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Die Krise kommt ‒ wie schlimm es für die Börsen wird

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Die Konjunkturprognosen zeigen abwärts und die Einschläge kommen immer näher. Länder wie Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Wirtschaftsmotor aktuell noch auf Hochtouren läuft, sind von Problemen umzingelt. Das wird nicht ohne Folgen bleiben. Trotzdem gibt es Hoffnung, dass wir letztlich glimpflich davonkommen. Anleger sollten auf alle Fälle sehr selektiv bei der Aktienauswahl vorgehen.

Probleme in allen Himmelsrichtungen

Manchmal fühle ich mich fast an die Situation von 1914 erinnert, als die Welt in großen Teilen von den Kolonialmächten aufgeteilt und der deutschsprachige Raum von Problemen und Rivalen umzingelt war. Auch damals spielte ein zweischneidiges Verhältnis Deutschlands zu Russland eine entscheidende Rolle, die in der Folge eine tragische Entwicklung nahm. Deshalb heute von einem drohenden Krieg zu reden, wäre sicherlich übertrieben, aber die geopolitischen Herausforderungen sind definitiv enorm.

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Wenn wir nach Osten blicken, dann haben wir zunächst den auf politischer Ebene schwierigen Partner Polen, dahinter das unkooperative Belarus und die teilweise besetzte Ukraine und dann Russland, das trotz seiner vergleichsweise geringen Wirtschaftsmacht seine militärischen und diplomatischen Fähigkeiten effektiv für seine Zwecke einzusetzen weiß. Als Rohstofflieferant hat sich das Land jedoch für Deutschland als Partner bewährt, wobei die USA wiederum die Nord-Stream-2-Pipeline von Gazprom (WKN:903276) zu sabotieren versucht.

Gehen wir nach Südosten, dann treffen wir auf konfliktive Balkanländer und klamme Staaten wie Griechenland. Dahinter taucht der frühere Hoffnungsträger Türkei auf, mit dem es deutlich schwieriger geworden ist, gute Geschäfte zu machen, zumal das Land auch noch ständig im Streit mit den USA liegt. Eine Abwertung der Währung und ein gedämpftes Wachstum sind die Folgen. Geradezu katastrophal ist die Lage bei den weiteren Nachbarländern: Iran wird von den USA drangsaliert, Saudi-Arabien hat sich als Partner ziemlich disqualifiziert und darüber hinaus herrschen so üble Konflikte, dass an Business nicht zu denken ist.

Im Süden haben wir es mit einem Italien zu tun, das sein eigenes Ding macht und einen gefährlichen Staatshaushalt fährt; weiter südlich die nordafrikanischen Länder, die zwar frühere Diktatoren abgeschüttelt haben, aber heute kaum besser dastehen, sich vor allem mit sich selbst beschäftigen und deshalb kaum in der Lage sind, zur Lösung der gigantischen Herausforderungen des Kontinents beizutragen.

Im Westen sind dann noch die wütenden Gelbwestenproteste und auf der anderen Seite des Atlantiks ein US-Regime, das gelegentlich geradezu feindlich agiert. Im Nordwesten schließlich steht uns der BREXIT vor der Tür. Die aktuellen Pleiten von British Steel und der Restaurantkette des beliebten TV-Kochs Jamie Oliver gibt vielleicht einen Vorgeschmack darauf, was die Briten und auch uns dort in den nächsten Monaten erwarten könnte.

Einbußen sind unvermeidlich

Natürlich könnte man sich auf den Standpunkt stellen, dass kaum etwas davon neu sei und die Wirtschaft sich trotzdem bisher ausgezeichnet geschlagen habe. Tatsächlich haben die Unternehmen der deutschsprachigen Länder den geopolitischen Gegenwind insgesamt bisher erstaunlich gut umschifft.

Aber nun kommen auf Betreiben des US-Regimes auch noch verstärkte Sanktionen und Handelsbarrieren hinzu, die voraussichtlich zur Umleitung von globalen Güterströmen führen werden. Das riecht nach gehörigen Reibungsverlusten, unter denen viele Regionen leiden werden. Mit England, Russland, China, dem arabischen Raum und den USA drohen gleich fünf der wichtigsten Absatzmärkte von deutschen Luxusgütern mehr oder weniger einzubrechen.

Der Schaden ist bereits gemacht: während Probleme und Konflikte mit Nachdruck vorangetrieben werden, stehen Reformen still. Briten wie Europäer kennen seit Monaten fast nur noch das Thema BREXIT — und drehen sich dabei im Kreis. Nun stehen wir auch noch vor einer entzweienden Europawahl. In den USA wiederum ist gerade ein weiterer Anlauf zum geplanten Infrastrukturprogramm gescheitert. Das war eines der wenigen Themen, wo ich mir positive Impulse von der neuen Regierung erhofft hatte. Die Effekte der Steuerreform sind hingegen bereits weitgehend verpufft.

Ich traue der hiesigen Wirtschaft eine Menge zu, aber dass sie durch dieses tückische Dickicht weiterhin unbeschadet navigieren kann, daran habe ich große Zweifel. Die hastig zurückgenommenen Wachstumsprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute sprechen eine klare Sprache.

Warum es trotzdem Hoffnung gibt

Auf das eine oder andere Quartal mit rückläufigen Geschäften sollten wir uns also vielleicht einstellen. Unter der Voraussetzung, dass das US-Regime unseren Unternehmen nach der Anti-Huawei-Kampagne nicht komplett verbietet, mit China Geschäfte zu machen (und China andersherum), würde ich trotzdem schätzen, dass bei uns eine einschneidende Krise wie 2008 vermieden werden kann. Dafür sprechen folgende Argumente:

‒ Eine Reihe von Absatzmärkten wie etwa Südamerika, Türkei und Russland sind bereits heute schwach und können daher kaum abrupt einbrechen.
‒ Das länderübergreifende Infrastrukturprogramm der Chinesen und der anhaltende Aufstieg von Indien dürften zunehmend gute Chancen bieten.
‒ Diverse Freihandelsabkommen mit Partnern wie Mexiko und Japan werden weiterhin ihre positive Wirkung entfalten.
‒ Bei einigen investitionsintensiven Themen rund um die Energiewende und Industrie 4.0 gibt es auch unabhängig von der Konjunktur gute Expansionschancen.
‒ Der überragend gute Zugang zu Krediten sollte es erlauben, in einer etwaigen Krise offensiv Marktanteile zu erobern.

Meine Strategie wird es deshalb sein, Rücksetzer an den Börsen konsequent für Nachkäufe zu nutzen. Allerdings würde ich nicht sofort alles Pulver verschießen, sondern meine liquiden Mittel über einen längeren Zeitraum verteilen. Was die Auswahl der Unternehmen angeht, erscheinen mir Luxusgüter und Rohstoffe im Moment als gefährdet. Eher würde ich auf robuste Wachstumsthemen beispielsweise rund um Digitalisierung, Gesundheit und Energie setzen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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