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Nachhaltigkeitsrisiken bei Fresenius, RWE und VW: Darauf sollten Anleger achten

Nach welchen Kriterien wählt man als langfristig orientierter Anleger eigentlich die Aktien für das eigene Portfolio aus? Die meisten von uns achten dabei wahrscheinlich vor allem auf wichtige Kennzahlen wie Wachstum, Gewinn, Verschuldung, Kurs-Gewinn-Verhältnis, aktuelles Kursniveau usw. Meist wirft man auch einen Blick auf das Geschäftsmodell und das Zukunftspotenzial der möglichen Portfoliokandidaten.

Außerdem lohnt sich ein detaillierter Blick auf die Risiken: Wie könnten sich neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen auf das Unternehmen auswirken? Welche Risiken gehen möglicherweise von der Konkurrenz aus? Wie flexibel kann das Unternehmen auf Änderungen von Regulierungsvorschriften reagieren?

Nachhaltigkeitsrisiken und Aktien im Abwärtssog

Was dabei häufig vergessen wird, ist eine bisher wenig beachtete Risikokategorie, die in den letzten Jahren große Wellen geschlagen hat: das Nachhaltigkeitsrisiko. Solche Risiken können Aktien schnell mal auf Talfahrt schicken oder sogar das Geschäftsmodell von Unternehmen gefährden. Das hat der Aktienmarkt den Investoren in der Vergangenheit immer wieder schmerzlich vor Augen geführt.

So brach die Aktie von Volkswagen (WKN: 766400) angesichts des Dieselskandals im September 2015 im Intraday-Handel zeitweise um mehr als 22 % ein. Auch der Energiekonzern RWE (WKN: 703712) musste zusehen, wie seine Aktie den Boden unter den Füßen verlor, nachdem er sich mit dem Vorhaben zur Rodung des Hambacher Forsts in eine äußerst missliche Lage gebracht hatte. Nur wenige Menschen konnten nachvollziehen, warum ein alter Waldbestand nun ausgerechnet der umweltschädlichsten Form der Stromerzeugung geopfert werden sollte.

Nachhaltigkeitsrisiken betreffen also gesellschaftliche, umweltbeeinflussende und wirtschaftliche Faktoren, die letztlich negative Auswirkungen für das langfristige Überleben der Menschheit auf der Erde haben. Dabei stehen Umwelt- und Klimarisiken in der Regel im Vordergrund.

Als Anleger sollten wir dieses Risiko unbedingt im Blick behalten. Immerhin hängen die Kursentwicklung der Aktie und das Zukunftspotenzial der Unternehmen in unserem Portfolio auch von solchen Faktoren ab.

Die drei Schlusslichter im Nachhaltigkeitsranking

Fresenius (WKN: 578560), RWE und VW haben eines gemeinsam: In einem neuen Nachhaltigkeitsranking von Globalance schneiden diese drei Akteure in puncto Nachhaltigkeit von allen DAX-Unternehmen am schlechtesten ab. Für das Ranking wurden die Unternehmen anhand von 105 Kriterien und neun Zielen (Märkte und Infrastruktur, Arbeit, Technologie und Innovation, Ernährung, Gesundheit, Bildung und Wissen, Biodiversität und Land, Ressourcen und Klima, Wasser) analysiert.

Fresenius ist sowohl ein wichtiger Dienstleister im Pharma- und Gesundheitssektor als auch einer der größten privaten deutschen Krankenhausbetreiber. Während das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell also generell einen positiven Beitrag zur allgemeinen gesellschaftlichen Gesundheit leistet, steht der Pharmariese für unethische Vertriebspraktiken und intransparente Preise in der Kritik. Hinzu kommt, dass 2016 bis 2019 Produkte wegen Unregelmäßigkeiten zurückgerufen werden mussten. Probleme gibt es demnach auch bei der Abfallentsorgung und den Regeln für Zulieferer im Bereich Arbeitssicherheit.

Dass RWE als Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken zu den Schlusslichtern gehört, ist wohl kaum verwunderlich. Das Unternehmen produziert zwar auch erneuerbare Energien, aber der Anteil an Kohle- und Atomstrom ist immer noch sehr groß. Es wird auch bemängelt, dass das Unternehmen sich nicht genug dafür engagiert, die Braunkohleförderung zu verringern. Die Umweltrisiken sind hier hoch – nicht zuletzt, weil im Moment schwer absehbar ist, wie die regulatorischen Rahmenbedingungen vor dem Hintergrund des Klimawandels künftig aussehen werden.

VW hat indes zwar ein Konzept zur Förderung der Elektromobilität entwickelt, aber man ist allgemein der Ansicht, dass VW schon viel früher die Bedrohung des Klimawandels hätte erkennen und in die Elektromobilität investieren müssen. Das gilt übrigens auch für andere Autobauer. Während die CO2-Bilanz des Unternehmens in Europa überdurchschnittlich ist, ist sie in den USA unterdurchschnittlich. Außerdem drohen Europas größtem Autohersteller Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe, da VW das von der EU vorgegebene CO2-Flottenziel 2021 voraussichtlich verfehlen wird. Der Autohersteller verkauft also noch nicht genügend Fahrzeuge mit niedrigem CO2-Ausstoß, weil der Konzernumbau noch zu langsam vorangeht. Damit sieht sich VW einem nicht unerheblichen finanziellen Risiko gegenüber.

Die eigene Risikobereitschaft hinterfragen

Die genannten Unternehmen müssen sich also unter anderem mit Reputationsrisiken und Finanzrisiken auseinandersetzen, die allesamt auf Nachhaltigkeitsprobleme zurückzuführen sind.

Als langfristige Investoren müssen wir uns deshalb fragen, wie zukunftsfähig die Unternehmen sind, in die wir investieren wollen, und ob sie zu unserer individuellen Risikobereitschaft passen. Denn nichts ist schlimmer, als vorschnell eine Anlageentscheidung zu treffen und eine Aktie dann möglicherweise panisch mit schmerzlichen Verlusten zu verkaufen.

Ist dies die nächste Wirecard?

Wirecard stieg um fast 2.000 %. Jetzt gibt es einen aussichtsreichen „Nachfolger“, der schon bald die Spitze einnehmen könnte. Erst im vergangenen Jahr kam die Aktie an die Börse. Mit +49 % Umsatz-Wachstum (2018) und einer traumhaften Marge von 52 % (vor Steuern und Abschreibungen) fasziniert das Unternehmen die Analysten, während seine Plattform die Internet-Händler in der ganzen Welt mit der besten Performance begeistert und so bereits über 3 Milliarden Menschen erreicht. Wächst hier ein ganz neuer Tech-Gigant heran? Alle Details liest du hier:

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Franziska Eggert besitzt Aktien von Fresenius. The Motley Fool empfiehlt Fresenius.