The Motley Fool

Warum ich rate, ausschließlich in Aktien zu investieren

Ich werde oft gefragt, was ich von Gold halte. Oder von Immobilien. Oder von Bitcoin. Manchmal werde ich sogar zur Wirecard (WKN:747206)-Aktie befragt.

Gerne wird mir im selben Atemzug erläutert, auf wen dieser plötzliche Wissensdurst zurückzuführen ist. Meistens handelt es sich dabei um irgendeinen Radiosender oder TV-Kanal.

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Aus einem mir unbekannten Grund werde ich sehr selten gefragt, in was ich investieren würde, wenn ich mich auf nur eine Anlageklasse beschränken müsste. Meine Antwort darauf wäre ganz einfach: in Aktien, und zwar aus den folgenden drei Gründen.

1. In Kurse gegossene Weiterentwicklung

Aktien sind Anteile an Unternehmen (in Form einer Aktiengesellschaft). Unternehmen entwickeln, produzieren und vermarkten Produkte. Produkte werden von Menschen (oder Tieren) konsumiert.

So weit, so gut. Aber wenn das alles wäre, würde ich wahrscheinlich keine Aktien kaufen. „Konsum“ – für mich klingt dieses Wort, als wäre der Mensch nur ein Durchlauferhitzer zwischen Fabrik und Müllkippe.

Bei manchen Menschen mag das sicher der Fall sein. Doch meiner Erfahrung nach spielt der Wille, sich weiterzuentwickeln, für viele Menschen die mit Abstand größte Rolle. Ohne diesen Antrieb wäre die niemals nachlassende Nachfrage nach neuen Produktgenerationen kaum zu erklären.

Dieses „höher, schneller, weiter“ wird gerne kritisiert. Aber scheinbar gibt es tief im Inneren der menschlichen Psyche etwas, das nach persönlichem Wachstum verlangt. Warum auch nicht? Neue Möglichkeiten eröffnen Horizonte. Jeder, der diesen Text gerade über sein „Internetempfangsgerät“ liest, wird wissen, wovon ich rede.

Unternehmen sind für mich nicht Fabriken, aus denen Zeugs herausquillt, sondern kybernetische Wesen, die von Jahr zu Jahr die Grenzen der menschlichen Möglichkeiten erweitern. Ich bevorzuge Aktien, weil die Überwindung von Grenzen bei keiner anderen Vermögensklasse so tief in der DNA verankert ist.

2. Kein Ende in Sicht

Während du das hier liest, rollen viele Millionen schick formatierte Metallklumpen über die Straßen, die mehrere Millionen Jahre alte Tier- und Pflanzenreste verbrennen. Wer glaubt daran, dass das der Gipfel des menschlichen Genius ist?

Ich glaube nicht daran. Ganz im Gegenteil. Man muss nur 20 Jahre in die Vergangenheit blicken, um zu verstehen, wie weitreichend die Effekte der letzten Technikrevolutionen gewesen sind.

Ja, die letzten kritischen Technologiesprünge waren vor allem in den Bereichen IT und Telekommunikation zu sehen. Von der endgültigen Krebsheilung und fliegenden Autos ist noch nichts in Sicht.

Wer deshalb den Glauben an die Innovationskraft des Menschen verloren hat, sollte sich zügig die neuesten Entwicklungen des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX ansehen. Während der US-Raumfahrtagentur NASA zum Ende des letzten Jahrtausends zusehends die Puste ausging, lieferten eine Handvoll Raumfahrtingenieure unter der Führung von Elon Musk ab 2002 bereits nach wenigen Versuchen leistungsstarke Raketen, für deren Entwicklung wenige Jahrzehnte zuvor Hunderttausende Menschen hätten rekrutiert werden müssen. Nur 17 Jahre später staunt die Welt über wiederverwendbare Raketentriebwerke und über futuristische Raumkapseln, die sich im Film „2001: Odyssee im Weltraum“ nahtlos einfügen würden.

Wenn es SpaceX-Aktien zu kaufen gäbe, würde ich mir sofort ein paar davon ins Depot legen. Aber zum Glück sind nicht nur beim Thema Raumfahrt noch viele Kilometer Luft nach oben. Quantencomputer? Industrie 4.0? Bargeldloses Bezahlen? Ich bevorzuge Aktien, weil ich nicht daran glaube, dass schon alles erfunden und zu Ende gedacht wurde.

3. Irgendwer gewinnt immer

Leonardo da Vinci dürfte ein Universalgenie gewesen sein. Anatomie, Ingenieurwissenschaften, Malerei, Geometrie, Botanik, Mathematik, Geologie. Es hat scheinbar kein Fachgebiet gegeben, an dem der rüstige Italiener nicht interessiert war.

Ich hingegen beschäftige mich beruflich mit nur wenigen Themen. So machen es vermutlich die meisten Menschen.

Ein wenig Spezialisierung ist meiner Meinung nach nicht verkehrt. Aber wer nicht auf allen Hochzeiten tanzt, verpasst eventuell die beste Party. Zudem hat jede Branche ihre Hochs und Tiefs. Da sind kleine Durchhänger in der Karriere nicht ausgeschlossen.

Wer sich nur für wenige Themen begeistern kann, aber trotzdem auf fachfremden Hype-Wellen reiten möchte, kann sich einfach die entsprechenden Aktien ins Depot holen. Dazu braucht es keinen Karrierewechsel.

Damit hat sich auch der Neid auf „die da drüben“ erledigt, die gerade die ganz großen Gewinne abräumen. Über das Werkzeug Aktie kann man automatisch „mitgewinnen“, auch wenn man nichts mit der jeweiligen Branche zu tun hat.

Ich bevorzuge Aktien, weil mich ein gut sortiertes Depot zu Leonardo da Vinci werden lässt.

Ratschläge sind auch Schläge

Warum solltest du auf meinen Ratschlag hören? Mein Tipp: Hör nicht drauf! Nicht mal ich selbst höre auf mich. Denn am Ende des Tages ist jeder Investor seines eigenen Glückes Schmied. Manche mögen Gold, manche mögen Bitcoin und manche mögen Aktien. Teilweise aus den falschen und teilweise aus den richtigen Gründen.

Wenn ich zu etwas raten würde, dann dazu, selbst darüber nachzudenken, wie und ob Aktien zum persönlichen Lebens- und Investmentstil passen. Je mehr ich über Aktien nachdenke, desto öfter bin ich erstaunt, wie sehr diese verwirrenden Dinger zu mir passen.

Ich mache hier zwar nicht viel mehr, als die Gründe dafür so gründlich wie möglich zu beschreiben. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein wenig Inspiration oft mehr bewirken kann als ein komplettes Studium.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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