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Procter & Gamble vs. Philip Morris: Welche ist die bessere Aktie?

Die letzten Jahre waren geprägt von hochkarätigen, schnell wachsenden Technologieunternehmen. Amazon.com, Apple und Microsoft zum Beispiel haben zwischenzeitlich alle die 1-Billion-Dollar-Bewertung überschritten. Das hat dazu geführt, dass Investoren in Nicht-Tech-Unternehmen ein solches Wachstum natürlich verpasst haben.

Die beiden Unternehmen, die wir hier miteinander vergleichen – der Konsumgüterriese Procter & Gamble (WKN:852062) und der Marlboro-Mutterkonzern Philip Morris (WKN:A0NDBJ) – fallen in den Bereich Non-Tech-Aktien. Aber das bedeutet nicht, dass sie unwichtig sind: Gemeinsam haben sie eine Marktkapitalisierung von über 400 Milliarden US-Dollar. Und sie sind gerade bei Rentnern aus einem triftigen Grund sehr beliebt: Sie zahlen eine hohe und sicher erscheinende Dividende.

Aber welche dieser sicheren Aktien ist heute der bessere Kauf? Das kann man natürlich nie mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, aber wenn wir sie von drei verschiedenen Seiten beleuchten, können wir uns hier vielleicht einer Antwort nähern.

Finanzkraft

Erstens wollen wir sehen, welches Unternehmen finanziell besser abschneidet, sollte es eine plötzliche Wirtschaftskrise geben. Die sind natürlich keine Alltagserscheinungen (man denke an die Rezession von 2008), können aber große Teile der Geschäftswelt auslöschen.

Wir wollen nicht nur Aktien eines Unternehmens besitzen, das eine solche Katastrophe übersteht, sondern von einem, das in dem Fall auch neue Marktanteile erschließen kann. Man muss allerdings im Hinterkopf haben, dass Procter & Gamble mehr als doppelt so groß ist wie Philip Morris. So schneiden die beiden an dieser Stelle ab:

Unternehmen Cash Verschuldung freier Cashflow
Procter & Gamble 10 Milliarden USD 21 Milliarden USD 12 Milliarden USD
Philip Morris 8 Milliarden USD 24 Milliarden USD 8 Milliarden USD

Quelle: Yahoo! Finance. Auf die nächste ganze Zahl gerundet

Beide Unternehmen zeichnen ein vertrautes Bild. Sehr gesunde freie Cashflows werden durch einen relativ hohen Verschuldungsgrad ausgeglichen. Alles in allem sind die Cashflows, die Verschuldung und der Free Cashflow von Procter & Gamble den Kennzahlen von Philip Morris überlegen. Während ich nicht gerade begeistert bin von der Situation bei beiden Unternehmen, liegt Procter & Gamble hier doch vorne.

Sieger: Procter & Gamble

Bewertung

Als Nächstes haben wir die Bewertung. Als Anfänger in der Anlagewelt könnte man meinen, dass es reicht, sich den Kurs der Aktie anzuschauen und dann zu entscheiden, ob diese „teuer“ ist. Leider ist das dann doch nicht so einfach. Stattdessen sind hier fünf Kennzahlen, die ich gerne zurate ziehe, wenn ich Dividendenaktien betrachte.

Unternehmen P/E P/FCF PEG-Verhältnis Dividende FCF-Auszahlung
Procter & Gamble 26 24 3,8 2,7 % 63 %
Philip Morris 15 15 2,8 5,8 % 88 %

Quelle: Yahoo! Finance, E*Trade

Hier ist Philip Morris der eindeutige Gewinner. Auf Basis einer absoluten Ergebnis- (P/E) und Free-Cashflow-Kennzahl (P/FCF) ist die Aktie günstiger. Und selbst wenn wir das Wachstum berücksichtigen (PEG), liegt sie noch immer unter der Aktie von Procter & Gamble.

