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Die perfekte Dividendenaktie für die Zusatzrente: So sieht sie aus

Gehörst du auch zu den Anlegern, die auf ein schönes Zusatzeinkommen durch Dividenden hoffen? Gerade in der Rentenzeit können diese regelmäßigen Ausschüttungen einen riesigen Unterschied in der Lebensqualität ausmachen. Aber woran erkennt man eigentlich eine optimale Dividendenaktie? Hier sind ein paar Hilfestellungen.

Die Basis: Gewinne vor Dividenden

Was wir uns bei einem Unternehmen zuerst anschauen sollten, sind nicht die Dividenden selbst, sondern die Gewinne. Wie hat es sich dabei in den letzten Jahren geschlagen und wie schaut der wahrscheinliche Pfad in die Zukunft aus? Aus den Nettogewinnen je Aktie leiten sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse ab und je tiefer diese sind, desto höher sind die potenziellen nachhaltigen Dividendenrenditen.

Je näher der Tag des Renteneintritts rückt, desto klarer sollte auch deine Vorstellung von den zukünftigen Profiten deiner Beteiligungen sein. Kaum zuverlässig bewertbare SaaS-Unternehmen mit Hyperwachstum und Biotechs würde ich daher in meinen späteren 50ern eher meiden.

Wichtig ist auf alle Fälle, dass du ein Gefühl dafür bekommst, wie hoch die Gewinne über die kommenden Jahre und Dekaden ausfallen könnten. Die Rückflüsse kommen dann auf die ein oder andere Weise fast automatisch, wenn du dabei nicht völlig falsch liegst. Ob es dann die Dividenden sind, die deine Liquidität aufbessern, ist zunächst zweitrangig.

Die Dividendenstrategie: Worauf du achten musst

Viele Unternehmen kommunizieren eine Dividendenstrategie. Manche wollen sie zumindest stabil halten und andere schütten eine feste Quote vom Jahresgewinn aus. Es gibt Konzerne, die sogar bei Verlusten üppige Ausschüttungen vornehmen und damit ihre Substanz angreifen, wie zum Beispiel Telefonica Deutschland (WKN:A1J5RX). Am anderen Extrem gibt es welche, die Milliardengewinne schreiben und sich trotzdem weigern, auch nur einen Cent herauszurücken. Dazu gehören natürlich viele der Kalifornischen IT-Größen, aber auch Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2).

Ich finde beide Extreme bedenklich. Das Eigenkapital Jahr für Jahr schrumpfen zu lassen, könnte die Zukunft des Unternehmens aufs Spiel setzen. Es kontinuierlich massiv wachsen zu lassen, nur um einen tollen ewig wachsenden Kurschart präsentieren zu können, wirkt auf der anderen Seite manchmal etwas eitel. Bei solchen Aktien schaue ich sehr genau hin, ob das vorenthaltene Geld wirklich wertschöpfend reinvestiert wird oder ob es eher um sogenanntes Empire Building geht. Überteuerte Übernahmen oder stagnierende Gewinne sind Anzeichen für Letzteres.

Wo Warren Buffett definitiv recht hat, ist, dass Dividenden nicht notwendig sind, um ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Wenn du irgendwann mal eine größere Summe Geld benötigst, kannst du anstatt auf Dividenden zu warten jederzeit genauso eine Portion deines Portfolios verkaufen. Da geizige Dividendenzahler zum Ausgleich typischerweise stärkere Kursgewinne aufweisen, wird dein Depot dadurch auch nicht schneller schrumpfen.

Wie unser Chef-Fool Bernd kürzlich anschaulich dargestellt hat, besteht die optimale Dividendenstrategie darin, mit dem zur Verfügung stehenden Geld so viele wachstumstreibende und potenziell margenstarke Initiativen anzuschieben wie nur möglich. Erst wenn die guten Ideen ausgehen, sollte die übrigen Mittel ausgeschüttet werden. Leider ist die Praxis oft gerade andersherum: Zuerst wird ein angeblich fairer Anteil ausgeschüttet und dann wird mit dem einbehaltenen Rest geschaut, dass man das Geld irgendwie verbraucht.

Zusammengefasst sollte also ein hochprofitables Unternehmen mit wenig Expansionsideen fast den gesamten Gewinn ausschütten, während ein anderes, das vor Ideen nur so sprüht, höchstens eine kleine Dividende bezahlen sollte. Wichtig ist dabei, zu verstehen, dass eine einbehaltene Milliarde die Finanzierung eines Vielfachen davon ermöglichen kann, ohne die Eigenkapitalquote zu verschlechtern.

Drei Beispiele

Daimler (WKN:710000) hat seit Langem eine Eigenkapitalquote von etwa 23 % und über fünf Jahre wurden insgesamt 17 Mrd. Euro ausgeschüttet. Hätten die Daimler-Ingenieure und -Manager mehr gute Ideen gehabt, dann hätte der Autobauer sage und schreibe 74 Mrd. Euro zusätzlich investieren können, ohne seine Kreditwürdigkeit zu gefährden. Man kann nur spekulieren, wie hoch der Kurs dann heute stehen würde.

Aber man kann es nicht erzwingen. Die Tatsache, dass der Gewinn nicht gesteigert werden konnte, obwohl gleichzeitig mehr als die Hälfte einbehalten wurde, zeigt, dass Daimler entweder kein profitables Neugeschäft erschließen konnte oder dass das Altgeschäft auf dem absteigenden Ast ist. Beides ist für Anleger alles andere als optimal.

Das sieht bei SAP (WKN:716460) günstiger aus. Auch der Softwareriese behält mehr als die Hälfte seiner Gewinne ein. Dort sorgen diese zusätzlichen Mittel jedoch konsistent für steigende Gewinne. So muss das sein und deshalb wird der Konzern trotz der zuletzt nur halb so hohen Gesamtausschüttungen fast dreimal so hoch bewertet.

Anders gelagert als die beiden vorherigen Beispiele ist Freenet (WKN:A0Z2ZZ). Der Telko-Vertrieb hat sein deutsches Vertriebsnetz und ist damit so weit zufrieden. Investitionen dienen primär dem Erhalt und weniger der Expansion. Gelegentliche Übernahmen und Beteiligungen wiederum werden mit günstigem Fremdkapital finanziert. Folglich kann der Großteil des Gewinns ausgeschüttet werden, wodurch Aktionäre mit einer stattlichen Dividendenrendite beglückt werden. Auch das ist konsistent.

Prüfe das Management

Letztlich kommt es also auf die Motive des Managements an. Geht es zuerst darum, ein Lebenswerk zu schaffen oder unreflektierte Aktionärsansprüche zu erfüllen, dann ist das ein schlechtes Zeichen. Wenn einbehaltene Gewinne ihre Wirkung nicht entfalten oder das Wachstum durch überhöhte Ausschüttungen ausgebremst wird, sollten sich Anleger entweder woanders umsehen oder ein besonders hohes Sicherheitspolster beim Kurs einfordern.

Die besten Dividendenaktien sind diejenigen, wo die zukünftig zu erwartenden Gewinne nicht nur üppige Ausschüttungen möglich machen, sondern auch das Management plausibel aufzeigt, warum es die einbehaltenen Mittel braucht und warum es für die ausgeschütteten Mittel keine renditesteigernden Einsatzmöglichkeiten sieht.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Aktien).