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Diese exotische Kennzahl sollte jeder Investor kennen

Kurs-Gewinn-Verhältnis, EBIT-Marge, Eigenkapitalrendite – all das sind zweifelsfrei wichtige Investitionskennzahlen, wenn es darum geht, vielversprechende Aktien aufzuspüren.

Doch es gibt eine Kennzahl, die in meinen Augen noch viel aussagekräftiger ist als die eben genannten: der Return on Invested Capital – kurz ROIC.

Was es damit auf sich hat, wie du ihn berechnest und wie er dir dabei helfen kann, bessere Investitionsentscheidungen zu treffen, erfährst du, wenn du weiterliest.

Warum der ROIC so wichtig für Investoren ist

Die genaue Berechnung des ROIC zeige ich dir im nächsten Schritt – an dieser Stelle reicht es, wenn du weißt, dass diese Kennzahl ausdrückt, wie effektiv ein Unternehmen sein investiertes Kapital einsetzt. Der ROIC ist also eine Rentabilitätskennziffer, wie es beispielsweise auch die EBIT-Marge ist.

Der entscheidende Vorteil des ROIC: Er berücksichtigt das tatsächlich eingesetzte Kapital – die EBIT-Marge tut das nicht. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Ein Unternehmen nimmt einen Kredit von 500 Mio. Euro auf und erhöht durch den Einsatz dieses Kapitals seinen operativen Gewinn um 10 Mio. Euro.

Die 500 Mio. fließen ausschließlich in Effizienzsteigerungsmaßnahmen – der Umsatz bleibt davon also unberührt. Was sind nun die Folgen dieser Aktion bezüglich der EBIT-Marge und des ROIC?

Die EBIT-Marge wird steigen – dafür sorgt der gestiegene operative Gewinn bei gleichbleibendem Umsatz. Eine tolle Maßnahme also – könnte man meinen. Der Blick auf den ROIC hingegen stellt die Maßnahme in einem anderen Licht dar – für dieses einfache Beispiel sieht die Berechnung des ROIC wie folgt aus:

operativer Gewinn/eingesetztes Kapital = ROIC (in %)

In unserem Beispiel erhalten wir das folgende Ergebnis:

10 Mio. Euro/500 Mio. Euro = 2 % Return on Invested Capital

Selbst im derzeitigen Niedrigzinsumfeld – diese Rendite ist in Anbetracht des unternehmerischen Risikos lächerlich niedrig, die Kreditaufnahme für die Effizienzmaßnahme ein Armutszeugnis. Denn durch den ROIC wird klar: Das Management weiß mit dem Geld nichts Besseres anzufangen, als es in eine wenig rentable Maßnahme zu stecken – oder ist schlichtweg unfähig.

  • ROIC für die Bewertung des Managements

Diese Betrachtung zeigt, dass der ROIC als Indikator für das Management genutzt werden kann! Setzt der Vorstand das ihm zur Verfügung stehende Kapital gewinnbringend ein oder nicht? Ich kenne keine andere Kennzahl, die die Effizienz des Managements so schonungslos offenlegt wie der ROIC – insbesondere wenn man ihn sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren anschaut.

  • ROIC als Indiz für einen Burggraben

Wenn der ROIC kontinuierlich steigt, kann das neben einem guten Management auch auf einen Burggraben hindeuten. Dieser ermöglicht oftmals konstant steigende Gewinne bei gleichbleibendem Kapitaleinsatz – beispielsweise aufgrund der Preissetzungsmacht, die aus dem Burggraben resultiert.

  • ROIC als Maßstab für ganze Branchen

Wenn es mit einer Branche bergab geht, dann ist der ROIC eine der ersten Kennzahlen, die Alarm schlägt: Zunächst mag es einem gestandenen Unternehmen noch gelingen, durch einen höheren Kapitaleinsatz den Gewinn moderat wachsen zu lassen. Doch der ROIC zeigt unmittelbar, ob dieses Geld wirklich sinnvoll eingesetzt worden ist – oder ob lediglich Ergebniskosmetik betrieben wurde.

  • ROIC und der Zinseszinseffekt

Steigt der ROIC Jahr für Jahr, dann profitiert der Gewinn doppelt: Zum einen natürlich von der erhöhten Rentabilität bei gleichem Kapitaleinsatz – zum anderen aber auch davon, dass jedes Jahr mehr Geld für Investitionen zur Verfügung steht. Hier haben wir es mit dem klassischen Zinseszinseffekt zu tun!

Der ROIC liefert also jede Menge wichtige Erkenntnisse für uns Investoren. Deshalb macht es definitiv Sinn, sich mit ihm zu beschäftigen! Doch wie genau berechnet man den ROIC denn nun eigentlich?

Wie du den ROIC berechnest

Die Formel lautet – wie bereits im oben genannten Beispiel erwähnt – wie folgt:

operativer Gewinn nach Steuern/eingesetztes Kapital = ROIC

Sowohl für den operativen Gewinn nach Steuern als auch für das eingesetzte Kapital solltest du einen Blick in den Geschäftsbericht des jeweiligen Unternehmens werfen.

Für den operativen Gewinn öffnest du die Seite „Gewinn- und Verlustrechnung“. Hier findest du das EBIT – manchmal verwenden die Unternehmen auch andere Begriffe, beispielsweise operativer Gewinn oder Ergebnis vor Steuern und Zinsen.

In der gleichen Tabelle findest du ein paar Zeilen weiter unten die bezahlten Steuern. Diese ziehst du vom EBIT ab – und schon erhältst du den operativen Gewinn nach Steuern.

EBIT/operativer Gewinn vor Steuern und Zinsen
–  Steuern
=  operativer Gewinn nach Steuern

Für die Ermittlung des eingesetzten Kapitals öffnest du im Geschäftsbericht die Seite „Bilanz“, dort findest du alle in der folgenden Tabelle enthaltenen Informationen.

+  Eigenkapital
+  kurzfristige Schulden
+  langfristige Schulden
–  Cash
–  kurzfristig veräußerbare Vermögenswerte
–  Goodwill
=  eingesetztes Kapital

Hier findest du einen Link zu einem Artikel aus unserem Foolishen Börsenlexikon, der dir all diese Begriffe verständlich erklärt: Was ist eine Bilanz?

Hast du diese beide Werte ermittelt, teilst du den Gewinn durch das investierte Kapital und erhältst so den Return on Invested Capital.

Wie ich den ROIC anwende

Ich persönlich schau mir nicht nur den ROIC für das letzte Geschäftsjahr an – sondern ermittle die Werte für die vergangenen fünf bis zehn Jahre. So erhalte ich nicht nur einen einzelnen Wert – sondern eine Zahlenreihe, aus der sich negative wie positive Entwicklungen ableiten lassen.

Auf Basis dieser Entwicklung gewinne ich wichtige Informationen über das Management, das Geschäft und die mögliche zukünftige Gewinnentwicklung eines Unternehmens.

Das macht zwar ein bisschen Arbeit. Die Erkenntnisse, die ich daraus ableiten kann, sind allerdings so wertvoll, dass ich das gerne in Kauf nehme.

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