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Hat die Amazon-Aktie ihr Mojo mittlerweile verloren? 3 kontroverse Meinungen!

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Amazon.com (WKN: 906866) fasziniert die einen und schürt Ängste bei den anderen. Einig sind sich alle, dass der Onlinehändler und Cloud-Gigant über die letzten Jahre hinweg Großartiges geleistet hat. Aber ist die Aktie heute noch attraktiv? Dazu haben wir drei Foolishe Autoren gefragt und sehr unterschiedliche Antworten bekommen.

Eine Aktie? Nein, eine Epoche!

Stefan Naerger: Natürlich ist bei Amazon nicht alles Gold, was glänzt. Wie sollte es auch anders sein bei einem Giganten mit über 850 Mrd. Euro Marktkapitalisierung (Stand: 29.07.2019).

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Vor allem die erbarmungslose Paketschwemme dürfte nicht jedermanns Sache sein. Die weißen Lieferwagen des Logistik-Riesen sind in der Bundeshauptstadt mittlerweile berühmt-berüchtigt und sorgen regelmäßig für spontane Verkehrsblockaden in den früher ach so lauschigen Seitenstraßen der Sorte Kopfsteinpflaster-Romantik. Der Friseur meines Vertrauens hat sich neuerdings in eine Guerilla-Lagerhalle verwandelt, in der mehr Pakete umgeschlagen als Köpfe verschönert werden.

Trotz der spürbaren Unannehmlichkeiten ist der Logistik- und Cloud-Experte aus Seattle nach wie vor mein absoluter Favorit in Sachen Serviceorientierung. Gut möglich, dass der Service im stationären Einzelhandel früher tendenziell besser war als heute. Trotzdem kann ich mich nicht daran erinnern, dass je irgendein Händler so hart um mein Vertrauen gerungen hätte, wie es Amazon getan hat.

Dass man bei dem E-Commerce-Riesen so ziemlich alles bekommt, was das Herz begehrt, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Wem danach ist, nie wieder das Haus zu verlassen, könnte sich wahrscheinlich für immer von Amazon versorgen lassen. Menschen, die nicht in einer Großstadt leben (möchten), und im örtlichen Einzelhandel für gewöhnlich auf ein eher schmales Produktangebot stoßen, haben dank Amazon Zugriff auf eine schier unendliche Produktpalette, die aus aller Welt bis vor die Tür geliefert wird. Vor 30 Jahren mag einiges einfacher gewesen sein. Aber ein derartig bunter Mix an Lebensmodellen war in der Epoche vor Amazon (v. A.) einfach nicht drin.

Für die meisten Marktbeobachter ist Amazon nach wie vor nichts weiter als ein gigantischer Lieferdienst. Langweilig! Oder doch nicht? Für mich ist Amazon ein Werkzeug mit dem Potenzial, die teils Jahrtausende alten Ketten herkömmlicher Lebensmodelle zu sprengen. Du willst am Nordpol leben, kannst aber nicht auf deinen Lieblings-Rioja verzichten? Mithilfe von Amazon ist das in Zukunft vielleicht kein Problem! Du wohnst auf dem Mond und brauchst einen Sekundenkleber für deinen Raumanzug? Auch daran arbeitet Amazon-CEO Jeff Bezos bereits!

Ich finde, in der Amazon-Aktie steckt nicht nur viel Technologie- und Logistikkompetenz, sondern auch ein ordentlicher Schwung gesellschaftlicher Wandel. Und genau das ist für mich die beste Ursuppe für eine unschlagbaren Top-Aktie. Mehr Mojo geht nicht.

Man sollte nach Hause gehen, wenn die Party am schönsten ist

Ralf Anders: In den ersten Jahren fand ich Amazon auch ganz toll. Die außergewöhnliche Kundenorientierung und das riesige Angebot zu günstigen Preisen, das hat schon einiges in Bewegung gebracht. Auch die Öffnung der Plattform für kleinere Händler und Privatverkäufe war ein genialer Schachzug, genauso wie die Cloud-Initiative. Keine Frage, Amazon versteht etwas von Netzwerkeffekten.

Aber dass dieser scheinbar so allmächtige Konzern außerhalb Amerikas auch nach rund zwei Jahrzehnten Onlinemarktführerschaft noch immer Milliardenverluste schreibt, wirkt auf mich sehr verstörend. Jüngere und ähnlich schnell wachsende europäische Konkurrenten wie etwa Zalando (WKN: ZAL111) wirtschaften schon längst profitabel. Was ist da also los? Sind das wirklich die legendären Wachstums-„Investitionen“ – die dann gar keine richtigen Investitionen wären, weil sie direkt ergebnismindernd wirken? Oder steckt doch etwas anderes dahinter, sprich Gewinnverschiebung, räuberisches Dumping oder Missmanagement?

