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1 Grund, warum das langsamere Umsatzwachstum von Amazon kein Grund zur Sorge ist

Foto: The Motley Fool

Amazon (WKN:906866) ist gigantisch. Es verzeichnete letztes Jahr Umsätze in Höhe von 233 Milliarden US-Dollar. Und eine Erhöhung des Aktienpreises um nur 5 % würde es in die 1-Billion-Liga befördern.

Und trotzdem ist das Unternehmen in der Lage gewesen, seine Umsatzzahlen in erstaunlichem Maße wachsen zu lassen.

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Wir können Amazon für die neuste Verlangsamung nicht die Schuld geben. Irgendwann schlägt das Gesetz der großen Zahlen zu. Aber es gibt eine Sache, die die meisten Leute nicht erkennen: Die Verlangsamung des Wachstums ist gar nicht so dramatisch oder besorgniserregend, wie die Zahlen es vielleicht andeuten.

Mit dieser Veränderung legt Amazon den Grundstein, der es ihm ermöglicht, in zehn Jahren deutlich profitabler zu sein als heute. Um dies zu veranschaulichen, werde ich eine Analogie verwenden, die jeder versteht: das Schicksal eines extrem erfolgreichen Limonadenstandes.

Was Amazon mit einem Limonadenstand zu tun hat

Die achtjährige Lilly macht in ihrem Vorgarten einen Limonadenstand auf. Sie fängt ganz einfach an. Da sie an einer belebten Durchfahrtsstraße steht, kommen viele Kunden und ihre Limonade ist auch noch gut.

Lilly wird selbstbewusster und erweitert ihren Stand, sodass er die gesamte Breite des Vorgartens einnimmt. Im zweiten Jahr verdoppeln sich Gewinn und Umsatz. Die Leute beginnen, über das junge Mädchen mit dem beliebten Stand zu sprechen.

Im Jahr drei geschieht etwas Wichtiges. Eine Freundin, nennen wir sie Olivia, aus einem anderen Stadtviertel fragt, ob sie etwas in Lillys Stand verkaufen kann. Olivia überlässt Lilly dafür einen Teil ihres Umsatzes.

Das dritte Jahr läuft gut. Die zwei Mädchen verdoppeln ihren Umsatz erneut. Aber Lilly hat eine Erkenntnis. Ihr Limonadenstand ist so beliebt, dass sie noch mehr Geld verdienen könnte, indem sie ihn für andere Freunde öffnet, damit diese genau wie Olivia ihre Limonade verkaufen können.

Lilly stellt die Becher und den Vorgarten zur Verfügung; mehr nicht. Für alles andere müssen die Freunde bezahlen. Und dank ihrer Marktmacht bekommt sie nun einen größeren Anteil an dem Umsatz.

Seltsame Finanzzahlen

Die Eltern sind auf die Vorgänge im Vorgarten aufmerksam geworden und verlangen in paar Finanzzahlen. Sie zeigt ihnen, wie viel Geld sie jedes Jahr eingenommen hat (also ihren Umsatz).

Aber statt großer Freudensprünge scheint es so, als ob das Geschäft schlecht läuft. Seit dem zweiten Jahr ist der Umsatz gefallen.

DIAGRAMM VOM AUTOR.

 

Allerdings ist das nicht die gesamte Geschichte. Im dritten Jahr hat Lilly kaum noch ihre eigene Limonade verkauft. Stattdessen hat sie sich darauf konzentriert, ihren Vorgarten an andere zu vermieten.

Viel Geld hat dort den Besitzer gewechselt. In ihrer Buchhaltung ist dies als Gross Merchandise Value (GMV) angegeben. Aber das Geld floss von den Kunden zu den Freunden von Lilly, ohne dass Lilly daran beteiligt war. Sie verlangte nur ihren Anteil.

Klar, der Betrag, den sie einnahm, war geringer, aber außer den Bechern hatte sie keine Kosten! Als sie ihren Gewinn vorlegte, bekamen ihre Eltern einen viel besseren Einblick in das Geschehen.

DIAGRAMM VOM AUTOR

 

Echte Zahlen

Natürlich ist das eine starke Vereinfachung im Vergleich zu Amazon. Aber für den Anfang ist es für Investoren eine gute Analogie, um zu verstehen, was bei Amazon passiert.

Amazon hat Jahrzehnte damit verbracht, die Infrastruktur für seinen „Jedermanns-Laden“ aufzubauen. Hier soll ein einziger Marktplatz im Internet entstehen, wo man alles kaufen kann. Diese Investitionen umfassen Software für die Website und ein wachsendes Netzwerk an Warenlagern für die Lieferung in ein oder zwei Tagen.

