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Das Duell ABB gegen Siemens geht in eine neue Runde

Im Geschäft rund um Kraftwerke, Antriebe und Stromnetze treiben sich ABB (WKN:919730) und Siemens (WKN:723610) nun bereits seit über 100 Jahren zu Höchstleistungen. Der Abgang von Ulrich Spiesshofer kurz nach einem neuerlichen Strategieschwenk läutet eine neue Runde ein. ABB wird nun möglicherweise vor allem im Digitalbereich ein aggressiveres Vorgehen wählen. Aber ist das genug, damit Siemens-Aktionäre sich Sorgen machen müssten? Eher nicht.

Turbulenzen bei ABB

Automatisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung: Das sind die drei magischen Worte, die ABB und Siemens verbinden. In meinen früheren Analysen der beiden hatte ich immer den Eindruck, dass ABB bei den ersten beiden Punkten bereits dort angekommen ist, wo Siemens mit seinem breiteren Produktspektrum erst noch hinwill. Ulrich Spiesshofer hat dem früheren Gemischtwarenladen aus meiner Sicht eine plausible Form gegeben:

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ABB konnte erstens aus einer Hand praktisch sämtliche Technik liefern, um Strom vom Kraftwerk zur Steckdose zu leiten, und zweitens entlang globaler Wertschöpfungsketten maßgeschneiderte Automatisierungstechnik liefern. Mit komplementären Zukäufen wie GE Industrial Solutions und der österreichischen B&R wurde das Kerngeschäft weiter gestärkt, während Randbereiche verkauft wurden. Es wirkte auf mich, als ob ABB nach langwierigen Umstrukturierungsprozessen endlich bereit für eine längere Wachstumsphase wäre, getrieben von Themen wie Energiewende, Industrie 4.0 und Elektromobilität.

Seit Dezember 2018 sind jedoch einige überraschende Dinge passiert: Zuerst wurde bekannt gegeben, dass das Stromnetzgeschäft gegen frühere Widerstände doch abgestoßen wird. Gleichzeitig soll mit großem Umbauaufwand eine neue, schlankere Managementstruktur entstehen. Dann hieß es im Februar, dass ABB und Dassault Systèmes (WKN:901295) eine strategische Partnerschaft eingehen wollen, um eine starke Einheit im Bereich der Industriesoftware zu bilden.

Noch mal zwei Monate später gab Ulrich Spiesshofer seinen Rücktritt bekannt. Da wurde also von den Verantwortlichen über Monate jede Menge Staub aufgewirbelt und jetzt steht der Konzern ohne Boss da, der den Plan verinnerlicht hat und für seine erfolgreiche Umsetzung sorgen kann. Verwaltungsratspräsident Peter Voser, der zunächst das Ruder übernommen hat, wird bestimmt keine tief greifenden eigenen Impulse setzen. Vielmehr soll nun ein erfahrener Manager mit Digital-Know-how gefunden werden, der eine strategische Weiterentwicklung über die kommenden fünf Jahre implementieren kann.

Was davon zu halten ist

So wie sich das für mich darstellt, war Ulrich Spiesshofer überaus zufrieden mit dem, was er aus der früher schwerfälligen ABB gemacht hat. Über die Integration der Zukäufe und kontinuierliche Investitionen in das Digitalportfolio wollte er den Konzern an der Spitze halten. Den Großaktionären und vielleicht auch einigen Verwaltungsräten war das aber nicht genug. Möglicherweise beeindruckt von den mutigen Schritten der Digitalsparte von Siemens, die mit ihrer umfassenden Mindsphere-Kampagne große Wellen schlägt, forderten sie wohl auch von ABB ein entschiedeneres Vorgehen.

Aber das ständige Herumkritisieren und Einfordern von weiteren strategischen Schritten stellten auch eine Art Misstrauensvotum dar, das demotivierend wirken kann. Statt durchstarten zu können, hätte sich Ulrich Spiesshofer nun erneut über Jahre mit Kooperationsverhandlungen und dem Umbau der Organisation herumschlagen müssen.

Deutlich wird aus all dem jedoch, dass Siemens zumindest im Digitalbereich bereits dort ist, wo ABB erst noch hinkommen möchte. Schließlich ist Dassault Systèmes der ärgste Konkurrent von Siemens, wenn es um Engineering-Software geht.

Womit jetzt zu rechnen ist

Das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ geht davon aus, dass ein externer Manager geholt wird. Börje Ekholm, der seit 2017 erfolgreich Ericsson (WKN:850001) führt, könnte demzufolge ein guter Kandidat sein, ein Mann, der etwas von großen Geschäften versteht und sicherlich auch gutes Verständnis für die industrielle Vernetzung mitbringt. Vorstellbar wäre auch die Abwerbung des Vorstands eines IT-Konzerns wie etwa T-Systems oder SAP (WKN:716460). Bei den Walldorfern sind kürzlich Bernd Leukert und Robert Enslin ebenso überraschend gegangen wie Ulrich Spiesshofer bei ABB.

Meine Erwartung ist, dass der neue Chef die Anstrengungen verdoppeln wird, um mit Partner Dassault Systèmes eine Plattform zu schaffen, die es mit Siemens Mindsphere aufnehmen kann. Das hört sich aus Sicht der Münchener zunächst etwa beunruhigend an. Allerdings glaube ich, dass einige im ABB-Umfeld den gewaltigen Aufwand unterschätzen, der notwendig wäre, um etwas Vergleichbares auf die Beine zu stellen.

Ein leistungsfähiges Ecosystem zu schaffen und eine große Entwicklergemeinde für seine Plattform zu begeistern, daran sind schon viele gescheitert. Der bisherige Ability-Ansatz hatte ein deutlich beherrschbareres Risikoprofil. Nun steht zu befürchten, dass ABB sich verzettelt. Anstatt sich darauf zu konzentrieren, auf ihren Stärken aufzubauen, könnte es zukünftig wieder darum gehen, vermeintliche Schwächen auszubügeln. Das ist für die Belegschaft nicht unbedingt motivierend und verwirrt gleichzeitig die Kundschaft.

Unter diesen Voraussetzungen dürfte sich das Durchstarten der ABB-Aktie weiter verzögern, während die Digitalsparte von Siemens schon längst auf einen überaus aussichtsreichen Kurs eingeschwenkt hat. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen – vielleicht wird ja in Kürze der perfekte neue Boss mit brillanten Plänen präsentiert, der ABB doch abheben lässt.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool empfiehlt Dassault Systemes.

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