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Platzt der Euro – und was dann? 3 Foolishe Meinungen

Foto: Matt Koppenheffer

Der Euro hat über die letzten Jahre einiges an Wert verloren und die Schuldensituation einiger Euroländer lässt Zweifel daran aufkommen, wie es weitergehen könnte. Auch das Aufkommen von Bitcoin, Libra und Co. könnte ein Hinweis darauf sein, dass die besten Zeiten der klassischen Währungen bereits hinter uns liegen.

Die Situation ist etwas unübersichtlich und wir haben drei Fools nach ihrer Einschätzung gefragt, um etwas Licht in diese komplexe Thematik zu bekommen. Dabei haben wir sehr unterschiedliche Antworten bekommen.

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Der Euro wird so schnell verschwinden, wie er gekommen ist

Stefan Naerger: Ich kann mich noch sehr genau an meinen ersten Kontakt mit der europäischen Gemeinschaftswährung erinnern. Nach einem Monat harter Arbeit in einer heute nicht mehr real existierenden staatlichen Institution wartete ich vor dem örtlichen Kassenhaus auf meinen wohl verdienten Lohn. Als ich an der Reihe war, wurden mir zwei Geldscheine in die Hand gedrückt, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Die anschließende Odyssee durch den Einzelhandel, der mit meinen großen Scheinen mangels Wechselgeld nichts anfangen konnte, machte die Enttäuschung über das mir unbekannte Papiergeld komplett.

Heute ist natürlich alles anders. Der Nachfolger der Deutschen Mark hat sich überall durchgesetzt. Ich höre nur noch selten, wie jemand die Preise im Supermarkt laut in die Vorgängerwährung umrechnet. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Euro gekommen ist, um zu bleiben.

Aber warum nicht? Schließlich ist der US-Dollar doch bereits seit über 300 Jahren im Rennen und wirkt noch immer quicklebendig. Ja, aber derartig biblische Lebenserwartungen sind bei Währungen doch eher die Ausnahme als die Regel. Allein hierzulande haben seit Einführung des US-Dollar in den britischen Kolonien 1690 unzählige Währungen das Licht der Welt erblickt.

Wer erinnert sich heute noch an den Leipziger Gulden oder den Preußischen Reichstaler? Ich bin mir sicher, dass die Menschen damals auch felsenfest davon überzeugt waren, dass die zu jener Zeit gebräuchliche Währung für immer das Maß aller Dinge sein wird.

Wann der Euro durch eine andere Währung ersetzt wird, kann heute niemand mit Sicherheit wissen. Aber dass es irgendwann so kommen wird, ist aus meiner Sicht in Stein gemeißelt. Alles andere wäre in höchstem Maße ahistorisch.

Ich denke, die Epoche des Euro wird eher früher als später zu Ende gehen. Nicht nur deshalb, weil sich die europäische Zentralbank mit der seit Jahren andauernde Zinsflaute offensichtlich reichlich Mühe zu geben scheint, den Euro zu einer echten Weichwährung zu machen.

Seit einigen Jahren steht der Euro auch noch in Konkurrenz zu den Kryptowährungen, von denen sich viele beliebte Exemplare eher an den Parametern harter Währungen orientieren. Die seit Jahrtausenden anhaltende Beliebtheit von Gold zeigt meiner Meinung nach, wie sehr Menschen harte Währungen favorisieren, wenn sie die Wahl haben. Ob sich im Jahre 2019 noch viele EU-Bürger freiwillig für den Euro entscheiden würden, wenn sie die Wahl hätten?

Der Euro ist eines der besten Dinge, die die EU hinbekommen hat

Ralf Anders: Ich denke, dass der Euro viel besser ist als sein Ruf. Wenn man früher nach Frankreich oder Italien reiste, musste man zuerst durch die strenge Zollkontrolle und dann zum zwielichtigen Geldwechsler, bei dem man nie so genau wusste, wie hoch die Kommission sein würde, die er abzieht. Das kostete nicht nur bares Geld, sondern auch wertvolle Zeit — und am Schluss stand man mit den restlichen Lira und Francs da. Irgendwo habe ich noch ein paar Escudos und Peseten herumliegen.

