The Motley Fool

Der gefährlichste Börsenratschlag, den man trotzdem ständig bekommt

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Irgendwo fehlt ja immer irgendetwas. An „schlauen“ Börsenratschlägen dürfte es allerdings noch nie gemangelt haben.

Die meisten Ratschläge, die ich im Laufe meiner Anlegerkarriere gehört habe, sind direkt in den Giftschrank gewandert. Zu meinem Glück bin ich recht früh auf die Weisheiten des allseits verehrten Warren Buffett gestoßen. Das dürfte die eine oder andere Katastrophe in meinem Depot verhindert haben.

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Aber den gefährlichste Börsenratschlag, den ich bisher gehört habe, gebe ich selbst in aller Regelmäßigkeit zum Besten. Dieser Ratschlag ist im Kern nicht falsch. Ganz im Gegenteil! Nein, er ist einfach nur brandgefährlich.

Na, hast du schon erraten, worum es sich dabei handelt? Nein, es hat nichts mit Bitcoin zu tun. Eher damit, dass man den DAX aus meiner Sicht eigentlich zu jedem Zeitpunkt kaufen kann.

Mit dem Markt plant man nicht

Warum gebe ich Ratschläge, die ich selbst für brandgefährlich halte? Eins nach dem anderen!

Zunächst einmal handelt es sich bei dem Ratschlag „Kaufe immer und jederzeit den DAX“ um eine gefürchtete Alltagswaffe, die ich gerne gegen Aktienkritiker aller Art zu Felde führe. Denn den abgenutzten Schlachtruf „Vergiss Aktien. Alles Betrug!“ kontere ich regelmäßig mit der trivialen Feststellung, dass sich die durchschnittliche Jahresrendite des DAX seit 1980 auf etwa 8 % eingependelt hat (Stand: 14.05.2019).

Meistens ist das schon mehr als genug, um die gegnerische Defensive vollständig zum Einsturz zu bringen. Viele Menschen mögen sich beim Thema „Finanzen“ eher ungeschickt verhalten – trotzdem habe ich eigentlich immer das Gefühl, dass diese simple Feststellung praktisch jedes Gehirn sofort in allerhöchste Jagdbereitschaft versetzt.

8 % Rendite pro Jahr? Seit beinahe 40 Jahren? Jeder dürfte instinktiv spüren: Langfristig wird daraus schnell ein sensationelles Vermögen, das mal eben so den vorzeitigen Ruhestand besiegeln könnte.

Aber genau das ist auch die Gefahr. Denn die 8 % sind eben nur die durchschnittliche Jahresrendite. Das schließt die 60 % Minus aus dem Jahr 2002 ebenso mit ein wie die 150 % Plus der letzten zehn Jahre (Stand: 14.05.2019).

Somit sind die 8 % einerseits korrekt und andererseits auch nicht. Fest steht, dass man diese Rendite eben nicht jedes Jahr fest mit einplanen kann. Wer das versucht, dürfte wohl schnell massiv enttäuscht werden. Es wäre nicht das erst Mal, dass sich ein solches Erlebnis in einem teuren Kurzschluss entlädt, der noch Jahrzehnte später bereut wird.

Der Dualität der Börse gehe ich nicht mehr auf den Leim

Klar, ich verstehe! Für Investoren, die sich zum Allzeithoch 2018 eine Portion DAX ins Depot gelegt haben und nun auf einem Minus von 13 % sitzen, ist die Information, dass für den DAX eine durchschnittliche Jahresrendite von 8 % gemessen wurde, kein Trost. Das ändert aber nichts daran, dass diese Information objektiv korrekt ist.

Die Dualität ist offensichtlich: Mit dem DAX kann man spielend leicht Geld verdienen. Gleichzeitig ist es knüppelhart. Beides ist wahr.

Mit derart mehrdeutigen Informationen musste sich schon König Krösus im Jahr 546 v. Chr. herumschlagen. Vor einem Feldzug wollte der sich nur eben schnell beim Orakel von Delphi über seine Siegeschancen erkundigen. Die Vorhersage, dass er ein großes Reich zerstören wird, bezog sich leider nicht auf das Perserreich, gegen das er zu Felde zog, sondern auf sein eigenes. So oder so: Das Orakel hatte recht!

Es dürften genug katastrophal falsche und gefährliche Börsenratschläge im Umlauf sein. Zum Glück sind die meisten recht schnell enttarnt. Die aus meiner Sicht gefährlichsten sind allerdings diejenigen, die einen zartschmelzenden Kern aus verführerischer Wahrheit besitzen.

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