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Bitcoin außer Rand und Band – was die Kurse treibt und welche Alternativen mutige Anleger haben

Hättest du auch gedacht, dass das Ende von Bitcoin nah sei? Über Monate wirkten Kryptowährungen wie Zombies, die nur gelegentlich nach oben zucken und ansonsten dahinsiechen. Wie aus dem Nichts jagen die Kurse im Juni wieder alte Höchststände. Was ist da los? Viel wird über die Rolle von Libra, dem geplanten Stablecoin von Facebook (WKN:A1JWVX) geredet. Letztlich muss man sich aber fragen, wer das größte Interesse an steigenden Bitcoin-Kursen hat.

Erste Erklärungsversuche

Die „Kryptowährung“ von Facebook legitimiere die Industrie, ist aus Kommentaren in amerikanischen Medien zu lesen. Libra ist zwar in Wirklichkeit gar keine Kryptowährung, sondern ein schlichter Stablecoin, aber trotzdem könnte er natürlich dazu beitragen, dass Nutzer mehr Vertrauen in Blockchain-basierte Zahlungssysteme bekommen. Die Erwartung ist ja, dass Facebook dafür sorgen wird, dass ihr Einsatz für mindestens zwei Milliarden Menschen nur einen Klick entfernt ist.

Ein ganz anderes Argument, das in einem Interview auf CNBC vorgetragen wurde, betrifft die Kapitalflucht aus geldpolitisch restriktiven Ländern wie etwa China. Um Geld außer Landes zu schaffen, würden gewisse Bevölkerungsgruppen dort derzeit verstärkt Bitcoins und andere Kryptowährungen nachfragen, um sie unbeobachtet an Empfänger im Ausland transferieren zu können. Ich mag gar nicht ausschließen, dass Derartiges stattfindet, aber warum gerade jetzt im Juni ein so großer Nachfragesog entstanden sein soll, erschließt sich mir nicht.

Plausibler ist da schon die Behauptung, dass die technische Analyse zum Kursanstieg beigetragen habe. Anleger, die im Kryptoumfeld engagiert sind, haben ja auch kaum etwas anderes in der Hand, als zu versuchen, aus den Kursmustern Prognosen abzuleiten. Mehr oder weniger bewährt hat sich dabei die Trendfolge. Steigende Kurse locken damit Anleger an, die auf einen noch stärkeren Anstieg wetten, sodass eine große Welle entstehen kann, die vermeintliche Widerstände nahezu unaufhaltsam durchbricht.

In der Presse tauchen nun auch schon wieder Ratgeber-Artikel auf, die darüber informieren, wie man in Bitcoins investieren kann. Auch das könnte dazu beitragen, die Kurse länger steigen zu lassen, zumal Neueinsteiger gerne gleich gehebelt mit Derivaten hantieren.

Die wahrscheinliche Ursache

Die technische Analyse, das Libra-Thema und die vermutete Kapitalflucht aus China und anderen Ländern dürften allerdings eher Aufhänger und Symptome sein als echte Ursachen für die Vervielfachung der Kurse. Viel realistischer ist aus meiner Sicht, dass die Quelle im Bitcoin-Ökosystem selbst liegt. Hardware-Hersteller, Betreiber von Rechenzentren, Handelsplattformen und andere auf Kryptowährungen spezialisierte Fintechs haben schwere Zeiten durchgemacht, seit die erste Megablase Ende 2017 platzte und das allgemeine Interesse in der Folge sichtbar nachgelassen hat.

Unternehmen wie Atlético-Madrid-Sponsor Plus500 (WKN:A1W3GY) oder Manchester-City-Partner AvaTrade brauchen eigentlich steigende Umsätze, um sich weiterhin mit Fußball-Multimillionären schmücken zu können. Der Kurs von GAIN Capital (WKN:A1C2YJ) hat sich zuletzt mehr als halbiert, während Plus500 seit Februar sogar einen Rückgang von zwischenzeitlich etwa 70 % hinnehmen musste. Im ersten Quartal wurde von einem schockierenden Umsatzeinbruch von über 80 % berichtet.

Einst milliardenschwere Bitcoin-Mining-Firmen, die dort erdaufheizende Rechenzentren betreiben, wo der Strom besonders billig ist, sind nun zu Pennystocks degradiert worden, weil das Geschäftsmodell bei sinkenden Kursen nicht funktioniert. Daneben gibt es noch notorische Großinvestoren, die auf großen Kryptobeständen sitzen und einen liquiden Markt benötigen, um irgendwann in stabile Währungen zurücktauschen zu können.

Es gibt also mächtiges Interesse daran, dass Bitcoin es zurück auf die Titelseiten der Wirtschaftsnachrichten schafft. Für diesen Zweck ist nichts wirksamer, als die Kursrakete zu zünden. Dabei ist zwar nicht ganz klar, wie das Spiel genau funktioniert, aber ich bin überzeugt, dass die Architektur von Bitcoin und den Handelsplattformen genug Möglichkeiten bietet.

Selbst wenn auf dem Weg nach oben ein paar überteuerte Stücke von Dritten eingekauft werden müssen, wäre das verkraftbar, wenn auf der anderen Seite die Erträge durch höhere Handelsumsätze und ausgeknockte Wetten auf sinkende Kurse hereinkommen.

Was Foolishe Anleger nun tun sollten

Obwohl es erstaunlich ist, wie hoch die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen geschossen sind, sollten wir uns bewusst machen, dass es praktisch unmöglich ist, die Tiefs zum Einstieg und die Hochs zum Ausstieg abzupassen. Kaum jemand wird daher tatsächlich in kurzer Zeit eine Vervielfachung seines Einsatzes realisieren können. Bitcoin bleibt ein höchst risikoreiches Spekulationsobjekt. Mit einem brutalen Einbruch ist jederzeit zu rechnen und es gibt deutlich aussichtsreichere Alternativen.

Wer bei seiner Anlagestrategie nach besonderen Chancen sucht, der wird auch am Aktienmarkt fündig. Unternehmen aus Bereichen wie Biotech, Cannabis, E-Commerce und SaaS-Software vervielfachen sich ebenfalls regelmäßig. Auch bei Turnaround-Kandidaten wie etwa Thomas Cook (WKN:A0MR3W) gibt es vergleichbare Chancen. Zwar sind auch dort die Risiken groß, aber der Vorteil dabei ist, dass wir es mit einer echten operativen Organisation zu tun haben, mit Management, Mitarbeitern, Entwicklungszentren und Fabriken. Wir können daher die Strategie analysieren, die Finanzen unter die Lupe nehmen und uns eine fundierte Meinung bilden.

Bei Bitcoin trifft das alles nicht zu. Der Kurs treibt entweder zufällig wie eine Feder im Wind – oder wie beschrieben von mächtigen Akteuren getrieben. Als einfacher Anleger ist man dort ziemlich hilflos ausgeliefert und muss auf sein Würfelglück hoffen.

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Ralf Anders besitzt keine Kryptowährungen und keine der erwähnten Aktien. Randi Zuckerberg, eine frühere Leiterin der Marktentwicklung und Sprecherin von Facebook sowie Schwester von CEO Mark Zuckerberg, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Facebook.