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Wie man disruptive Innovationen managt

„Wenn du nie Fehler machst und nie Risiken eingehst, innovierst du wahrscheinlich nicht disruptiv.“

— John Cohn

John Cohn von IBM (WKN:851399)  weiß ein oder zwei Dinge über Innovation. Er hat 116 Patente angemeldet und 36 technische Beiträge veröffentlicht und er hat IBM durch vier Jahrzehnte der Computerinnovation geführt. Von Vakuumröhren über künstliche Intelligenz (KI) bis zum und Quantencomputer hat er seinen Teil zum technologischen Wandel beigetragen.

Schrittweise Verbesserungen

Ich habe kürzlich mit John über mehrere Innovationen am Horizont gesprochen. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind Quantensprünge, die die Computerwelt, wie wir sie kennen, für immer verändern könnten.

Anschließend konzentrierten wir uns darauf, wie sich Unternehmen am besten auf diese Art von massiven Marktveränderungen einstellen sollten. Konkret haben wir diskutiert, wie schlaue Führungskräfte ein gesundes Gleichgewicht zwischen kurz- und langfristigen Wetten auf die Forschung finden müssen.

Cohn erkennt an, dass schrittweise Verbesserungen erforderlich sind. Kleinere Innovationen bei bestehenden Produktlinien sind wichtig für Unternehmen, um ihre Wettbewerbsposition gegenüber anderen zu behaupten oder das für die Finanzierung des operativen Geschäfts notwendige Umsatzwachstum zu erzielen.

Hier erfährst du, was er über die schrittweise vorangehende Forschung in unserem Gespräch sagte:

„Genauso wie es kontinuierliche Innovation und disruptive Innovation gibt, gibt es inkrementelle Forschung und disruptive Forschung. Inkrementelle Forschung zum Beispiel sehen wir bei unseren Mitarbeitern, die an der KI und den Kernalgorithmen der KI arbeiten. Unsere Aufgabe ist es, den Durchsatz oder die Kapazität und die Größe der Modelle kontinuierlich zu verbessern. Wir können das in einem Engineering-Ansatz tun.“

Es einfach mal versuchen

Cohn betont aber auch die Bedeutung von Unternehmen, die größere Wetten abschließen und in disruptive Innovationen investieren. Unternehmen sollten disruptive Forschung fördern, die die größten Probleme der Branche beheben könnte. Diese Art von Innovationen sind nicht mit bestehenden Produkten verknüpft und konkurrieren oft sogar mit dem laufenden Geschäft.

Hier erfährst du seine Perspektive aus erster Hand über disruptive Innovationen:

„Manchmal braucht man Durchbrüche. Es sind vorhersehbare Durchbrüche, da, wo der Engpass ist. Hier musst du tatsächlich investieren. Du musst ständig dein Portfolio verwalten, damit du einige Dinge hast, die nahe vor der Marktreife sind, einige, die so dazwischen liegen, und einige, bei denen es noch länger dauert.

In einem früheren Leben, als ich in der Chip-Gruppe war, habe ich geholfen, die Beziehung meiner Abteilung zur Forschung zu koordinieren. Wir haben sehr darauf geachtet, dass wir es nicht übertrieben haben, also forschten wir nur an einer Erweiterung der Entwicklung. Offensichtlich ist das Gegenteil ein Problem. Viele Unternehmen, die keine industrielle Forschung mehr haben, fanden heraus, dass, wenn sie nicht genügend Verknüpfung zu den eigentlichen Produktlinien herstellen, diese Forschung irgendwie wegläuft und irrelevant wird. Ich denke, das haben wir sehr gut gemacht. Wir achten sehr darauf, dass wir eine Pipeline haben, die läuft.

Ich denke, dass es sehr wichtig ist, der Forschung die nötige Zeit zu geben. Du hast darüber gesprochen, wie man, wenn man von Quartal zu Quartal denkt und nicht vorsichtig ist, das Leben in der Technik erstickt. Wenn alles inkrementell ist, hast du nicht die Zeit, Risiken einzugehen, manchmal machst du Fehler. Denn wenn man nie Fehler macht, nie Risiken eingeht, dann ist die Innovation wahrscheinlich nicht disruptiv.“

Cohn gibt ein praktisches Beispiel dafür, wie IBM in Disruption investiert, indem es eine Quantencomputerabteilung aufbaut:

„Wenn man sich so etwas wie Quanten-Computing ansieht, investieren wir in einige Bereiche davon, die etwas weiter in der Zukunft sind. Es dauert noch ein paar Jahre, aber wir müssen die Weichen dafür stellen und die Kerntechnologie entwickeln. Es ist etwas, bei dem wir auf sehr langfristig planen.

Wir sprechen seit 15, 20 Jahren über Quantencomputer – über die theoretischen Grundlagen des reversiblen Rechnens etc. Erst in jüngster Zeit haben wir tatsächlich die technologischen Möglichkeiten, um ein wirklich funktionierendes System aufbauen zu können. Das beschleunigt sich natürlich.

Du musst ständig dein Portfolio verwalten, damit du einige Dinge hast, die nahe vor der Marktreife sind, einige, die so dazwischen liegen, und einige, bei denen es noch länger dauert.“

Das Fazit für Investoren

Als Investoren sollten wir die Herausforderungen respektieren, die die Führungsteams gleichzeitig bewältigen müssen.

Es besteht ein notwendiges Gleichgewicht zwischen den Zeithorizonten. Ein gutes Managementteam sollte in der Lage sein, Jahres- und Dreijahrespläne zu entwickeln und diese entsprechend zu formulieren, um kurzfristige Erwartungen zu erfüllen. Aber es sollte auch einen genauen Blick auf die Bedürfnisse seiner Kunden haben und bereit sein, Forschungsmittel für längerfristige Innovationen bereitzustellen.

Cohn beschreibt, dass diese längerfristigen Innovationen viel schwieriger zu erreichen sind:

„Du kannst keine Durchbrüche planen. Wenn du sie findest, musst du für dich arbeiten. Man muss immer mehrere Horizonte haben.

Man muss sicherstellen, dass man einige kurzfristige Dinge hat, um Rechnungen zu bezahlen, aber auch einige längerfristige Wetten, wo man ganz am Anfang einsteigt, wenn der Wert niedrig ist und die mit der Zeit wachsen.

Es kommt am Ende auf diese Risikobereitschaft an. Wenn du immer nach dem kurzfristigen Gewinn suchst, wirst du immer bei diesem inkrementellen Wachstum bleiben, richtig? Wenn du ein paar dieser wirklich langfristigen Wetten angenommen und die Forschung durchgeführt hast, denke ich, dass das dir helfen kann, ein langfristiges Portfolio zu erstellen.“

Als langfristige Investoren sollten wir besonders auf Unternehmen achten, die sich auch für ihre eigene langfristige Forschung engagieren.

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Dieser Artikel wurde von Simon Erickson auf Englisch verfasst und am 14.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt eine Shortposition auf IBM.