Heute kann man fast überall in Europa mit der eigenen Währung bezahlen und die weltweite Akzeptanz des Euro reicht bis in die abgelegendsten Städte der Welt. Mir fällt neben ein paar wenigen anderen harten Währungen nichts ein, das auch nur annähernd an die Stabilität des Euro heranreicht. Rohstoff- und Energiepreise schwanken genauso verrückt wie etwa der Immobilien- oder Aktienmarkt. Für vielleicht 50 Euro bekomme ich hingegen seit vielen Jahren meinen Einkaufswagen gefüllt.

Diese Stabilität ist aus meiner Sicht nicht zufällig oder vorübergehend. Sie wurde der Währung implementiert, und zwar mit starken Mechanismen. Dabei haben die Volkswirte viel aus früheren Fehlern gelernt. Heute wissen wir, dass eine Bindung an Edelmetalle nichts bringt, und verfügen über bewährte Instrumente, um die Geldmenge entsprechend den Erfordernissen der Konjunktur zu steuern, ohne Entwertung und Inflation anzuheizen. Auch die Banken müssen strengere Regeln befolgen als noch vor der Finanzkrise.

Um unter diesen Bedingungen den Euro zu Fall zu bringen, müsste eines der Mitgliedsländer aktiv gegen ihn arbeiten. Auch wenn es natürlich ein paar Problemkinder in der Eurozone gibt, denke ich nicht, dass es so weit kommt. Ich selbst habe jedenfalls nicht vor, über die kommenden 50 Jahre von harter Währung auf eine der aus meiner Sicht viel weniger verlässlichen „Krypto“-Alternativen umzusteigen. Ist doch schön, ein paar Münzen in der Hosentasche zu haben, hinter deren Wert die Leistungskraft von 340 Millionen Europäern steht.

Das „Was dann“ ist entscheidend für die Antwort

Vincent Uhr: Meine beiden Foolishen Vorredner haben sich in meinen Augen sehr überzeugend damit auseinandergesetzt, was für oder gegen die Abschaffung des Euro sprechen könnte. Unterm Strich ist es natürlich historisch gesehen wahrscheinlich, dass unser europäisches Einheitsgeld irgendwann einmal abgeschafft wird. Andererseits gebe ich aber auch Ralf recht, wenn er sagt, dass der Euro mit das Beste ist, was die Staatengemeinschaft bislang auf den Weg gebracht hat.

In meinen Augen dürfte jedoch das Was dann entscheidend dafür sein, ob mittelfristig der Euro ersetzt werden kann. Eine Kryptowährung, die vielleicht sogar durch die Zentralbanken reguliert wird? Ein Szenario, das man wohl getrost auf die lange Bank schieben kann. Wenn selbst ein Flughafen in Berlin eine halbe Ewigkeit benötigt, um fertig zu werden, möchte ich gar nicht erst wissen, wie lange die Umstellung auf Digitalgeld benötigen wird. Zumal Datenschützer, Sicherheitsexperten und sonstige alteingesessene Fachleute mit Sicherheit eine Diskussion anstoßen würden, die Jahre oder Jahrzehnte, vielleicht sogar bis an deren und unser Lebensende dauern würde.

Was könnten weitere Alternativen sein? Eine weitere Gemeinschaftswährung? Unwahrscheinlich, denn wieso bleiben wir dann nicht beim Euro, auch wenn wir einige Staaten womöglich aus der Staatengemeinschaft hinausbegleiten. Oder die von selbst erwägen, den Euroraum zu verlassen.

Auch eine Rückkehr zum individuellen, nationalen Geld ist wohl eher unwahrscheinlich und würde die Wirtschaftswelt in ein Chaos stürzen. Deutsche Mark, Gulden und Lira 2.0 könnten zwar durchaus die Individualinteressen der einzelnen Nationen unterstützen, würden jedoch viele Prozesse komplizierter gestalten. Man denke bloß an die Börsen und an das Währungschaos, das hier wieder eintreten würde. Auch wenn einige Alleingänge nicht auszuschließen sind, glaube ich dennoch, dass die Summe der europäischen Politiker einen solch turbulenten Weg wohl eher vermeiden wird.

Über die kommenden Jahre scheint der Euro daher in meinen Augen noch immer alternativlos zu sein. Eine Abschaffung innerhalb der nächsten Jahre oder Jahrzehnte würde mich da schon sehr verwundern.

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Ralf und Vincent besitzen keine der erwähnten Kryptowährungen. Stefan hat Bitcoin in seiner Wallet. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Kryptowährungen.

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