Zudem ist die Dividendenrendite mehr als doppelt so hoch wie die von Procter & Gamble. Es stimmt zwar, dass die Dividende von Philip Morris mehr vom freien Cashflow des Unternehmens einnimmt, aber das war fast immer der Fall. Philip Morris gibt eigentlich nicht viel für Wachstumschancen aus. Stattdessen konzentriert man sich darauf, Zigaretten billig herzustellen und die Dividende an die Aktionäre auszuschütten.

Sieger: Philip Morris

Nachhaltige Wettbewerbsvorteile

Jetzt kommen wir zum Kern der Investition: die nachhaltigen Wettbewerbsvorteile jedes Unternehmens – auch die „Wassergräben“ genannt.

Bei Procter & Gamble ist der Graben der Markenwert. Das Unternehmen besitzt einige der bekanntesten Marken für Haushaltswaren: Duracell-Batterien, Gillette-Rasierer und Pampers-Windeln, um nur einige zu nennen.

Fast jedes Unternehmen könnte diese Produkte herstellen und zu niedrigeren Margen als Procter & Gamble anbieten. Was das Unternehmen schützt, ist die einfache Tatsache, dass die Menschen diesen Marken in der Regel mehr vertrauen – was bedeutet, dass sie bereit sind, ein bisschen mehr für sie zu bezahlen.

Philip Morris wird durch den gleichen Graben des Markenwertes geschützt. Das Unternehmen besitzt erfolgreiche Zigarettenmarken – insbesondere Marlboro. Wie bei Konsumgütern auch, könnte jeder Zigaretten für weniger Geld anbieten, was ja auch passiert. Aber weil Raucher sehr markenbewusst sind, verkauft Philip Morris seine beliebtesten Zigaretten weiterhin für etwas mehr Geld.

Also, wer hat da die Nase vorn? Ich glaube ja, dass Philip Morris einen breiteren Graben hat. Die Gefahren des Rauchens sind zwar seit Jahrzehnten bekannt. Und obwohl die internationalen Gepflogenheiten etwas anders sein mögen als in den USA, ist es klar, dass Raucher immer noch bereit sind, für Marlboro (und andere Marken von Philip Morris) etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Procter & Gamble hingegen hat jetzt auch einen guten Moment. Im vergangenen Jahr hielt der ehemalige Hedge-Fonds-Manager Mike Alkin einen Vortrag über den Wertverlust starker Marken bei Konsumgütern. Der Grund für diesen Trend war, dass Millennials – heute Amerikas größter Anteil an Verbrauchern – drei Dinge von ihren Konsumgütern wollen:

  1. Produkte, die lokal sind (was für Procter & Gamble am Hauptsitz in Cincinnati nicht möglich ist).
  2. Produkte, die biologisch sind (was für Nonfood-Unternehmen wie Procter & Gamble nicht wirklich eine Option ist).
  3. Produkte, die von kleinen Unternehmen stammen (so lässt sich Procter & Gamble sicher nicht beschreiben).

Wir haben bereits gesehen, wie Philip Morris mit den sinkenden Zahlen von Rauchern umgeht und in der Lage ist, mit Klagen und Gerichtsverfahren umzugehen. Der Konzern hat überlebt, auch wenn er nicht mehr so groß und unangreifbar ist wie zuvor. Ich bin mir nicht so sicher, ob Procter & Gamble in einem Jahrzehnt noch die gleiche Nachfrage haben wird.

Gewinner: Philip Morris

Und mein Gewinner ist …

So, da haben wir es: Die günstigere Bewertung und der breitere Graben machen Philip Morris zum Sieger.

Aber eigentlich würde ich PM nur dann nehmen, wenn es diese beiden Aktien und keine anderen gäbe. Denn beide Unternehmen sind nicht gerade in einer besonders starken Wettbewerbsposition. Deshalb besitze ich weder von dem einen noch von dem anderen Unternehmen Aktien.

Wer bald in den Ruhestand geht oder bereits ist, kann sich mal mit Philip Morris beschäftigen. Ansonsten findet sich wohl auf jeden Fall etwas Besseres.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Apple und Microsoft und shortet Aktien von Procter & Gamble. Brian Stoffel besitzt Aktien von Amazon.

Dieser Artikel erschien am 24.6.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.