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Bayers Monsanto-Desaster könnte die Nachfrage nach landwirtschaftlicher Präzisionstechnik explodieren lassen

Die mutmaßliche Korruptheit des amerikanischen Justizsystems könnte eine unvorhergesehene Folge haben: eine Revolution in der Landwirtschaft weg vom flächendeckenden Giftspritzen hin zu schonenden und intelligenten Methoden. Technologielieferanten, die hier passende Lösungen liefern können, stehen vor einem Milliardenmarkt, von dem entsprechende AgriTech-Aktien profitieren sollten.

Darum geht’s

Wer in Ländern wie Saudi-Arabien, Bangladesch oder den USA investiert, deren Gesetze drakonische Strafen erlauben, der sollte sich eigentlich der Gefahr bewusst sein. Bayer (WKN:BAY001) hat trotzdem unvorsichtig die unglaubliche Summe von 62,5 Mrd. US-Dollar aufgebracht, um sich den Problemkonzern Monsanto einzuverleiben. Kaum war der Deal durch, machten sich zahlreiche amerikanische Kläger wie Hyänen über den deutschen Konzern her und die Gerichte rufen bereitwillig Fantasiestrafen auf.

Zuletzt hieß es, Bayer müsse rund 2,5 Mrd. (!) US-Dollar Entschädigung an ein an Krebs erkranktes Paar bezahlen, weil nicht ausreichend vor den Gefahren des Wunderherbizids Roundup gewarnt worden sei. Wenn jeder, der etwas entfernt Krebserzeugendes in Vertrieb bringt, zu solchen Strafen verurteilt werden könnte, dann gäbe es bald keine Unternehmen mehr, wenn ich daran denke, dass Pommes, Heißgetränke, Fahrzeugabgase, Laserdrucker, Lacke, Wein und alles Mögliche unter bestimmten Bedingungen krankmachen können.

Aber die Verantwortlichen bei Bayer hätten es besser wissen können, bevor sie die Milliarden zum Fenster rausgeworfen haben. Zwar wehrt sich die in die Defensive gedrängte juristische Abteilung des Konzerns gegen die als ungerecht wahrgenommenen Urteile so gut es eben geht, aber der Effekt dürfte so oder so nachhaltig sein. Farmer suchen im Internet intensiv nach Alternativen zu Roundup, dem Stoff, an den sie sich über die Jahre so sehr gewöhnt haben.

Mögliche Alternativen

In entsprechenden Foren werden zwar biologische und chemische Alternativen zur Unkrautbekämpfung diskutiert, aber sie alle haben wohl auch Nachteile, die ihren Einsatz weniger effektiv und wirtschaftlich machen. Zudem besteht natürlich auch bei ihnen die Gefahr, dass sie irgendwann als gesundheitsschädlich klassifiziert werden.

Auf der sicheren Seite wäre man hingegen mit mechanischen Methoden. Kleinbauern setzen seit eh und je auf das klassische Unkrautjäten. Unerwünschte Pflänzchen werden dann einfach einzeln komplett mit Wurzel herausgezupft. Aber was, wenn der Bauer über Hunderte Hektar verfügt? Automatisierungstechnik könnte dann eine Lösung darstellen. Vor der Saat ist das noch relativ einfach, weil einfach alles, was wächst, irgendwie zerhackt oder ausgerissen werden kann.

Sobald die Saat jedoch aufgeht, wird ein Mechanismus gebraucht, der Gutes von Schlechtem unterscheiden kann. Zudem ist dann die Frage, wie erkanntes Unkraut unschädlich gemacht wird. Zur Auswahl stehen unter anderem Greifer, die das Jäten nachahmen, und Lasersysteme. Daneben ist auch das gezielte Bespritzen einzelner Pflanzen mit Gift möglich.

All das wird unter dem Begriff „Präzisionslandwirtschaft“ gefasst, ein Markt, in dem bereits heute Milliarden weltweit umgesetzt werden. Für die Zukunft wird mit jährlichen Wachstumsraten von 10 bis 20 % gerechnet. Das Teilsegment „Unkrautbekämpfung“ könnte daran einen wachsenden Anteil haben.

Wo Anlagechancen zu finden sind

Interessanterweise forscht Bayer seit einiger Zeit selbst an einer Lösung. Gemeinsam mit Bosch wurde die sogenannte Smart-Spraying-Technologie entwickelt, die zum einen den korrekten Einsatz des Giftes sicherstellt und zum anderen den Verbrauch reduziert. Das mit einem ähnlichen Ansatz konkurrierende Start-up Blue River Technology behauptet, 90 % einsparen zu können. Seit 2017 gehört das Unternehmen zum führenden AgriTech-Konzern John Deere (WKN:850866).

Case IH, eine Marke des Rivalen CNH Industrial (WKN:A1W599), verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Sie hat eine Technologie der deutschen Zasso Group zur Marktreife geführt, die in Brasilien bereits erfolgreich in gewissen Nischen eingesetzt wurde. Über Elektroschocks wird dort das Unkraut systematisch zerstört und wächst dann auch wochenlang nicht mehr nach.

In der Schweiz wiederum wurde bei EcoRobotix ein Unkrautroboter entwickelt, der solarbetrieben und mit Navigationstechnik ausgestattet durch die Felder fährt und dabei Unerwünschtes gezielt mit Herbiziden unschädlich macht. Auch hier wird ein Einsparpotenzial von 90 % genannt. Im Mai hat der Wagniskapitalarm der BASF (WKN:BASF11) eine Finanzierungsrunde über 10,6 Mio. Schweizer Franken angeführt. Der Marktstart der preisgekrönten Innovation steht nun wohl unmittelbar bevor. Gleichzeitig berichtet die österreichische Konkurrenz von Peschak Autonome Systeme, die statt Gift auf Lasertechnik setzt, von großem Interesse an ihrer vollautonomen Maschine.

Natürlich sind für Anleger nicht nur komplette Lösungen interessant, sondern auch Lieferanten von entscheidenden Komponenten, die im besten Fall bei diversen Kunden zum Einsatz kommen. Ich denke dabei etwa an Technik zur maschinellen Bildverarbeitung, die in der Landwirtschaft vielfältige Einsatzfelder findet. Basler (WKN:510200) hat hier zum Beispiel Lösungen in petto. Ein anderes entscheidendes Bauteil ist der Empfänger von Satellitenpositionssignalen (GNSS). U-Blox (WKN:A0M2K9) aus der Schweiz ist dort ein führender Anbieter.

Es könnte sich lohnen, diesen Markt zu beobachten

Zugegebenermaßen sind die hier aufgeführten Investitionsgelegenheiten nicht besonders zielgenau. In diesem Markt tummeln sich viele Start-ups und mittelständische Unternehmen, in die wir in der Regel nicht investieren können. Allerdings können wir das Monsanto-Desaster zum Anlass nehmen, das große Thema „Präzisionslandwirtschaft“ genauer unter die Lupe zu nehmen, um diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die am besten positioniert sind.

Beispielsweise wurde John Deere gerade wegen des Handelskriegs abgestraft. Langfristig dürfte der Konzern jedoch stark von der zunehmenden Automatisierung der Landwirtschaft profitieren. Noch interessanter finde ich allerdings Hersteller von Hightechkomponenten, die ihr Engagement in diesem Sektor erhöhen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien.

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