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Was wir aus dem Irrsinn hinter der Beyond-Meat-Aktie lernen können

Foto: Beyond Meat

Fragt man einen Value-Investor, was er von einer Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 60 hält, dann bekommt man oft komische Blicke. Wie wär’s mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 60? Gibt es nicht? Gibt es doch.

Die Aktie des Fleischersatz-Produzenten Beyond Meat weist aktuell einen Kurs von 175 US-Dollar auf – das ist das 7-Fache des IPO-Kurses und entspricht einer Marktkapitalisierung von mehr als 10 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von weniger als 175 Millionen US-Dollar in den letzten 12 Monaten.

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Daraus kann man als Anleger so einiges lernen.

Das KUV von rund 60 können wir in ein hypothetisches KGV umrechnen. Nehmen wir der Einfachheit halber eine Nettogewinnmarge von 10 % an. Das wäre für einen Fleischproduzenten sehr gut – und bis dahin ist es bei einer aktuellen Bruttomarge von 28 % und einer Nettomarge von -10 % auch für Beyond Meat noch ein sehr, sehr weiter Weg.

In diesem Fall wäre Beyond Meat bei ihrem aktuellen Kurs mit einem KGV von 600 bewertet.

Nun darf man nicht verschweigen, dass das Unternehmen ein beachtliches Wachstum hinlegt. Im Jahr 2017 verdoppelte Beyond Meat den Umsatz und im Jahr 2018 verdreifachte man ihn fast.

Trotzdem: Das Unternehmen müsste seinen Umsatz in den nächsten fünf Jahren jeweils verdoppeln, um beim aktuellen Kurs das (unter sehr aggressiven Annahmen) hypothetische KGV von 600 auf unter 20 zu bringen. Vielleicht nicht unmöglich. Für ein produzierendes Unternehmen bringt das jedoch ganz andere operative Herausforderungen als zum Beispiel für einen Softwarehersteller.

Das ist die lange Art und Weise zu sagen, dass ich die Beyond-Meat-Aktie für mein persönliches Leerverkaufs-Portfolio in Betracht gezogen habe. Den Gedanken musste ich jedoch schnell wieder über Bord werfen, denn die Aktie hat etwas noch Verrückteres als ein KUV von 60.

Der Leerverkauf einer Aktie funktioniert so, dass man sich zunächst Aktien von einem anderen Anleger ausleiht. Diese geliehenen Aktien verkauft man dann an der Börse an einen anderen (unwissenden) Anleger. Irgendwann später kauft man am Markt wieder Aktien des Unternehmens und gibt diese dann an den Anleger zurück, von dem man sie sich ursprünglich geliehen hat.

Für die Dauer dieses Leihgeschäfts bezahlt man eine gewisse Gebühr, sozusagen einen Zins. Dieser wird in Prozent des Aktienkurses angegeben und die Höhe hängt ab von Angebot und Nachfrage nach zum Leerverkauf zur Verfügung stehenden Aktien (wie viele Leute sind bereit, ihre Aktien des Unternehmens zu verleihen und wie viele Leute wollen diese Aktien gerne leihen, um sie leerzuverkaufen).

Und hier kommt der noch größere Irrsinn. Für die Leihe von Beyond-Meat-Aktien zahlt man aktuell mehr als 400 %. Anders gesagt: In drei Monaten hat man einmal den Aktienkurs als Gebühr bezahlt. Ein tolles Geschäft für den Inhaber der Aktien. Als Leerverkäufer kann man so nur schwierig Geld verdienen.

Interessant ist aber auch, wie die Aktie dorthin gekommen ist. Denn das hat vermeintlich weniger mit der (durchaus hervorragenden) jüngsten Performance des Unternehmens zu tun, als damit, dass es vor mir noch viel mehr Leute gegeben hat, die die Aktie leerverkaufen wollten – wohl fast von Tag 1 an.

Der Privatanleger und Leerverkäufer Richard Pearson hat dies ganz gut auf seiner Internetseite dokumentiert. Er kommt zu dem Schluss, dass die hohe Nachfrage nach Aktien zum Leerverkauf nach dem Anstieg der Aktie in den ersten zehn Tagen auf ein KUV von 20 die Leihgebühr schon stark in die Höhe trieb.

Unter anderem schuld daran: ein im Verhältnis zur Marktkapitalisierung nur sehr geringer free Float, also Aktien, die aktuell an der Börse gehandelt werden können. Von den rund 60 Millionen Beyond-Meat- Aktien befinden sich nicht einmal 35 Millionen im free Float. Und von diesen befindet sich noch ein großer Teil in Händen von pre-IPO Investoren, die aufgrund eines Lockup-Agreements ihre Aktien noch gar nicht verkaufen dürfen. Die Anzahl an wirklich am Markt verfügbaren Aktien ist also noch einmal geringer.

Wenn von diesen dann überproportional viele Aktien leerverkauft werden, dann kann es schnell zu einem sogenannten Short Squeeze kommen. Das bedeutet, dass bei einem steigenden Aktienkurs immer mehr Leerverkäufer ihre Verluste begrenzen wollen oder müssen und so gezwungen sind, die Aktie (zurück) zu kaufen – der Aktienkurs steigt so immer weiter in der Höhe.

Laut Pearson ist die Situation bei Beyond Meat noch extremer. Denn aufgrund der hohen Leihgebühr versuchen viele Anleger auf einen fallenden Aktienkurs zu setzen, indem sie Put-Optionen kaufen. Ende Juli waren Anleger laut Pearson im Besitz von fast 220.000 Optionen-Verträgen, was noch einmal fast 22 Millionen Aktien entspricht.

Wo und ob überhaupt dieser Irrsinn einmal aufhört, das vermag ich nicht einzuschätzen. Trotzdem glaube ich, dass wir Privatanleger aus dieser Geschichte etwas lernen können.

Einmal ist es das Offensichtliche: Nur weil eine Aktie stark überbewertet erscheint, ist sie noch lange kein guter Leerverkaufskandidat.

Noch wichtiger ist aber, dass selbst eine solche großartige Performance einer Aktie überhaupt nicht fundamental begründet sein muss. Und als Anleger ist es wichtig zu verstehen, ob die eigene Investitionsthese aufgegangen ist. Man neigt ja dazu, das zu glauben, wenn sich eine Aktie im Kurs vervielfacht. Hier könnte das jedoch ein Trugschluss sein.

In diesem Fall hat der Erfolg wahrscheinlich mehr mit Glück zu tun als mit Können. Alleine diese Erkenntnis ist schon eine wichtige Lektion. Denn der Erfolg beim Investieren wird zu einem großen Teil vom Glück bestimmt. Wenn man sich dessen bewusst ist, geht man mit einer gewissen Demut an die Sache heran. Und das ist eine sehr wichtige Zutat für das erfolgreiche Investieren auf lange Sicht.


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Offenlegung: Bernd Schmid besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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