Irgendetwas läuft da falsch und die Behörden sitzen Amazon ja auch schon längst im Nacken. So werden ihm unter anderem von verschiedenen Seiten der Missbrauch der Marktmacht, der Vertrieb von Schmuggelware und Datenmissbrauch vorgeworfen. In den USA werden die Rufe nach einer Zerschlagung lauter und in Europa wird immer intensiver nach Wegen gesucht, endlich eine faire Besteuerung durchzusetzen.

Abstoßend empfinde ich daneben die ständig zur Schau getragene Hybris, als ob Amazon per Handstreich beliebige Branchen zu Fall bringen könnte. Dabei ist die Liste der Misserfolge lang und Vorstöße wie zuletzt in Richtung Satelliteninternet grenzen für mich an Größenwahnsinn. Auch der völlig überteuerte Kauf von Whole Foods wird voraussichtlich früher oder später die Bilanz mit einem hohen Milliardenbetrag belasten. Laut eines kürzlichen Forbes-Berichts ist der US-Markt für Premium-Öko mittlerweile ziemlich gesättigt und aggressive Konkurrenten wie Aldi drücken die Margen.

Insgesamt denke ich, dass Amazons Taktiken in Zukunft nicht mehr so ziehen werden wie bisher. Verbunden mit den drohenden Strafen und Abschreibungen sollten sich Aktionäre auf einen derben Rückschlag gefasst machen. Rund 1000 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung für ein Unternehmen, das im Ausland unterm Strich keinen Cent verdient und mit 53 Mrd. US-Dollar vergleichsweise wenig Eigenkapital aufweist (davon 14,5 Mrd. US-Dollar Firmenwerte, primär Goodwill auf Whole Foods) – das sieht für mich nicht nach einem guten Deal aus.

Amazon – ein Bilderbuchunternehmen mit Wachstumsperspektive

Thomas Brantl: Für mich sprechen vor allem zwei Dinge für Amazon: Zum einen halte ich dieses Unternehmen für ein absolutes Bilderbuchunternehmen – zum anderen sehe ich noch immer gigantisches Wachstumspotenzial in den zwei wichtigsten Kernmärkten.

Amazon-CEO Jeff Bezos hat ein großartiges Unternehmen mit außergewöhnlichen Werten geschaffen. Ein Unternehmen mit einem Kundenfokus, dass es schon fast wehtut. Ein Unternehmen, das bereit ist, Fehler zu machen, weil es weiß, dass der Weg zum Erfolg nur über Fehler führen kann.

Ein Unternehmen, dass nur die besten Mitarbeiter haben möchte. Ein Unternehmen mit einem unbändigen Innovationsdrang. Ich habe noch kein anderes Unternehmen analysiert, das diese für mich so wichtigen Fähigkeiten gebündelt unter einem Dach mitbringt – deshalb ist Amazon das vielleicht beste Unternehmen, das ich kenne.

Amazon ist für mich aber nicht nur ein grandioses Unternehmen – in den beiden wichtigsten Märkten gibt es noch immer jede Menge Platz für Wachstum. Da wäre zum einen der E-Commerce – ein Markt, der gerade erst dabei ist, sich voll zu entfalten. Beispiel Deutschland: Im Jahre 2017 wurden gerade einmal 10 % aller Einzelhandelsumsätze im Netz getätigt. Unschwer zu erkennen, dass da noch eine Menge Luft nach oben ist.

Zum anderen wäre das Cloudsegment AmazonWebServices (AWS). Amazon stellt hier nicht einfach nur Serverkapazitäten zur Verfügung – Amazon bietet komplette Anwendungen in der Cloud an. Ein paar Beispiele: AWS wird von Netflix, MyTaxi, airbnb, Lamborghini oder Adobe genutzt.

Sie alle greifen auf verschiedene Bausteine von AWS zurück, da sie alle unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben. Sie haben aber eines gemeinsam: Sie vertrauen auf die Lösung des Marktführers in diesem Bereich – und ich glaube, das ist erst der Anfang! Vermutlich gibt es noch Millionen von Anwendungen, die mit cloudbasierten Lösungen schneller, einfach und günstiger sind.

Was für ein gigantische Potenzial – was für ein grandioses Unternehmen!

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Stefan besitzt keine der erwähnten Aktien. Thomas Brantl besitzt Aktien von Amazon. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Netflix. The Motley Fool empfiehlt Adobe und Zalando.

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