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5G-Auktion ohne Ende: Reine Verzögerungstaktik von Telekom, Vodafone und O2?

Runde 300 ist erreicht und der Auktionsverlauf wirft Fragen auf. „Streiten“ sich die Deutsche Telekom (WKN:555750), Vodafone (WKN:A1XD9Z) und Telefonica Deutschland (WKN:A1J5RX) hier wirklich seit einer gefühlten Ewigkeit um einen einzigen Block? Die Runden verlaufen weiterhin im ermüdenden Stundentakt und jedes Mal erhöht sich das Gesamtgebot um das Minimum von etwa 2,2 Mio. Euro. Der Spieltheoretiker Prof. Vitali Gretschko erkennt darin einen „Abnutzungskampf“. Ich glaube hingegen so langsam an knallhartes Kalkül.

Das ist die Lage

Seit Runde 227, als 1&1 Drillisch (WKN:554550) als Reaktion auf eine Verdrängungsattacke des O2-Konzerns seine sechs Gebote im Frequenzbereich 3,6 Megahertz gleich um jeweils 22 Mio. Euro erhöhte, herrscht totale Langeweile. Von damals 5,52 Mrd. Euro stieg der Gesamterlös über die folgenden Tage bis Runde 300 gerade mal auf 5,68 Mrd. Euro. Dafür müssen die vier Teams der Bieter sowie der Auktionator mit seinen Leuten jeden Tag acht Stunden Präsenz zeigen.

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Das heißt, dass täglich ringsum achtmal ein Frequenzblock den Besitzer wechselt. Beteiligt daran sind die drei Mobilfunknetzbetreiber, während das Drillisch-Team vermutlich kopfschüttelnd dem grotesken Schauspiel zuschaut.

Interpretationsmöglichkeiten

Es kann natürlich sein, dass Vitali Gretschko recht hat. Die drei haben ihre Ansprüche zementiert und wollen auf keinen Fall nachgeben. Vielleicht können sie das auch gar nicht, falls sie im Vorfeld der Versteigerung eine Mindestausstattung fixiert haben. Vodafone möchte vermutlich auf keinen Fall weniger Frequenz-Bandbreite abbekommen als der Magenta-Konzern. Zwar halten die Briten einen Block weniger, aber dafür ist der doppelt so große 20-Megahertz-Randblock dabei.

Telefonica wiederum geht es möglicherweise darum, auf jeden Fall besser als der Neueinsteiger Drillisch ausgestattet zu werden. Unter diesen Bedingungen fehlt einfach ein Block, um den Knoten zu lösen. Klar ist auch, dass jetzt nachzugeben wenig befriedigend wäre, weil man das gleiche Ergebnis bereits vor langer Zeit günstiger hätte haben können.

Eine zweite Interpretationsmöglichkeit hatte ich vor ein paar Tagen präsentiert: Telekom und Vodafone könnten darauf aus sein, einen der beiden anderen doch noch einmal komplett anzugreifen. Dafür brauchen sie 20 Bietrechte, die sie nur behalten, wenn sie in 13 Blöcken Aktivität zeigen. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass der hoch verschuldete spanische Mutterkonzern gerade seine Rechenzentren für 550 Mio. Euro verkauft, um etwas Liquidität zu gewinnen. Das stärkt meinen Eindruck, dass ein Angriff durchaus Erfolgsaussichten haben könnte.

Ein möglicher dritter Grund

Ganz anders gelagert ist hingegen meine dritte Idee: Vodafone, Telekom und Telefonica haben sich recht bequem in einem Oligopolmarkt eingenistet. Die Investitionen in die 4G-Netze sind zurückgegangen und dürften aktuell für hohe Geldzuflüsse sorgen. Der O2-Konzern hat 2018 immerhin 1,8 Mrd. Euro vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern in Deutschland verdient. Da könnte es sich lohnen, die vorhandenen 3G- und 4G-Netze noch etwas länger schuften zu lassen, anstatt sie vorzeitig durch 5G zu ersetzen und dann auch noch einen vierten Wettbewerber mitmischen zu lassen.

In den Nachbarländern Österreich und Schweiz kann man aktuell beobachten, wie sich die Mobilfunkbetreiber gegenseitig versuchen zu überbieten. Das ist gut für das Image, kostet aber auch eine Menge Geld. Zudem würde ich mal davon ausgehen, dass die 5G-Technik über die kommenden Jahre deutlich billiger wird, wenn die dafür notwendigen Komponenten in der zweiten Generation auf den Markt kommen und in größeren Stückzahlen gefertigt werden.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Verschwörungstheorien und wissenschaftlichen Bedenken gegenüber der 5G-Strahlung. Zum Beispiel in Basel hat sich massiver Widerstand gegen den Netzausbau gebildet. Auch deshalb könnte es sich lohnen, auf eine Verzögerungstaktik zu setzen, bis gesundheitliche Fragen für alle verständlich geklärt sind.

Wie es weitergehen könnte

Nach Auskunft eines Sprechers der Bundesnetzagentur liegt der Verlauf der Auktion in den Händen der bietenden Unternehmen. Der Auktionator wird demzufolge nicht von sich aus die ihm zur Verfügung stehenden Werkzeuge zur Beschleunigung des Prozesses einsetzen, darunter die schrittweise Beschränkung der Bietrechte und die Erhöhung der Taktzeit.

Folglich kann es noch sehr lange so weitergehen wie in den letzten Tagen. Allein schon bis die Gebote der anderen im Bereich der 3,6-Megahertz-Blöcke das erhöhte Level von Drillisch erreichen, sind beim derzeitigen Rhythmus etwa 125 Runden erforderlich und damit rund drei Wochen. Der Spaß kostet jeden der vier Bieter im Schnitt 4,5 Mio. Euro pro Tag und 22,5 Mio. Euro pro Woche (und feiertagsbereinigt etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr), was deutlich unter den operativen Gewinnen liegt.

Wenn man dann noch bedenkt, dass die späteren Abschreibungen auf die Frequenzinvestitionen gewinnmindernd wirken und somit Steuern sparen, könnte das Spielchen mit spitzem Bleistift gerechnet Sinn ergeben. Wie auch immer: Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass es bei dieser Auktion nur noch um einen einzigen Block geht. Einerseits könnten jederzeit neue Gefechte aufflammen und andererseits wäre denkbar, dass die drei Mobilfunkbetreiber einen Weg gefunden haben, um Drillisch möglichst lange aus ihrem Oligopol herauszuhalten – selbst wenn das bedeuten würde, dass Deutschland erst viel später als andere Länder 5G-Netze bekommt.

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