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Die Lufthansa ist 5-mal weniger wert als die gleich große DELTA Airlines? Hier sind die Gründe

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Am 30. Juli wird die Deutsche Lufthansa (WKN: 823212) ihre Zahlen für das erste Halbjahr vorstellen. Dem Aktienkurs zufolge ist dabei nichts Gutes zu erwarten. Die umsatzmäßig nur wenig größere Delta Airlines (WKN: A0MQV8) aus den USA ist derzeit gleich fünfmal so viel wert – irgendwie überraschend, oder? Warum das so ist und was daraus für Anleger folgt, ist eine Frage, der ich nachgegangen bin. Hier sind meine Erkenntnisse.

Lufthansa und Delta Airlines im Vergleich

Das SkyTeam-Mitglied Delta ist in Atlanta (Georgia) zu Hause, dem weltgrößten Flugdrehkreuz. In Europa fliegt die Airline vor allem Amsterdam, London und Paris an. Insgesamt können Passagiere bei Delta unter 304 Flugzielen wählen. Das hört sich schon recht beeindruckend an, aber die Lufthansa, Mitgründer der Star Alliance, liegt mit 287 über ihre vier internationalen Drehkreuze angebotenen Flugzielen auf Augenhöhe. Lass uns daher mal ein paar Zahlen anschauen:

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in Mio. EUR Delta Airlines Lufthansa Group Verhältnis
Mitarbeiter 80.000 135.534 0,6
Flottengröße 918 763 1,2
Umsatz 2018 40.034 35.844 1,1
Nettogewinn 2018 3.545 2.163 1,6
Eigenkapital Ende 2018 12.331 9.573 1,3
Marktkapitalisierung (23.07.) 36.955 7.220 5,1
(1 EUR = 1,11 USD)

Tabelle: erstellt vom Autor auf Basis von Unternehmensangaben

Es fällt auf, dass die Lufthansa Group deutlich mehr Mitarbeiter beschäftigt und ansonsten etwas kleiner ist. Der höhere Gewinn von 2018 kann jedoch nicht annähernd erklären, warum Delta derzeit fünfmal so hoch bewertet wird.

Mögliche Gründe

Produktivität?
Dass der Umsatz pro Mitarbeiter bei der Lufthansa so viel geringer ist als bei Delta, liegt wohl primär am umfangreichen Servicegeschäft. Bei Lufthansa Technik und LSG Sky Chefs arbeiten über 60.000 Menschen. Von daher würde ich nicht unbedingt auf eine niedrigere Produktivität der Lufthansa-Mitarbeiter schließen, obwohl das natürlich eine gewisse Rolle spielen könnte.

Wettbewerbsintensität
Ein definitiv wichtiger Grund, warum US-Airlines profitabler arbeiten, besteht jedoch im weniger intensiven Wettbewerb. Während in Europa noch immer leistungsschwache Spieler wie Alitalia durchgeschleppt werden, agiert Delta in einem weitgehend konsolidierten Heimatmarkt. Die großen 5 vereinen Marktanteile von 86 %, während es im europäischen Markt lediglich 50 % sind.

Markenwert
Eine andere Sache betrifft die Marke. Delta wird im Ranking der relevantesten Fortune-100-Unternehmen der W2O Group auf Rang 6 geführt, direkt nach den Tech-Giganten. Auch die Lufthansa genießt natürlich ein hohes Ansehen, aber die regelmäßigen Streiks oder auch das Flugchaos vom letzten Jahr machen ihr immer wieder zu schaffen. Im 2019er-Airline-Ranking von Brand Finance schaffen es die Deutschen zwar trotzdem auf Platz 10, aber Delta thront ganz oben auf Platz 1. Der Wert der Marke wird stolze 7 Mrd. US-Dollar höher eingeschätzt von den Analysten.

Umweltschutzbewusstsein
Wahrscheinlich spielt bei der krass unterschiedlichen Marktkapitalisierung auch die unterschiedliche Mentalität eine Rolle. Der Amerikaner an sich (das ist natürlich eine unzulässige Verallgemeinerung) kümmert sich wenig um die Umwelt, fährt einen riesigen F-150-Pickup, produziert Unmengen an Plastikmüll und lässt die Klimaanlage Tag und Nacht auf Hochtouren laufen. Das aktuelle Regime in Washington verstärkt dieses Verhalten sogar noch und denkt nicht einmal daran, Maßnahmen zu ergreifen, um den Energieverbrauch zu senken — im Gegenteil, die Wirtschaft muss wachsen, koste es, was es wolle.

Die Lufthansa muss sich hingegen mit allem Möglichen auseinandersetzen. Immer größere Bevölkerungsgruppen fordern Einschränkungen des Flugverkehrs, den vermehrten Einsatz von teuren erneuerbaren Brennstoffen, stark erhöhte Steuern auf Flugreisen sowie eine bessere Förderung des konkurrierenden Schienenverkehrs. Fakt ist auch, dass die Politik in Europa Umwelt- und Sozialaspekte deutlich höher gewichtet als ihre Pendants in den USA.

Daraus folgt, dass Delta unverändert an den langfristigen Wachstumsplänen festhalten kann, während der Ausblick auf dem Heimatmarkt der Lufthansa mit erheblichen Unsicherheiten behaftet ist. Wird es genügen, die Flotte mit hocheffizienten Maschinen zu modernisieren? Oder werden viel radikalere Maßnahmen notwendig sein, die hohe Investitionen erfordern und die Profitabilität nachhaltig bedrohen? Diese Fragen stellen sich nicht nur das Management, sondern auch die Anleger – und diese mögen keine Unsicherheiten dieser Art.

Alles fair also?

Delta ist auf einem guten Kurs, um langfristig weiter zu wachsen. Die Wettbewerbssituation ist stabil, die Marke stark und der kontinuierliche Ausbau von Premium- und Zusatzgeschäften bringt gute Margen. Es braucht daher nicht viel Fantasie, um mittelfristige Gewinne jenseits von 5 Mrd. US-Dollar für den Luftfahrtkonzern zu erwarten.

Für die Lufthansa hingegen wird es angesichts des schwierigen Wettbewerbsumfelds und der drohenden Regulierungsmaßnahmen nicht so leicht, die saftigen Gewinne der letzten Jahre zu wiederholen oder gar zu steigern. Auch wenn die mittelfristigen Analystenschätzungen im Schnitt im Bereich von 2 Mrd. Euro liegen, wären die Anleger derzeit wohl froh, wenn das Gewinn-Niveau im Schnitt überhaupt oberhalb von 1 Mrd. Euro bleiben und nicht weiter abrutschen würde.

Man kann es sich also durchaus zurechtbiegen, die fünfmal so hohe Bewertung der amerikanischen Konkurrenz. Ich für meinen Teil habe aber durchaus Vertrauen in die Strategie von CEO Carsten Spohr und denke, dass nicht nur der Turnaround von Eurowings gelingen wird, sondern auch die neue Premiumstrategie bei den Network Airlines auf absehbare Zeit Früchte tragen sollte. Für die Aktie spricht daneben auch das außergewöhnlich niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnis, das für einen schönen Puffer sorgt.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Delta Air Lines.

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