar immens. Deshalb sollte man bereits vor dem Kauf entsprechender Aktien genau darauf achten, wie diese Absicherungen in den letzten Jahr verlaufen sind. Denn durch die beschriebenen Derivate ist es möglich, dass die Kosten, die im Unternehmen für Treibstoff entstehen, konstant geblieben sind, selbst bei einem gestiegenen Marktpreis für Kerosin. Das sollte man jedoch nicht als Unabhängigkeit der beiden Faktoren fehlinterpretieren.

Was heißt das für langfristig orientierte Anleger?

Diese kurzfristigen Gedanken sind zwar allesamt berechtigt und vor allem unmittelbar vor dem Kauf einer Aktie relevant, jedoch ist die langfristige Betrachtung wichtiger. 

Solltest du also der Meinung sein, dass der Ölpreis langfristig sinkt, wird das langfristig vermutlich die Kosten einer Fluggesellschaft senken und sich damit positiv auf das Konzernergebnis auswirken. Dieser Effekt dürfte höher wiegen als die kalkulierbaren Risiken, die durch die genannten Derivate entstehen.

Für den Fall, dass du an Aktien von Fluggesellschaften interessiert bist oder diese besitzt, solltest du auch die Risiken berücksichtigen, die durch den politisch geprägten Ölmarkt vorherrschen. Apropos politisch geprägt: Auch die möglichen Folgen von neuen klimapolitischen Regelungen in Europa sollte man bei dieser Überlegung in sein Kalkül einbeziehen.

Denn eines ist sicher: Langfristig werden die Konzernergebnisse entsprechender Unternehmen stark vom Ölpreis und dessen rechtlichen Rahmenbedingungen beeinflusst sein.

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Yannic Joekel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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