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Wer besitzt Indiens Top-Streaming-Service? Und wenn es Disney wäre…

Wenn man an führende Streaming-Unternehmen denkt, fallen einem wahrscheinlich Netflix (WKN:552484), Prime Video von Amazon.com (WKN:906866) und Hulu ein – und das aus gutem Grund. Diese drei Anbieter sind die größten Akteure in den USA und gehören zu den größten weltweit.

In Indien sind sie jedoch nur eingeschränkt als große Anbieter zu verstehen.

Ein lokaler Dienst in Indien verfügt über mehr als 300 Mio. aktive Nutzer pro Monat, doppelt so viele wie 2018. Um das in Relation zu setzen: Das sind etwa 13 % mehr als die 265 Mio. monatlich aktiven Nutzer in Indien, die von YouTube, einer Abteilung von Alphabets Google, gemeldet wurden, und mehr als das Doppelte der weltweiten Abonnentenbasis von Netflix von 149 Mio.

Wenn man außerhalb Indiens lebt, ist es wahrscheinlich, dass man von diesem lokalen Champion nichts weiß. Aber Hotstar ist ein aufsteigender Stern im Streaming – und gehört eigentlich zu Disney (WKN:855686).

Wunschdenken

Mit der kürzlich erfolgten Übernahme der Anteile an Fox Media wurde Disney auch zum stolzen Mutterkonzern des Medienkonzerns Star India, der Hotstar besitzt. Die Reichweite im Heimatland ist umwerfend. Star India verfügt über ein Netzwerk von 61 Kanälen, die in acht verschiedenen Sprachen ausgestrahlt werden, und die Kombination aus Kabel- und Streaming-Diensten erreicht etwa 90 % der Haushalte in Indien.

Auf den ersten Blick sind die Zahlen bei den bezahlten Abonnements von Hotstar nicht so beeindruckend. Aber sie müssen relativiert werden. Der Dienst hat derzeit etwa 3 Mio. zahlende Kunden, was in einem Land mit über 1,3 Mrd. Einwohnern vielleicht nach nicht so viel klingt. Aber es übertrifft die 2,5 Mio. Abonnenten von Amazon und diese Zahl ist mehr als doppelt so hoch wie die 1,2 Mio., die Netflix in Indien abonniert haben. Und während Hotstar nur über eine kleine Premium-Abonnentenbasis verfügt, ist es vor allem ein werbefinanzierter Service.

Hotstars mobiler Einstiegs-Streamingservice bietet eine Bibliothek beliebter lokaler Programme und Filme, die sich über Jahrzehnte erstreckt, aber das ist vielleicht nicht das wichtigste Feature. Der Service bietet auch einen Live-Zugang zum Cricket-Sport – einem kulturellen Phänomen in Indien –, was Hotstar einen Vorteil gegenüber seinen reinen Unterhaltungsrivalen verschafft.

Im Jahr 2017 sicherte sich Star India die Übertragungs- und Streamingrechte für die jährliche Cricketmeisterschaft der Indian Premier League (IPL) für die kommenden fünf Jahre zu einem Preis von 2,5 Mrd. US-Dollar. Diese teure Wette hat sich ausgezahlt. Erst letzten Monat stellte Hotstar einen globalen Rekord für gleichzeitige Live-Zuschauer für einen Streamingservice auf, als 18,6 Mio. Nutzer gleichzeitig das entscheidende IPL-Spiel sahen. Das Turnier zog während der 51-tägigen Saison insgesamt mehr als 300 Mio. Zuschauer an.

Die nächsten 100 Millionen

In einem Interview im vergangenen Jahr wurde Netflix-CEO Reed Hastings befragt, als Netflix die Schwelle von 100 Mio. Abonnenten überschritten hatte. Er sollte dazu Auskunft geben, wo die Zuschauer in Zukunft herkommen würden. Hastings sagte: „Die nächsten 100 Mio. kommen aus Indien.“ Das zeigt, wie wichtig das Land für die großen Streamingdienste ist.

Um konkurrenzfähig zu sein, hat Netflix kürzlich damit begonnen, einen kostengünstigeren, reinen Mobiltarif in Indien für 250 Rupien (3,60 US-Dollar) pro Monat zu testen, aber er ist immer noch teurer als die Angebote seiner Konkurrenten. Hotstar-Abonnements beginnen zu einem monatlichen Preis von 199 Rupien (etwa 2,87 US-Dollar zu aktuellen Wechselkursen), während Amazon 129 Rupien (1,86 US-Dollar) für ein Prime-Abonnement berechnet, das Streamingvideo beinhaltet.

Die verschiedenen Streamingdienste konkurrieren nicht nur über den Preis. Die Spätankömmlinge hatten wenig Einfluss auf die lokalen Inhalte für die indischen Zuschauer. Ende 2018 führte Netflix in Indien eine Reihe von gefeierten Programmen in verschiedenen Genres ein, wie die positiven Bewertungen auf der Review-Sammlungsseite Rotten Tomatoes zeigen:

  • Lust Stories (Kritiker: 100 %, Publikumswert: 66 %)
  • Sacred Games: Staffel 1 (Kritiker: 92 %, Publikumswert: 95 %)
  • Ghoul: Staffel 1 (Kritiker: 86 %, Publikumswert: 7 9%)

Netflix hat weitere sechs Originalserien und 13 Originalfilme für Indien für 2019 gestartet.

Amazon Prime Video ist seinerseits dabei, in diesem Jahr seine vierte indische Originalserie im Land zu veröffentlichen, für 2019 sind insgesamt acht geplant. Das Unternehmen bietet auf seiner Website nun Inhalte in neun Landessprachen an.

Eine große Chance

Mit 1,3 Mrd. potenziellen Zuschauern und einem der am schnellsten wachsenden Internetmärkte weltweit ist Indien einer der am härtesten umkämpften Märkte für Streamingdienste, aber er ist nicht ohne Herausforderungen. Der Streamingmarkt des Landes befindet sich noch in den Kinderschuhen und mit Disneys Besitz von Hotstar – dem lokalen Marktführer – hat das Unternehmen schon einen Fuß im Markt.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Amazon-Tochtergesellschaft, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Suzanne Frey, eine Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

Dieser Artikel wurde von Danny Vena auf Englisch verfasst und am 05.06.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt Aktien von Alphabet (A-Aktien), Alphabet (C-Aktien), Amazon, Netflix und Walt Disney und empfiehlt sie.

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