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Darum fällt Tesla in Norwegen hinter Volkswagen zurück

Der März 2019 war ein Triumphmonat für Tesla (WKN:A1CX3T). Das Model 3 stürmte die europäischen Verkaufscharts wie kaum je ein anderes Auto zuvor. In der Schweiz wurde sogar der konventionell betriebene ŠKODA OCTAVIA von der Spitze verdrängt und in Norwegen war fast jedes zweite Elektrofahrzeug ein Model 3. Stolze 5315 Stück wurden dort registriert.

Im April sieht die Lage jedoch völlig anders aus: Volkswagen (WKN:766403) und andere etablierte Gruppen sind wieder an Tesla vorbeigezogen. Daher könnte es sich lohnen, die Gründe dahinter zu verstehen und sich zu überlegen, was die Zukunft für Tesla bereithalten könnte.

Die Zahlen

Das um Transparenz bemühte Norwegen meldet Kfz-Registrierungen in Echtzeit. Da sich das Land gleichzeitig aufgrund der üppigen Subventionen seit einiger Zeit als ein Leitmarkt für die Elektromobilität etabliert, richten sich viele Augen auf die dortige Entwicklung.

Insgesamt 6803 registrierte Tesla 3 stehen dort zum Stichtag 23.04. in der Liste. Im Januar war noch der Nissan Leaf das beliebteste Modell und im Februar der VW e-Golf. Heute kommen die beiden nicht einmal zusammen auf die Anzahl des Tesla 3.

Nach dem Supermonat März hat sich die Lage jedoch schnell wieder abgekühlt. Zwar führen Tesla und das Model 3 dank einiger starker Verkaufstage in der ersten Woche immer noch das Monatsranking an, aber spätestens seit Mitte des Monats geht nicht mehr viel, wie folgende Registrierungsdaten belegen.

April-Registrierungen 15.04.2019 23.04.2019 Differenz
Nissan-Renault 510 643 133
Volkswagen-Gruppe 538 639 101
Hyundai-Kia 352 431 79
Tesla 690 749 59

Tabelle: Anzahl registrierter Fahrzeuge nach Markengruppen auf Basis der von elbilstatistikk.no bereitgestellten Informationen für den April 2019 zu zwei Stichtagen.

Tesla ist also in seiner eigenen Domäne aktuell nur noch die Nummer 4 in Norwegen.

Was hinter den Zahlen steht

Das ist auf den ersten Blick erstaunlich. Schließlich ist beispielsweise der e-Golf noch kein Modell, mit dem VW richtig ernst macht. Es basiert noch auf dem konventionellen Chassis und bietet vom Datenblatt her ein eher schwaches Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn VW damit bereits gut mithalten kann, was wird dann erst, wenn die vielen auf der MEB-Plattform basierenden Modelle des Konzerns ausgerollt werden? Interessant ist auch, dass der Audi e-tron sich derzeit besser verkauft als Model S und X zusammen.

Nicht weniger erstaunlich ist, dass Hyundai Motor (WKN:885647) besser abschneidet als Tesla. Die Koreaner haben zwar mit Kia Soul und Niro sowie Hyundai Ioniq und Kona gleich vier preislich relativ attraktive Modelle im Angebot. Allerdings klagt das Management bereits seit einiger Zeit über Lieferprobleme. Ohne diesen Engpass könnte der Konzern wohl noch deutlich mehr Elektrowagen absetzen. Auch von anderen Herstellern ist Ähnliches zu hören. Vor allem die Knappheit bei Batteriezellen wird als Grund genannt, ein Punkt, der eigentlich in die Hände von Tesla spielen sollte.

An der Spitze thront jedoch die Allianz von Renault (WKN:893113) und Nissan (WKN:853686), wo sich der frühzeitige Einstieg in die Elektromobilität weiterhin auszuzahlen scheint. Niemand hat mehr Elektroautos auf die Straße gebracht, weshalb es für Tesla eine große Herausforderung bleiben wird, an dem Duo vorbeizuziehen.

Was das für Tesla bedeutet

Tesla wegen der zuletzt eher schlechten Absatzzahlen im bevölkerungsarmen Norwegen abzuschreiben, wäre wohl trotzdem verfrüht. Schließlich wird aus den Zahlen vor allem deutlich, dass Tesla in Europa noch keine ausgefeilte Logistik hat. Im Februar landeten die Model 3 an Europas Häfen an und überschwemmten anschließend die Märkte. Danach war erst mal wieder Ruhe. Die etablierte Konkurrenz aus Europa (und wohl auch Japan und Korea) mit ihren typischerweise geduldigeren Kunden bestückt ihre Vertriebsstandorte kontinuierlicher.

Deshalb sind dort die monatlichen Schwankungen viel geringer. Insbesondere der Hyundai-Konzern glänzt durch eine regelmäßige Vorstellung neuer Modelle, was glättend auf die Absatzzahlen wirkt. Ganz anders bei Tesla: Nachdem ein Großteil der höherpreisigen Model 3 in Rekordzeit abverkauft wurde, wartet die restliche Kundschaft nun vielfach auf die günstigere Standardversion. Deren Verfügbarkeit in Europa wurde im Februar von Elon Musk für den Spätsommer versprochen. Spätestens dann sollten wir damit rechnen, dass die Verkaufszahlen erneut hochschießen.

Aber erst wenn dann ein weiteres Jahr später über das Model Y die Modellpalette weiter gespreizt wird und die Vertriebsprozesse besser eingespielt sind, dürfte sich das Bild etwas normalisieren. Bis dahin wird allerdings auch die Konkurrenz wieder einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Aktuell gibt es in Europa etwa ein Dutzend Elektromodelle, die sich ordentlich verkaufen. Bis Ende 2020 werden es wohl über 30 sein, die es auf Teslas Marktanteile abgesehen haben.

Kein Wunder, legt Tesla verstärkt doch den Fokus auf seine Technologie zur Fahrzeugautonomie, wo das Unternehmen die Chance sieht, dem Wettbewerb zu enteilen. Die Basis dafür bilden eigene spezialisierte Computerhardware und eine hochentwickelte visuelle Bildanalyse, die mit neuronalen Algorithmen arbeitet. Das Maschinenlernen wird dabei mit echten Verkehrsbildern unterstützt, die jederzeit gezielt von der großen internationalen Tesla-Flotte abgefragt werden können – ein echter Wettbewerbsvorteil. Wie weit dieser trägt, ist jedoch aus meiner Sicht noch schwer abzuschätzen. Auch zum Beispiel NVIDIA (WKN:918422) mit seinen mächtigen deutschen Partnern VW, Daimler (WKN:710000), ZF, Bosch und Continental (WKN:543900) hat einige spannende Innovationen in der Pipeline.

Fazit: Teslas Verkaufszahlen sind aktuell zumindest in Norwegen schwach, aber wahrscheinlich wird sich das Unternehmen schon bald wieder an die Spitze der norwegischen Charts katapultieren, wenn die nächste große Lieferung anlandet. Trotzdem zeichnet sich ab, dass Teslas Marktanteile bei normalen Elektroautos zukünftig sinken werden. Umso mehr hängt der Erfolg des Unternehmens nun davon ab, ob es wie behauptet gelingen kann, überlegene Robo-Taxis in großer Zahl auf die Straßen weltweiter Metropolen zu bringen. Die Chance ist da, aber darauf setzen würde ich nicht.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von NVIDIA und Tesla. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

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