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Wo steht JD.com in 10 Jahren?

JD.com (WKN: A112ST), der größte Direktverkäufer und zweitgrößte E-Commerce-Anbieter in China, hat in den letzten zwei Jahren mit einem verlangsamten Umsatzwachstum, steigenden Ausgaben, einer Vergewaltigungsanklage gegen den Gründer und CEO Richard Liu sowie sich verschlimmernden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China zu kämpfen gehabt.

Das Umsatzwachstum von JD stabilisierte sich jedoch im letzten Quartal, die Margen verbesserten sich und die Anklage gegen Liu wurde fallen gelassen. Während JD diese Herausforderungen bewältigen muss, fragen sich Investoren vielleicht, ob es sich alles in allem überhaupt um eine gute langfristige Investition handelt.

Denn man muss bedenken, dass JD in diesem Jahr nur zum 0,7-Fachen der Umsatzschätzung gehandelt wird und im Vergleich zu vor zwei Jahren 30 % Kursrückgang erlitten hat. Betrachten wir dazu doch mal das Wachstumspotenzial von JD für die kommenden zehn Jahre.

JDs langfristiger Plan

JD unterscheidet sich von Alibaba (WKN: A117ME) in zwei wesentlichen Punkten: Man übernimmt die auf der Plattform verkauften Waren und versendet Aufträge aus eigenen Lagern und über das eigene Logistiknetzwerk. Alibaba übernimmt hingegen kein Inventar, sondern erleichtert nur die Transaktionen zwischen Privatpersonen und Unternehmen und ist hauptsächlich auf Kurierdienste Dritter angewiesen.

Daher ist das Geschäftsmodell von JD kapitalintensiver, aber weniger anfällig für betrügerische Verkäufer als Alibaba. Alibaba-Mitbegründer Jack Ma sagte einmal, dass der kapitalintensive Vorstoß von JD in einer „Tragödie“ enden würde, aber JDs Strategie, auf allem den Daumen zu haben, zahlt sich aus: Alibabas Taobao wurde vom US-Repräsentantenhaus auf die schwarze Liste der „berüchtigten“ Marktplätze für Fälscher gesetzt, JD hingegen nicht.

JD hat viel niedrigere operative Margen als Alibaba, plant aber, seine langfristigen Margen über drei Hauptstrategien auszubauen. Erstens automatisiert es seine Fulfillment- und Logistikdienstleistungen mit Lagerrobotern, Auslieferungsdrohnen und autonomen Lieferfahrzeugen. Zweitens bietet man die Logistikdienstleistungen (JD Logistics) anderen Einzelhändlern als Dienstleistung an. Und schließlich generiert das Unternehmen Einnahmen aus neueren Geschäften – wie Onlineanzeigen, Cloud-Services und Investitionen in Übersee –, um sich von seinem Kerngeschäft JD Mall zu lösen.

Die langfristigen Herausforderungen von JD

Die langfristigen Pläne von JD sind ehrgeizig, aber es gibt nicht gerade wenig Konkurrenz. Pinduoduo (WKN: A2JRK6) zum Beispiel hat JD kürzlich hinsichtlich der Gesamtzahl der aktiven Käufer überholt. JD generiert immer noch viel mehr Umsatz, da Pinduoduo meist billigere Produkte in großen Mengen an Geringverdiener verkauft, aber das Wachstum von Pinduoduo zeigt, dass im eigentlich schon überfüllten chinesischen E-Commerce-Markt noch Platz für disruptive Newcomer ist.

Der andere große Rivale ist Alibaba, der mit vier großen Marktplätzen immer noch den E-Commerce-Bereich dominiert: seiner Business-to-Consumer (B2C)-Plattform Tmall, seiner Consumer-to-Consumer (C2C)-Plattform Taobao, seiner Business-to-Business (B2B)-Plattform Alibaba.com und seinem Auslandsmarktplatz AliExpress. Alibaba kontrolliert laut eMarketer derzeit 55,9 % des chinesischen E-Commerce-Marktes und liegt damit weit vor dem Anteil von JD von 16,7 %.

Doch JD hat einige große Geldgeber an seiner Seite. Zwei der wichtigsten Investoren sind Tencent (WKN: A1138D) und Walmart (WKN: 860853). Tencent integriert JD Mall in WeChat, die beliebteste Messaging-Plattform in China mit über 1,1 Milliarden aktiven Nutzern pro Monat, während Walmart Abholpunkte für JD in seinen Filialen anbietet, seine Kundendaten mit denen von JD zusammenführt und über ein Joint Venture Lebensmittellieferdienste mit JD anbietet.

Alphabets Google ist ein weiterer großer Investor, der die Produkte von JD in mehreren Märkten via Google Shopping verkauft. Kurz, JD ist ein beliebter Partner für Unternehmen, die etwas gegen Alibaba in der Hand haben wollen.

Wo wird JD.com in zehn Jahren stehen?

Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, aber es sollte in den nächsten zehn Jahren leicht eine Wachstumsrate im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich beibehalten. Die Economic Intelligence Unit erwartet, dass die chinesische Mittelschicht bis 2030 35 % der Bevölkerung ausmachen wird, 2015 waren es lediglich 10 %. Die Internetpräsenz der chinesischen Bevölkerung von derzeit 60 % sollte weiter steigen, wenn die Einkommen mitsteigen und sich die Netzwerke verbessern.

Diese Wachstumsraten deuten darauf hin, dass die Zahl der jährlichen aktiven Kunden von JD, die im letzten Quartal 310,5 Millionen betrug, im Laufe des nächsten Jahrzehnts steigen dürfte. Unterdessen sollte sich die Rentabilität verbessern, wenn man an großen Investitionen in Technologie und Infrastruktur vorbeikommt. Die Größe und der Vorteil des First Mover sollte kleinere Herausforderer wie Pinduoduo in Schach halten können. Sollte das alles eintreffen, dürften die derzeitigen Preise in zehn Jahren wie ein Schnäppchen aussehen.

Ist dies die nächste Wirecard?

Wirecard stieg um fast 2.000 %. Jetzt gibt es einen aussichtsreichen „Nachfolger“, der schon bald die Spitze einnehmen könnte. Erst im vergangenen Jahr kam die Aktie an die Börse. Mit +49 % Umsatzwachstum (2018) und einer traumhaften Marge von 52 % (vor Steuern und Abschreibungen) fasziniert das Unternehmen die Analysten, während seine Plattform die Internethändler in der ganzen Welt mit der besten Performance begeistert und so bereits über 3 Milliarden Menschen erreicht. Wächst hier ein ganz neuer Tech-Gigant heran? Alle Details liest du hier:

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet, JD.com und Tencent Holdings. Leo Sun besitzt Aktien von JD.com und Tencent Holdings. Dieser Artikel erschien am 28.7.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.