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Bei Warren Buffett schaue ich mir nur eine Kennzahl ab

Sei ehrlich! Wie oft schaust du dir heimlich das Portfolio von Börsenlegende Warren Buffett an, und denkst: „Ha! Diese Idee kopiere ich mir jetzt einfach!“ Ja, es ist einfach zu verführerisch. Wer hätte den Altmeister nicht gerne als unbezahlten Privatanalysten, der einem die besten Aktienideen frei Haus liefert?

Wer wie Warren Buffett auf eine derart erfolgreiche Investorenkarriere zurückblicken kann, ist automatisch Ziel von „Copy Cats“. Warum auch nicht? Selbst die Weisheiten des „Orakels von Omaha“ sind meiner Meinung nach jederzeit eine Kopie wert.

Ich bin da vergleichsweise genügsam. Denn mich interessiert nur eine bestimmte Kennzahl: Buffetts Cash-Quote.

Cash ist König

Mit „Buffetts Cash-Quote“ meine ich natürlich die Cash-Quote von Berkshire Hathaway (WKN:854075) (WKN:A0YJQ2), dessen Geschäfte Buffett seit den 1960er-Jahren leitet. Die Beteiligungen sind dank Meldepflicht an die US-Börsenaufsicht SEC weitestgehend öffentlich einsehbar. Alles Weitere liefern die Bilanzen.

Aktuell haben die Beteiligungen von Berkshire Hathaway einen Wert von etwa 200 Mrd. US-Dollar (Stand: 31.03.2019). Das ist mehr als die Hälfte des deutschen Bundeshaushalts 2018. Oder fast vier Mal Daimler (WKN:710000) (Stand: 22.05.2019). Wow!

Die Zahl sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Buffett im Moment mit angezogener Handbremse durch den Börsendschungel fährt. Ende 2018 hatte Berkshire Hathaway einen Berg von 112 Mrd. US-Dollar liquiden Mitteln im Geldspeicher. Abzüglich der eisernen Reserve von 20 Mrd. US-Dollar, auf die Warren Buffett angeblich nie verzichten würde, wären also noch knapp 95 Mrd. US-Dollar für Zukäufe übrig. Die Cash-Quote des Altmeisters beträgt derzeit also mehr als 30 %.

Über die Gründe dieser (der absoluten Zahl nach) doch recht hohen Cash-Quote lässt sich nur spekulieren. Hat Buffett tatsächlich jeden Stein umgedreht und findet nichts mehr, was nicht zu teuer ist?

Sicher sagen kann man das nicht. Die Investitionsentscheidungen einer Multimilliarden-US-Dollar-Holding kann man schließlich nicht mit der Depotverwaltung eines Privatinvestors vergleichen.

Ja, der marktbreite US-Index S&P 500 hat sich in den letzten sieben Jahren glatt verdoppelt. Die Zeit der Schnäppchenjäger könnte also vorbei sein. Aber sind jetzt deshalb alle Aktien zu teuer? Die Aktien von Drillisch (WKN:554550), Wirecard (WKN:747206) oder Lufthansa (WKN:823212) – um nur einige zu nennen – haben aus meiner Sicht noch immer enorme Potenziale.

Der Gewinn liegt im Einkauf

Für mich ist die Sache klar: Das „Orakel von Omaha“ lebt und atmet die alte Kaufmannsweisheit „Der Gewinn liegt im Einkauf“. Logisch! Wer günstig einkauft und teuer verkauft, macht Gewinn. Was ist daran neu und weise?

Aber halt! Diese Weisheit hat es in sich. Zunächst muss man verstehen, dass der „Einkauf“ eine Aktivität ist, die man komplett unter Kontrolle hat. Man kann kaufen oder man kann nicht kaufen. Sofern man nicht mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen wird, gibt es keine externen Faktoren, die sich auf diese Aktivität auswirken können.

Auf der anderen Seite der Gleichung – dem Verkauf – sieht die Sache komplett anders aus. Kein Investor der Welt hat die Garantie auf einen bestimmten, möglichst hohen Verkaufspreis. Manchmal wäre es mir durchaus recht, wenn ich die Börse zu höheren Kursen zwingen könnte. Aber die Entwicklungen, die sich dort abspielen, entziehen sich leider völlig meiner Kontrolle.

Manche Investoren werden argumentieren, dass einem die Kontrolle über den Einkauf nicht viel bringt, da man den DAX ja eigentlich immer kaufen kann. Mit den Jahrzehnten wird aus dieser Investition mit hoher Wahrscheinlichkeit ein hübscher Gewinn.

Ja, prinzipiell stimmt das. Wer zum Jahreswechsel 2007 in den DAX-Kursindex (der ohne Dividenden) investierte, kann sich heute über Kurssteigerungen von etwa 18 % freuen. Nicht schlecht! Wer aber zwei Jahre später, zum Jahreswechsel 2009, in den DAX-Kursindex investiert hätte, würde jetzt auf einem Kursgewinn von etwa 120 % sitzen (Stand: 23.05.2019). Ein geschickter Einkäufer kann sich also rein theoretisch um ein Vielfaches vom durchschnittlichen Ertrag der Herde absetzen.

Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, wenn er das nicht wüsste. Aber nur wer genug Cash hat, kann im Ernstfall auch Stückzahlen in signifikanten Größenordnungen einkaufen. Das könnte die nicht gerade schmale Cash-Quote des Altmeisters erklären.

Im Zweifel schaue ich lieber erst, was Buffett macht

Ganz ehrlich: Oft kann ich die Investitionsentscheidungen von Warren Buffett nur schwer nachvollziehen. Klar, eine Amazon (WKN:906866)-Aktie macht sich immer gut im Portfolio. Aber viele andere Positionen sind mir regelrecht ein Rätsel.

Im Gegensatz zu manch anderen Kommentatoren kann ich das Cash-Hamstern bei Berkshire Hathaway aber absolut nachvollziehen. Was sollte Buffett auch kaufen? Die meisten Vermögensklassen, die ich im Auge habe, befinden sich derzeit recht nahe an ihren Allzeithochs. Selbst der Bitcoin ist mir schon wieder davongeeilt.

Andererseits sitzt einem die Inflation im Nacken und knabbert fröhlich an der Kaufkraft des untätigen Bargelds. Wäre es nicht doch besser, gerade jetzt viel mehr zu investieren?

Prinzipiell spricht nichts dagegen. Aber wer die Weisheit „Der Gewinn liegt im Einkauf“ erst einmal tief in sich aufgenommen hat, wird sich mit unreflektierten Spontankäufen wohl kaum mehr zufriedengeben. Wer ist schon scharf darauf, sämtliche Kontrolle an „diesen Markt“ abzugeben. So masochistisch bin ich nicht. Du etwa?

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Berkshire Hathaway (B-Aktien). The Motley Fool empfiehlt Daimler.