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Für die Nordex-Aktie wird die Luft dünn – jetzt kommt die 5-MW-Phalanx

Die Aktie von Nordex (WKN:A0D655) ist immer für ein kleines Drama gut. Mal wird sie hochgepeitscht wie etwa 2015 und ein anderes Mal nach unten geprügelt wie 2017. Zuletzt hatte sie endlich den von vielen Anlegern ersehnten Lauf, der glatt für eine Verdopplung der Kurse zum Jahreswechsel sorgte. Ist das nun schon wieder zu viel des Guten? Lies hier, was dafür spricht und was dagegen.

Was weiterhin für die Aktie spricht

Ich habe mich immer gewundert, wie ein Unternehmen mit rund 3 Mrd. Euro Umsatz, das in einem aussichtsreichen Markt tätig ist, mit unter 1 Mrd. Euro bewertet werden kann — zumal bei Nordex noch hinzukam, dass die operativ erfolgreich verlaufene Kombination mit der Windpower-Sparte des strategischen Partners Acciona (WKN:865629) sich erst noch entfalten würde.

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Aber wie wir heute wissen, brach die Nachfrage aufgrund von Marktumbrüchen ein, was der gesamten Branche zu schaffen machte. Die ursprünglich sehr ambitionierten Wachstumspläne der neuen Nordex mussten zunächst zusammengestrichen werden. Ich blieb jedoch zuversichtlich, dass es sich um eine Übergangszeit handelte, die früher oder später wieder in neuem Wachstum münden würde. Ein Kursziel runter bis 5 Euro, wie es Ende 2017 von Goldman Sachs (WKN:920332) herausgehauen wurde, konnte ich nicht richtig ernst nehmen.

Nun hat sich das Branchenklima wieder deutlich aufgehellt und Nordex freut sich über ein prall gefülltes Auftragsbuch im Umfang von 3,9 Mrd. Euro. Eine Umsatzsteigerung in den Bereich von 4 Mrd. Euro scheint mittelfristig durchaus möglich. Die Delta4000-Linie der 4-Megawatt-Klasse verkauft sich ausgezeichnet und liefert die Basis für die 2021 startende 5-Megawatt-Turbine. Wie bereits im Februar aufgezeigt, könnten die Zwischenhochs von Ende 2015 über die kommenden Jahre durchaus wieder ins Visier genommen werden.

Dafür müsste es allerdings weiterhin richtig gut laufen, denn es würde bedeuten, dass sich die Aktie noch einmal mindestens verdoppelt.

Was nun gegen die Aktie spricht

Aber wird es nachhaltig so klasse laufen wie im Moment? Immerhin wird Nordex bereits jetzt mit fast 1,5 Mrd. Euro (08.04.) bewertet. Für ein Unternehmen, das für das laufende Jahr höchstens einen Minigewinn erwartet und keine Dividende zahlt, ist das nicht gerade wenig. Für mich bedeutet das über den Daumen gepeilt, dass Nordex in einigen Jahren wieder Nettogewinne von über 150 Mio. Euro berichten sollte, damit Aktionäre weiterhin (also wie über die letzten Quartale) überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften können.

Das ist durchaus möglich, wenn die nun wieder stark anziehende Nachfrage für stabile Preise sorgt und gleichzeitig die weiterhin laufenden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung greifen. Das brächte die dringend notwendige Margenausweitung. 4 % Nettogewinn vom Umsatz sollten es mindestens sein, das wären bei 3,2 Mrd. Euro Umsatz etwa 130 Mio. Euro. Es klingt zunächst schon irgendwie realistisch und wäre grundsätzlich sogar noch ausbaubar.

Allerdings sind mir zwischenzeitlich auch Zweifel gekommen, ob der Erfolg der Delta4000-Linie wirklich so lange anhalten wird, wie es dafür nötig wäre. Möglicherweise profitiert sie lediglich von einem schmalen Zeitfenster, in dem sie für einige Einsatzszenarien die wettbewerbsfähigste am Markt verfügbare Turbinenserie ist. Dieses Fenster könnte sich schneller schließen, als Nordex-Aktionären lieb sein kann.

General Electric (WKN:851144) führt gerade die neue Cypress-Linie in den Markt ein, welche mit modularen Rotorblättern glänzt. Vor wenigen Tagen wurden die ersten 4,8-Megawatt-Turbinen bestellt. Später soll es in den 5-MW-Bereich gehen und auch die weiteren Konkurrenten lassen sich nicht lumpen: Branchenprimus Vestas (WKN:913769) stellte im Januar die EnVentus-5,6-MW-Plattform vor, mit der die Dänen schon ab 2020 Großes vorhaben.

Ähnlich sieht es bei Siemens Gamesa (WKN:A0B5Z8) aus, wo Anfang April mächtige 5,8-MW-Modelle gezeigt wurden, deren Serienfertigung voraussichtlich zum Jahreswechsel 2020/2021 startet. Alle drei Hersteller sprechen von gewaltigen Fortschritten, die sie über Standardisierung, Modularisierung und die zunehmende Industrialisierung der Wertschöpfungskette erzielen. Ihr zentraler Vorteil gegenüber Nordex ist, dass sie größer sind und damit ihre Entwicklungskosten auf höhere Stückzahlen verteilen können.

Dass außerdem der starke chinesische Hersteller EnVision nun von seiner dänischen Innovationsbasis aus eine Großoffensive starten will, verbessert die Aussichten ebenfalls nicht. Vor wenigen Tagen konnte sich der Konzern eine Kreditlinie für die internationale Expansion sichern.

Ein gemischtes Bild

Das ganze Jahr 2018 über habe ich geschrieben, dass für Nordex bessere Zeiten kommen würden. Es ist schön zu sehen, dass der Markt dies nun ebenfalls so sieht. Aber wenn sich der Kurs in so kurzer Zeit verdoppelt, könnte es schon Sinn ergeben, innezuhalten und sich zu fragen, wie groß das Potenzial jetzt noch sein könnte. Auch wenn im Idealfall noch deutlich mehr drin ist, wäre ich mittlerweile vorsichtig. Das Wettbewerbsumfeld entwickelt sich unbarmherzig und Nordex wird sich strecken müssen, um das stark erhöhte Niveau zu rechtfertigen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt Aktien von General Electric.

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