Amazon.com ist laut Amazon die am vierthäufigsten besuchte Webseite in den USA. Und die Fähigkeit des Unternehmens, in seinen Warenlagern Pakete zu packen und zu versenden, macht die Prozesse sehr effizient.

Diese Beliebtheit und die Bequemlichkeit (wie Lillys Stand) macht es zu einem wertvollen Ort für Unternehmen, ihre Waren anzubieten. Unternehmen, die ihre Waren auf Amazon verkaufen, heißen Drittanbieter. Sie bezahlen Amazon dafür, dass es ihre Waren listet, lagert und ausliefert.

Wie beliebt ist diese Option? Wir benutzen eine vereinfachte Version der Daten, die der Gründer und CEO Jeff Bezos in seinem letzten Jahresbrief bereitgestellt hat. Sie zeigen das Wachstum der Umsätze von Drittanbietern im Vergleich zum Wachstum der Umsätze von Amazon:

DATENQUELLE. AMAZON 2019 AKTIONÄRSBRIEF. DIAGRAMM VOM AUTOR. NUR ANFANGS- UND ENDPUNKTE SIND EXAKT. ANDERE ZAHLEN WURDEN GEOMETRISCH INTERPOLIERT.

 

Dieser Trend wird sich noch beschleunigen, wenn Amazon Drittanbieter zwingt, mehr Waren im Bündel zu verkaufen. Damit verbessern sich die Margen von Amazon. Indem Amazon die Mindestpaketgröße anhebt, erhöht es den Umsatz und damit den Anteil, den Amazon davon bekommt.

Aus einem Artikel im März aus dem Internet Retailer geht hervor, dass einige Erstanbieter, also jene Unternehmen, die Produkte mit Amazon-Logo herstellen, zu Drittanbietern auf dem Marktplatz werden sollen.

Der Gesamtüberblick

Leider haben wir nicht alle Zahlen von Amazon, um zu wissen, was alle Einflussfaktoren sind. Hier ist, was wir wissen und was nicht:

  • Im ersten Quartal 2019 sind die Umsatzzahlen in Nordamerika um 17 % gestiegen. Das ist eine dramatische Verlangsamung gegenüber dem Wachstum von 43 % im Jahr davor. Aber dies umfasst auch eine Mischung aus Erstanbieter- Drittanbieter-, Werbe- und sonstigen Umsätzen. Und wir wissen nicht, wie die Zusammensetzung aussieht.
  • Im ersten Quartal stiegen die Umsätze aus dem Onlinegeschäft um 12 %, aber diese Zahl umfasst Umsätze aus Nordamerika und dem Rest der Welt. Letztes Jahr stieg dieser Umsatzbereich um 13 %.
  • Die Umsätze von Drittanbieterdiensten wuchsen um 23 %. Aber dies umfasst nur Gebühren, die Amazon einnimmt (also das, was Lilly im vierten Jahr einnimmt). Das sagt nicht, wie viele Waren durch Drittanbieter (GVM) verkauft wurden. Und da die Drittanbieter mehr als die Hälfte von Amazons Umsätzen ausmachen, ist dies eine große Unbekannte in unserem Puzzle. Historisch behält Amazon solche Informationen für sich.
  • Der freie Cashflow (FCF) wuchs um 215 % auf 23 Milliarden US-Dollar. Dieser gibt den gesamten Geldbetrag wieder, den Amazon im normalen Geschäft erwirtschaftet, abzüglich der Investitionen. Die meisten Unternehmen wären froh, wenn ihr FCF innerhalb von fünf Jahren so stark wächst – ganz zu schweigen von einem Jahr.

Wenn du eine Kurzfassung haben willst, wie wäre es damit:

Seit 25 Jahren sagt Amazon, dass es seinen langfristigen freien Cashflow optimiert, aber es gab so viel Geld aus, um Marktanteile zu gewinnen, dass dieser eher bescheiden war.

Vielleicht hat Amazon gerade den Schalter umgelegt. Es macht nun Gebrauch von seiner mächtigen Stellung beim Webseitentraffic und seinem Warenzentrumsnetzwerk. Dies heißt nicht, dass das Umsatzwachstum völlig zum Erliegen kommt, aber es wird bestimmt weniger schnell.

Investoren sollten Ihre Erwartungen anpassen. Mach dir weniger Sorgen um das Umsatzwachstum, wenn die Margen des freien Cashflows steigen. Im Moment passiert genau das.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Amazon-Tochter, ist Mitglied im Vorstand von The Motley Fool.  Brian Stoffel hält Aktien von Amazon. The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Amazon.

Dieser Artikel wurde von Brian Stoffel auf Englisch verfasst und am 01.05.2018 auf fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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