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Filter für großartige Aktien: Mehr Rendite mit börsennotierten Familienunternehmen

Foto: Getty Images

In Deutschland gelten Unternehmen in Familienhand gemeinhin als das Rückgrat der Wirtschaft. Und obwohl die ca. 4.700 größten Familienunternehmen nur 0,1 % aller Unternehmen in Deutschland ausmachen, erzielen sie fast ein Viertel aller Firmenumsätze. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch auf dem Börsenparkett eine gute Figur machen.

In den nächsten Absätzen erfährst du, was die eigentlichen Ursachen hierfür sind und inwiefern es für die Börsenperformance tatsächlich eine Rolle spielt, ob die Mehrheit der Aktien eines börsennotierten Unternehmens im Besitz der Gründerfamilie ist oder nicht.

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Was Familienunternehmen ihren Konkurrenten voraushaben

Einer Studie der Credit Suisse aus dem vergangenen Jahr zufolge („CS Family 1000“) sind börsennotierte Firmen in Familienhand mit ihren Geschäften weltweit profitabler als Nicht-Familienunternehmen. Dadurch können ihre Aktien langfristig oft eine bessere Performance erzielen als der breite Markt. Das gilt laut der Studie vor allem für Familienunternehmen aus Europa: Im Vergleich zu ihren Konkurrenten schneiden sie im Durchschnitt um 4,74 % pro Jahr besser ab. Davon können die USA nur träumen, denn hier kommen diese Unternehmen im gleichen Zeitraum (seit 2006) nur auf eine Überrendite von gut 3 % pro Jahr.

Verglichen mit anderen Unternehmen zeichnen sie sich außerdem durch ein höheres Umsatzwachstum aus – und zwar unabhängig von ihrer Größe (egal ob Small Caps oder Large Caps). Oft geht mit der Familienstruktur noch ein anderer Aspekt einher: Sie sind in der Regel weniger stark verschuldet und haben eine hohe Eigenkapitalquote. Das macht sie zum einen unabhängiger von Kreditgebern und kann zum anderen als Reserve für Krisenjahre dienen. Hinzu kommt, dass Familienunternehmen offenbar auch stärker auf Innovation setzen, denn sie weisen höhere Investitionsausgaben aus und investieren insbesondere verstärkt in Forschung und Entwicklung.

Vorzeigeunternehmen Nemetschek

In der Studie der Credit Suisse landete der Softwarekonzern Nemetschek (WKN: 645290) in der Rangliste mit der besten Börsenentwicklung über drei, fünf und zehn Jahre auf dem ersten Platz. Nemetschek entwickelt und vertreibt Software für die Bau- und Immobilienbranche und hat in den letzten Jahren tatsächlich als Börsenüberflieger Schlagzeilen gemacht. Die Aktie des Unternehmens jagte immer neuen Höchstständen nach. Viele Anleger lassen inzwischen lieber die Finger von der Nemetschek-Aktie, weil sie zurzeit als hoffnungslos überbewertet gilt.

Abgesehen davon kann Nemetschek aber mit allen der oben genannten Eigenschaften aufwarten: Zunächst einmal ist die Gründerfamilie mit über 50 % am Unternehmen beteiligt und der Bau-Softwareriese hat eine langjährige Firmenhistorie. So legte Professor Georg Nemetschek bereits 1963 mit der Gründung seines Ingenieurbüros den Grundstein für die heutige Nemetschek Group.

Der Konzern hat 2018 ein prozentual zweistelliges Umsatzwachstum erzielt und war damit sehr profitabel. Die Bilanzstruktur des Konzerns ist mit einer Eigenkapitalquote von etwa 43 % sehr solide. Auch die Innovationstätigkeit ist beachtlich: Nach eigenen Angaben reinvestiert der Softwarekonzern etwa 25 % des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Im Geschäftsjahr 2018 wurden dafür insgesamt 110,4 Mio. Euro aufgewendet – eine ordentliche Hausnummer.

Wer die Aktie bereits im Depot hat, konnte sich also schon über eine überdurchschnittliche Kursentwicklung freuen. Für alle anderen Investoren könnte es sich lohnen, das Papier im Auge zu behalten und möglicherweise bei einem Kursrücksetzer zuzuschlagen, wenn sie von dem Unternehmen überzeugt sind.

Was zählt, ist die Motivation

Neben diesen „Hard Facts“, auf die man bei der Aktienauswahl achten sollte, werfen Foolishe Investoren aber auch immer einen Blick auf die „Soft Facts“, zum Beispiel das Management. Bei Familienunternehmen spielt vor allem ein Faktor eine wichtige Rolle: der Anreiz bzw. die Motivation für die Unternehmensführung. Heute hört man in diesem Zusammenhang immer wieder den englischen Begriff „Incentive“. Im Kern geht es darum, wie engagiert sich die Unternehmensleitung für eine erfolgreiche Führung des Unternehmens einsetzt und was sie dazu antreibt.

Bei vielen Unternehmen wird die Motivation durch erfolgs- bzw. leistungsorientierte Vergütungssysteme sichergestellt. Dabei werden oft Boni an das Management ausgezahlt, wenn die Ziele erreicht werden und es im Unternehmen gut läuft. Hintergrund ist, dass eine höhere Motivation tendenziell auch zu einer besseren Leistung führt. Leider konzentrieren sich die Manager für ihre Boni oft auf die kurzfristigen Ziele, sodass der Fokus auf den Quartalszahlen liegt. Dann kann es mitunter passieren, dass sie die langfristigen Ziele aus den Augen verlieren. Nebenher sollen solche Vergütungssysteme auch dazu beitragen, dass sich die Manager stärker mit ihrem Unternehmen identifizieren können.

Aber mal ehrlich: Wer kann sich wohl besser mit dem eigenen Unternehmen identifizieren als die Gründerfamilie? Und bei wem ist die intrinsische Motivation für eine langfristig erfolgreiche Unternehmensführung wohl größer? Bei einer Gründerfamilie, die vor 50 Jahren ihr Unternehmen aufgebaut hat, oder bei einem Top-Manager, der zwar seit fünf Jahren an der Spitze des Unternehmens steht, sich aber insgeheim in ein paar Jahren schon wieder woanders sieht? Die Antwort erübrigt sich hier wohl.

Auch wenn sich Firmen im Familienbesitz genau wie andere Unternehmen jeden Tag aufs Neue behaupten müssen und natürlich auch Risiken bergen, können sie für Foolishe Investoren eine sehr spannende Anlage sein. Warum? Nun ja, im Grunde haben sie dasselbe Ziel im Blick wie wir Langfristanleger: den Aufbau und die Führung eines soliden Unternehmens mit einem langfristig erfolgreichen Geschäftsmodell.

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Franziska Eggert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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