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Wo steht Qualcomm in 10 Jahren?

Qualcomm (WKN:883121), der größte Chiphersteller für Mobilgeräte der Welt, war einst eine grundsolide Investition für die Welt nach dem Desktop-Computer. Die Mobil-SoCs (System on Chips) – die eine ARM-basierte CPU, ein drahtloses Modem und eine GPU zusammenfassen – versorgen die meisten Android-Smartphones. Das Portfolio an  Patenten – immerhin das umfangreichste der Welt – sorgt dafür, dass Qualcomm von jedem weltweit verkauften Smartphone einen Anteil bekommt.

Qualcomm erwirtschaftete den größten Teil seiner Einnahmen aus dem Verkauf von Chips für Mobilgeräte und den größten Teil seiner Gewinne aus Lizenzen und Lizenzgebühren, und beides wuchs im vergangenen Jahrzehnt etwa gleich gut und nebeneinander her.

Aber als der Smartphone-Markt gesättigter wurde und bei den Geräten die Margen sanken, behaupteten Regierungsbehörden und OEMs, dass die Lizenzgebühren von Qualcomm zu hoch seien. Konkurrierende Chiphersteller behaupteten zudem, dass Qualcomm den Markt monopolisiert habe, indem man OEMs, die ihre mobilen Chips gekauft hätten, niedrigere Lizenzgebühren angeboten hätte.

Diese Anschuldigungen führten weltweit zu kartellrechtlichen Untersuchungen und Klagen und haben das langfristige Wachstum von Qualcomm belastet. Schauen wir doch mal, wie sich diese Herausforderungen auf den Chiphersteller in den nächsten zehn Jahren auswirken könnten.

Die größten Probleme von Qualcomm

Qualcomm konnte bislang das Wachstum seines margenschwächeren Chipgeschäfts mit der starken Lizenzeinheit stützen. Dieses einfache Geschäftsmodell und die dominante Stellung in beiden Märkten machten Qualcomm zu einem attraktiven Investment. Allerdings sieht sich das Lizenzgeschäft von Qualcomm nun mit Geldbußen und Beschränkungen in China, Südkorea, Europa und den USA konfrontiert. Es gab zudem Klagen von verärgerten OEMs wie Apple (WKN:865985), Huawei und LG.

Qualcomm konnte die meisten OEM-Klagen in den letzten zwei Jahren mit Vergleichen beilegen. Allerdings haben staatliche Regulierungsbehörden in Europa und den USA kürzlich wichtige Kartellverfahren gegen Qualcomm gewonnen, was den Chiphersteller unter Druck setzt, sein Lizenzgeschäft vom Chipgeschäft zu trennen.

Die EU hat Qualcomm wegen seines Modem-Deals mit Apple im vergangenen Jahr mit einer Geldbuße belegt. Das Unternehmen steht noch immer im Fadenkreuz der Ermittler – man untersucht, ob der Chiphersteller etwa die Konkurrenz mit “räuberischen” Preisstrategien aus dem Markt drängen wollte. In den USA entschied ein Landgericht, dass Qualcomm Wettbewerber mit “unangemessen hohen” Lizenzgebühren, unlauteren Geschäftsstrategien und exklusiven Partnerschaften “beseitigt” hat. Das Gericht verlangt, dass Qualcomm seine Technologien an konkurrierende Chiphersteller zu angemessenen Preisen lizenziert und wird Qualcomm sieben Jahre lang überwachen, damit die Auflagen eingehalten werden.

Qualcomm ist in Berufung gegangen, aber so oder so muss man das Geschäftsmodell ändern und sich vom Mobilfunkmarkt lösen. Darüber hinaus erwartet Gartner, dass der weltweite Smartphone-Absatz bis 2020 (wenn Benutzer auf 5G-Geräte umsteigen) jährlich steigen wird – was darauf hindeutet, dass der Chipumsatz genau dann seinen Höhepunkt erreichen wird, wenn die Rufe nach niedrigeren Lizenzgebühren immer lauter werden.

Fokussierung auf Rückkäufe anstelle von Diversifikation

Deshalb versuchte Qualcomm Ende 2016, NXP (WKN:A1C5WJ), den weltweit größten Hersteller von Automobilchips, zu kaufen. Leider ist der 44-Milliarden-USD-Deal im vergangenen Jahr nicht zustande gekommen, und Qualcomm hat den größten Teil des bereitgestellten Geldes stattdessen für einen neuen 30-Milliarden-USD-Rückkaufplan verwendet. Dieser Schritt war wohl ein kurzfristiger Schub, der den Aktienkurs von Qualcomm ankurbeln (und die großzügige aktienbasierte Vergütung für Spitzenkräfte ausgleichen) sollte, anstatt das Geschäftsmodell weg von mobilen Chips und Lizenzen zu diversifizieren.

Infolgedessen verpasste Qualcomm die Chance, kleinere Chiphersteller wie Mellanox und Cypress Semiconductor zu kaufen, die stattdessen von NVIDIA bzw. Infineon gekauft wurden. Qualcomm kann es sich immer noch leisten, andere Chiphersteller zu kaufen, um in den Automobil- und IoT-Markt zu expandieren, aber man scheint mehr daran interessiert zu sein, mit Rückkäufen zu glänzen. Zumindest so lange, wie die Regierungsbehörden noch immer das Kerngeschäft unter die Lupe nehmen.

Auch das Chipsegment von Qualcomm ist langfristig mit großen Risiken konfrontiert. Große OEMs wie Huawei und Samsung verwenden mehr First-Party-Chips, Apple denkt angeblich über den Kauf von Intels Modemeinheit nach, und MediaTek bleibt ein starker Konkurrent im Low-End- und Mid-Range-Markt. Chinas staatlich geförderte Chiphersteller könnten den Markt zudem mit eigenen Basisband-Modems und SoCs überfluten, um die Abhängigkeit des Landes von US-Chips zu verringern.

Also: Wo wird Qualcomm in 10 Jahren stehen?

Das nächste Jahrzehnt wird für Qualcomm eine Herausforderung sein. Die langsamer werdenden Absätze bei Smartphones werden den Absatz von mobilen Chips drosseln, und die anhaltenden regulatorischen Probleme könnten das Lizenzgeschäft weiter lahmlegen. Qualcomm kann sein kurzfristiges EPS-Wachstum mit Barmitteln aus Vergleichen mit OEMs und großen Rückkaufprogrammen ausgleichen, aber das langfristige Wachstum könnte versiegen, wenn es nicht zu aggressiven Akquisitionen kommt und man nicht in angrenzende Märkte expandiert.

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Leo Sun besitzt Aktien von Apple and Cypress Semiconductor. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und NVIDIA. The Motley Fool besitzt Aktien von Qualcomm und hat die folgenden Optionen: long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.  The Motley Fool empfiehlt Aktien von Cypress Semiconductor, Gartner und NXP Semiconductors.

Dieser Artikel erschien am 6.7.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.