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10 Jahre nach Porsches gescheitertem Angriff auf VW ‒ 3 Dinge die Anleger daraus lernen können

Foto: Volkswagen AG

2009, das war das Jahr, als die Finanzkrise auf dem Boden aufschlug und Volkswagen (WKN: 766403) einen „Konzernbeauftragten für Elektrotraktion“ ernannte. Vor zehn Jahren war es auch, als Porsches Sportwagen unter das Wolfsburger Konzerndach geschlüpft sind. Es war einer der spektakulärsten Deals der deutschen Wirtschaftsgeschichte und Anleger können heute einiges daraus lernen.

Lehre Nr. 1: Man kann eine Schlacht verlieren und doch den Krieg gewinnen

Im Jahr 2005 hat sich die damalige Porsche AG zum ersten Mal an Volkswagen beteiligt, angeblich um eine drohende feindliche Übernahme durch VW abzuwehren. In den Folgejahren ging es vor allem um das VW-Gesetz, das dem Großaktionär Niedersachsen Sonderrechte einräumte und einer Übernahme entgegenstand. 2007 wurde das Hindernis zu Fall gebracht, wobei Porsche zunächst Minderheitsaktionär blieb. Im Herbst 2008 platzte jedoch die Bombe: Porsche will 75 %!

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Wie so viele Deals aus dieser Zeit, zeichnete sich auch dieser zunächst durch schlechtes Timing aus. Kurz darauf schlug die Finanzkrise zu und stellte die milliardenschwere Finanzierung auf den Kopf. Bis Anfang 2009 beschränkte sich die Beteiligung daher auf eine knappe Mehrheit. Um den Deal zu retten, waren sich die Porsche-Verantwortlichen in der Folge nicht zu schade, bei der KfW um einen Überbrückungskredit zu bitten und die Fühler nach Arabien auszustrecken.

Nachdem die Planspiele alle im Sand verliefen, war plötzlich VW wieder am Drücker und bot an, das operative Porsche-Geschäft zu erwerben. Das wurde zwar zunächst kategorisch abgelehnt, aber am 23. Juli 2009 wurden die Pläne zur Schaffung eines „integrierten Automobilkonzerns“ schon konkreter. Einige Monate später stand Porsche als Verlierer da und Volkswagen als Gewinner.

Ja, der Plan, Volkswagen bei Porsche zu integrieren, ist schiefgelaufen, denn es kam andersherum. Auch die Design-, Engineering- und Vertriebsgesellschaften, die den Namen Porsche tragen, werden seither von VW überwacht. Aber was ist mit der Porsche-Piech-Familie? Die beherrscht über die Porsche Automobil Holding (WKN: PAH003) noch immer die Mehrheit der Stammaktien und fast ein Drittel des Eigenkapitals des VW-Konzerns. Das sind rechnerisch etwa 35 Mrd. Euro, wobei die Hälfte der Porsche-Aktien als Vorzüge im Streubesitz ist.

Heute ist die Holding schuldenfrei und verfügt über weiteres Vermögen. Keine Frage, die österreichische Großfamilie gehört auch heute noch zu den 100 reichsten der Welt und konnte ihr Vermögen seit 2005 trotz der verlorenen Schlacht deutlich steigern – bis 2015 sogar vervielfachen.

Es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man als langfristig orientierter Investor selbst dann Erfolg haben kann, wenn man zunächst einen scheinbar zu hohen Preis bezahlt und die eine oder andere Krise durchlebt.

Lehre Nr. 2: Besondere Gelegenheiten sollte man nicht auslassen

Nach Verkündung der Übernahmepläne im Oktober 2018 explodierte der VW-Kurs auf Fantasieniveaus. Für einige Stunden war Volkswagen das wertvollste Unternehmen der Welt. Die Ursache war zum Teil ein brutaler Short Squeeze, weil Leerverkäufer auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Wer zu diesem Zeitpunkt noch VW-Aktien im Depot hatte, konnte in kürzester Zeit einen Reibach machen.

Aber wer hatte eigentlich die größte Zahl an VW-Papieren im Depot? Richtig, natürlich das hochverschuldete Bundesland Niedersachsen, das unter den Folgen der Finanzkrise litt. Mein erster Gedanke war damals: „Verkauft ein paar Stücke, saniert den Landeshaushalt!“ Aber was sagte Ministerpräsident Christian Wulff? Der kümmerte sich lediglich darum, dass „sein Land“ die Sonderstellung bei VW behalten müsse. Deshalb wurde von den 20,2 % nicht einmal eine einzige Aktie abgegeben.

Solch eine Gelegenheit kommt nicht wieder. Selbst als VW sieben Jahre später vor dem Dieselskandal 2015 Traumgewinne erwirtschaftete, lag der Kurs in der Spitze lediglich bei einem Viertel von damals. Zwar ist schwer zu sagen, wie viele Aktien Niedersachsen überteuert in den Markt hätte geben können, aber für die Finanzierung einiger Schulen und Krankenhäuser hätte der mögliche Sonderertrag sicherlich gereicht.

Für uns Kleinanleger, die wir keinen marktbewegenden Einfluss haben, ist auf alle Fälle klar, dass man selbst als Foolish langfristig orientierter Investor durchaus mal Kasse machen kann, wenn an der Börse Fantasiekurse aufgerufen werden.

Lehre Nr. 3: Ein Discount, den man sich genauer ansehen sollte

Als der Deal durch war, erkannten viele Analysten, dass die Porsche-Aktie mit einem Abschlag auf den inneren Wert der Beteiligung notierte und deshalb die bessere Volkswagen-Aktie sein könnte. Aber hat sie tatsächlich mehr Rendite gebracht über die letzten Jahre?

Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Die meiste Zeit bewegen sich die beiden Aktien im Gleichschritt. Was sich allerdings beobachten lässt, ist, dass die VW-Aktie vor dem Dieselskandal etwas besser performte, während die Porsche-Aktie danach besser lief, als der zwischenzeitlich versiegende Dividendenstrom wieder sprudelte, die Holding ihre Diversifizierungsstrategie einleitete und sich abzeichnete, dass die juristischen Streitigkeiten keine einschneidenden Folgen haben würden.

Was die Dividenden angeht, haben Anleger bei Porsche über die letzten fünf Jahre exakt 8 Euro ausgeschüttet bekommen, was beim aktuellen Kurs von 62 Euro (26.07.) einer durchschnittlichen Rendite von 2,58 % entspricht. Bei den VW-Vorzügen gab es über den gleichen Zeitraum 15,91 Euro und es ergibt sich beim Aktienkurs von 155 Euro ein Wert von 2,05 %.

Wie man sieht, scheint die Porsche-Aktie, die nicht viel mehr macht, als Dividenden von VW durchzuleiten, tatsächlich leichte Vorteile zu haben. Dem Discount stehen zwar leicht erhöhte Verwaltungskosten und gewisse Risiken gegenüber, aber die Aktie ist gerade für die langfristige Anlage eine interessante Alternative, falls du an VW beteiligt sein willst und Vertrauen in die Porsche-Piech-Familie hast.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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