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Was mit der Wirecard-Aktie passiert, wenn die Leerverkäufer wieder mitmischen

Foto: Thomas Brantl

Als die journalistischen Attacken auf Wirecard (WKN:747206) im Februar ihren vorläufigen Höhepunkt erlebten, verfügte die Finanzdienstleistungsaufsicht ein weitreichendes Verbot für das Leerverkaufen der Aktien. Die zweimonatige Sperrfrist ist nun vorbei und viele Anleger fragen sich, was aus der Aktie wird, wenn sie nun wieder gnadenlos nach unten geprügelt werden kann.

Lass uns daher ein paar Gedanken zur Lageeinschätzung durchgehen, um weder in die eine noch in die andere Richtung falsch zu handeln.

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Die Strategie der Leerkäufer

Um uns einer Antwort zu nähern, was in den nächsten Handelstagen mit der Wirecard-Aktie passieren könnte, müssen wir uns in die Mentalität von Leerverkäufern hineinversetzen. Dabei ist zu beachten, dass es sehr unterschiedliche Typen von Leerverkäufern gibt. Zwei Gruppen erscheinen mir besonders interessant:

Erstens: die aktivistischen Leerverkäufer. Das sind diejenigen, die sich zunächst stark gegen eine Aktie positionieren und dann lautstark ihre Argumente publizieren, warum das betreffende Unternehmen schlechter ist, als es scheint.
Zweitens: die eher passiven Leerverkäufer. Das sind zum Beispiel Hedgefonds, die gerne Long-Short-Paare bilden. Das heißt, sie kaufen Aktien von Unternehmen, die sie positiv einschätzen, und verkaufen gleichzeitig andere, von denen sie glauben, dass die Abwärtsrisiken größer sind als die Chancen.

Natürlich gibt es noch weitere Typen, darunter solche, die illegal mit Insiderinformationen arbeiten. Aber für unsere Zwecke genügen, denke ich, die beiden genannten. Im Fall von Wirecard haben wir es offenbar zum Teil mit etwas zwielichtig aktivistischen, aber sicherlich auch mit passiven Leerverkäufern zu tun.

Liest man die Berichterstattung über das Leerverkaufen, dann bekommt man manchmal den Eindruck, als ob Leerverkäufer zynische Akteure wären, die Freude daran hätten, Aktien durch Leerverkäufe nach unten zu prügeln. Aber das ist falsch. Genauso wie Aktionäre wollen auch Leerverkäufer billig kaufen und teuer verkaufen – nur eben in der anderen Reihenfolge. Es sind daher nicht die Leerverkäufer, die für die Abverkäufe sorgen, sondern Aktionäre, die sich von ihren Anteilen entnervt trennen.

Das Wort „entnervt“ ist entscheidend, denn darum geht es in diesem Spiel. Leerverkäufer identifizieren eine Marke, an der sie das beobachtete Unternehmen für deutlich überbewertet halten. Wenn sich der Kurs dieser Marke annähert, verkaufen sie Aktien, die sie sich von irgendwelchen Fonds für eine geringe Gebühr geliehen haben. Dieser Verkaufsdruck erschwert es, dass ein Kursanstieg diese Marke überwinden kann.

Für eher kurzfristig orientierte Aktionäre, die die Aktie eigentlich für unterbewertet halten, ist das ärgerlich. Scheitern hintereinander mehrere Versuche, dann werfen viele das Handtuch. Sie verkaufen ihre Bestände und suchen ihr Glück woanders. Der Kurs sackt dann gerne nach unten ab und gibt den Leerverkäufern somit die Gelegenheit, sich günstiger einzudecken.

Was daraus für die Wirecard-Aktie folgt

Die Frage, die wir uns daher zuerst stellen müssen, ist, ob das aktuelle Kursniveau von etwa 120 Euro (18.04.) für Leerverkäufer noch attraktiv ist. Immerhin lag das Hoch bei fast 200 Euro, sodass die Aktie bereits 40 % abgegeben hat. Mein Foolisher Kollege Stefan hat Anfang April plausibel dargelegt, warum Wirecard im Bereich von 100 bis 120 Euro günstig bewertet wirkt.

Es könnte also gut sein, dass bei 120 Euro noch nicht viel passiert. Allerdings lieben gerade passive Leerverkäufer Unternehmen, die anhaltend mit schlechter Presse zu kämpfen haben. Sollte also eine Erleichterungsrallye einsetzen, dann könnte diese an einer bestimmten Marke jäh ausgebremst werden, sagen wir zum Beispiel bei 140 Euro. Das wiederum wird wie oben dargestellt viele Wirecard-Bullen ärgern, die lieber heute als morgen einen neuen Anlauf auf die Höchststände sehen wollen.

Aber wer mit solch einer Erwartung hineingeht, der wird Frust ernten. Noch ist die Geschichte mit den Unregelmäßigkeiten nicht ausgestanden und deren mittel- bis langfristige Auswirkungen sind weiterhin schwer einzuschätzen. Meine Vermutung ist, dass auf absehbare Zeit trotz vielfältiger neuer Initiativen das Wachstum etwas niedriger als gewohnt ausfallen wird. Konkurrenten wie Adyen (WKN:A2JNF4), die nicht mit Reputationsproblemen zu kämpfen haben, dürften in dieser Zeit schneller vorankommen.

Fazit: Anleger müssen sich aus meiner Sicht kaum vor einem wilden Abverkauf in den ersten Tagen fürchten. Allerdings ist mit einem zunächst begrenzten Aufwärtspotenzial zu rechnen. Solange sich der Staub um das Unternehmen nicht legt, eignet sich die Aktie für Leerverkäufer ausgezeichnet für Long-Short-Strategien. Hinzu kommt, dass das Selbstbewusstsein vieler Bullen angeknaxt ist.

Langfristig orientierte Anleger, die davon ausgehen, dass Wirecard letztlich mit einigen Schrammen ganz gut durch diese komplizierte Phase kommen wird, könnten die zu erwartenden weiteren Rückschläge aufgrund von entnervten kurzfristig orientierten Anlegern für Nachkäufe nutzen – und somit den Leerverkäufern zuvorkommen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt ADYEN.

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