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Henkel: Ein perfektes Dividenden-Langzeit-Investment – warum ich die Aktie aber dennoch nicht kaufe

Der Name des Klebstoff- und Konsumgüterherstellers Henkel (WKN:604840) mag vielen Fools wie Musik in den Ohren klingen. Langfristige Anleger konnten mit dieser Aktie gute Gewinne machen, hätten sie vor zehn Jahren in das Unternehmen Henkel investiert.

Der Aktienkurs stieg über einen Zehnjahreszeitraum von 19,92 Euro auf zuletzt 82,65 Euro (Xetra-Schlusskurse vom 07.05.2009 und 07.05.2019) – was einem sensationellen Zuwachs von 315 % entsprach.

Zusätzlich gab es üppige Dividenden, die auch noch stetig – also ohne Unterbrechungen – erhöht wurden. Wurde im Geschäftsjahr 2009 noch eine Dividende von 0,51 Euro je Stammaktie ausgezahlt, so stieg dieser Wert auf 1,83 Euro für das Geschäftsjahr 2018.

Es kommt noch besser: Die Strategie 2020+ verspricht weiteres Wachstum. Man plant ein durchschnittliches organisches Umsatzwachstum von 2 bis 4 %. Weiter soll das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich steigen (auf Basis konstanter Wechselkurse).

Auch Dividendeninvestoren sollen von der guten Unternehmenslage weiter profitieren – sollte sie denn eintreten. Geplant ist, den Zielkorridor für die Ausschüttungsquote des um Sondereinflüsse bereinigten Jahresüberschusses nach nicht beherrschenden Anteilen ab dem Geschäftsjahr 2019 auf 30 bis 40 % zu erhöhen. Bisher lag dieser Wert bei 25 bis 35 %.

Trotz eines geplanten leicht rückläufigen bereinigten Ergebnisses je Vorzugsaktie für das Jahr 2019 bei konstanten Wechselkursen könnten Investoren damit auf einen weiteren Anstieg der Dividende hoffen.

Jetzt ein Kaufsignal?

So weit, so gut. Lasst uns einmal weiter überlegen, ob sich hier ein Einstieg wirklich lohnen kann. Hierzu werden wir einige wichtige Bewertungskennzahlen des Unternehmens mal unter die Lupe nehmen und mit denen der Wettbewerber vergleichen.

Das Unternehmen Henkel ist maßgeblich in den drei Geschäftsfeldern Adhesive Technologies (47 % Umsatzanteil 2018), Laundry & Homecare (32 % Umsatzanteil 2018) sowie Beauty Care (20 % Umsatzanteil 2018) tätig.

Damit ist Henkel kein klassisches Konsumgüterunternehmen mehr, sondern eine Mischung aus Konsumgüterhersteller und Industrieunternehmen. Der Adhesive-Bereich ist der größte Umsatzbringer des Konzerns und sorgt auch dafür, dass das Investmentprofil der Aktie deutlich zyklischer ist als bei reinen Konsumgüteraktien.

Ich vergleiche daher einmal die Henkel-Aktie mit den Wettbewerbern der drei Geschäftsbereiche separat, um bessere Schlussfolgerungen zu bekommen.

Bewertungen

Adhesive Technologies Henkel 3M Sika AG RPM International H.B. Fuller Durchschnitt Abweichung zur Henkel-Aktie
Price/Earnings 14,6 19,4 32,2 37,4 18,9 24,5 -40,4 %
Forward Price/Earnings 14,7 18,9 22,9 18 14,8 17,9 -17,7 %
Dividend Yield % 2,3 3,0 1,3 2,3 1,3 2,0 12,7 %
PEG Ratio 5,6 4,5 1,4 1,2 3,2 76,4 %
Quelle: Morningstar.com; eigene Auswahl und eigene Berechnungen; alle Werte wurden am 07.05.2019 nach Börsenschluss ermittelt

 

Beauty Care Henkel Colgate-Palmolive L’Oreal Coty Kao Beiersdorf Durchschnitt Abweichung zur Henkel-Aktie
Price/Earnings 14,6 26,8 35 27,5 29,2 26,6 -45,2 %
Forward Price/Earnings 14,7 25,2 31,3 15,9 26 28,1 23,5 -37,5 %
Dividend Yield % 2,3 2,4 1,6 4,1 0,8 2,2 2,7  %
PEG Ratio 5,6 4,7 4,5 1,7 5,3 3,6 4,2 32,3 %
Quelle: Morningstar.com; eigene Auswahl und eigene Berechnungen; alle Werte wurden am 07.05.2019 nach Börsenschluss ermittelt

 

Laundy & Home Care Henkel Procter Gamble Unilever Reckitt Benckiser Durchschnitt Abweichung zur Henkel-Aktie
Price/Earnings 14,6 25,1 15,5 19,8 18,8 -22,1 %
Forward Price/Earnings 14,7 22,4 20,5 17,6 18,8 -21,8 %
Dividend Yield % 2,3 2,7 3,0 2,8 2,7 -14,8 %
PEG Ratio 5,6 3,1 2,4 3,7 51,4 %
Quelle: Morningstar.com; eigene Auswahl und eigene Berechnungen; alle Werte wurden am 07.05.2019 nach Börsenschluss ermittelt

Auffallend in der separaten Bewertungsbetrachtung ist, dass die Wettbewerber der Adhesive-Sparte günstiger am Markt bewertet sind als die der beiden anderen Sparten. Der Grund könnte hier in der Abhängigkeit zur Industrie liegen, die wiederum zyklischer Natur ist.

Weiter fällt auf, dass die Henkel-Aktie einen deutlichen Bewertungsabschlag zu den Wettbewerbern bei vielen Bewertungskennziffern aufweist. Ein möglicher Grund könnte hier wiederum im Wachstum liegen.

Werfen wir mal einen Blick auf eine Kennzahl, die das Wachstum in Relation zur Bewertung setzt, dem PEG-Ratio (Price-Earnings-to-Growth). Hier fällt nämlich auf, dass der PEG-Wert der Henkel-Aktie deutlich höher ist als bei den Wettbewerbern.

Fazit

Was soll ich sagen, die Henkel-Aktie ist vielen Fools als ein „Kaufen-und-halten-Investment“ im Hinterkopf – das ist auch nach wie vor so, nur verpassen ein schwaches Wachstum und das zyklische Geschäft mit den Klebstoffen der Aktie einen kleinen Beigeschmack.

Ein Vergleich der Bewertungen von entsprechenden Unternehmen zeigt, dass die Henkel-Aktie günstiger gehandelt wird. Setzt man die Bewertung aber in Relation zum Wachstum, so offenbart sich eine andere Sicht.

Für mich wären daher die weniger zyklischen Wettbewerber des „Laundy & Homecare“-Geschäftsbereiches die aktuell bessere Wahl für ein Investment. Hier kann man vorab auch schon mal eine höhere Dividendenrendite einstreichen.

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Frank Seehawer besitzt Aktien von Procter&Gamble, Unilever, 3M, Reckitt Benckiser, L'Oreal und Colgate-Palmolive. Diese Aktien sind auch Bestandteil von Indexzertifikaten, die von Frank Seehawer betreut werden.

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