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Allianz, Daimler oder Nordex – welche Aktie ich heute am ehesten kaufen würde

Quelle: Thomas Brantl

Die Allianz (WKN:840400)-Aktie und die Daimler (WKN:710000)-Aktie weisen derzeit ein einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf – oder sind zumindest ziemlich nahe dran, je nach Kurs. Die Nordex (WKN:A0D655)-Aktie ist heute gut 35 % günstiger als vor drei Jahren (Stand: 05.04.2019).

Toll – drei supergünstige Gelegenheiten! Oder etwa nicht?

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Tatsächlich sehen alle drei Aktien heute günstig aus – allerdings sollte natürlich auch die Qualität stimmen! Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wenn du wissen willst, welche der drei Aktien ich am ehesten kaufen würde, dann lies einfach weiter!

Aktie 1: Die Allianz-Aktie

Die Allianz-Aktie scheint auf den ersten Blick eine solide Sache zu sein – der Münchener Versicherungsriese ist Marktführer, hat langfristige Verträge mit seinen Kunden laufen und genießt einen ziemlich guten Ruf (wenn es so was bei Versicherungen überhaupt gibt), der es der Allianz erlaubt, höhere Preise als die Konkurrenz durchzusetzen.

Und ich glaube auch nicht, dass sich kurzfristig etwas an dieser Situation ändern wird – wahrscheinlich können Anleger also mit der Allianz-Aktie zumindest in den nächsten paar Jahren ruhig schlafen.

Aber: Es gibt zwei Gründe, warum ich trotzdem die Finger von der Allianz-Aktie lasse.

Zum einen habe ich keine Ahnung von Versicherungen. Ich habe sogar eine zwanghafte Abneigung gegen Versicherungen – und vor allem gegen deren Vertreter. Ja – ein paar Versicherungen braucht man, und ja – die habe ich auch. Trotzdem könnte ich mir gut vorstellen, dass die Branche in einigen Jahren komplett auf den Kopf gestellt wird.

Sei es durch das Internet, Vergleichsportale, Sensoren, Daten, neue Player oder was da sonst noch alles auf uns zu kommt.

Ob die Allianz dann auch noch die Nase vorn haben wird? Keine Ahnung – wie gesagt, von Versicherungen habe ich keinen Plan. Und genau das ist auch schon der erste Grund, warum ich die Allianz-Aktie nicht mag – sie ist weit außerhalb meines Circle of Competence!

Der zweite Grund ist das Management. Ich liebe es, in Familienunternehmen zu investieren – die Allianz ist leider das genaue Gegenteil davon! CEO Oliver Bäte war vor seiner Berufung in den Allianz-Vorstand über ein Jahrzehnt beim Beratungsunternehmen McKinsey angestellt.

Daraus schlussfolgere ich drei Dinge: keine besonders emotionale Bindung zur Allianz, keine jahrzehntelange Unternehmenserfahrung und möglicherweise auch kein allzu großer Schmerz, wenn die Sache in die Hose geht!

Deshalb investiere ich bevorzugt in Familienunternehmen, denn hier gilt: mitgefangen, mitgehangen! Und Zahlenjongleure von Beratungsfirmen sehe ich eben nicht so gerne im Vorstand der Unternehmen, in die ich investiere.

Für mich kommt die Allianz-Aktie daher definitiv nicht infrage – lass uns deshalb bei Nordex weitermachen!

Aktie 2: Die Nordex-Aktie

Auch Nordex hört sich zunächst interessant an. Die Windkraft befindet sich auf dem aufsteigenden Ast – und die Nordex-Aktie gibt’s zum Schnäppchenpreis. Toll – auf den ersten Blick zumindest! Es gibt allerdings auch bei Nordex einen Grund, warum ich die Aktie nicht mag.

Dieser Grund hat mit dem Markt zu tun – dem Markt für Windkraftanlagen, in dem Nordex ja tätig ist. Zwar wächst dieser Markt tatsächlich ziemlich schnell. So waren im Jahr 2010 gerade mal knapp 200 Gigawatt installierte Windkraftleistung weltweit am Netz. 2018 – also nur acht Jahre später – hat sich dieser Wert verdreifacht (Quelle: volker-quaschning.de).

Das Problem: In meinen Augen sind Windkraftanlagen keine Hightech-Produkte, die sich großartig voneinander unterscheiden. Klar, der eine mag ein bisschen effizientere Anlagen bauen als der andere oder möglicherweise besondere Vorteile bei Offshore-Anlagen haben – oder in irgendeinem anderen Teilbereich.

Grundsätzlich bin ich allerdings der Meinung, dass Windkraftanlagen vor allem über einen Faktor verkauft werden: den Preis! Je günstiger ein Betreiber seine Windkrafträder bekommt, desto höher fällt dessen Rendite logischerweise aus. Wer über die niedrigste Kostenstruktur verfügt und infolgedessen attraktive Preise anbieten kann, der hat in solchen Märkten einen Wettbewerbsvorteil – alle anderen ein schweres Leben.

Bei Windkraftanlagen scheint Vestas die Nase vorne zu haben, was die Größe betrifft – und wie mein Foolisher Kollege Ralf glaube auch ich, dass aus dieser Größe Kostenvorteile bei Produktion, Forschung und Entwicklung resultieren. Nicht umsonst ist Vestas profitabel – und Nordex nicht.

Wenn ich in solche Märkte investiere, dann nur in Unternehmen, die über Wettbewerbsvorteile – wie beispielsweise ihre Größe – verfügen. Bei Windkraftanlagen trifft das in meinen Augen wie beschrieben auf Vestas zu – und nicht auf Nordex.

Genau deshalb kommt ein Investment in Nordex für mich nicht infrage – bleibt also nur noch die Daimler-Aktie übrig!

Aktie 3: Die Daimler-Aktie

Wer bei Daimler nur an Autos denkt, der übersieht etwas Wichtiges: die Trucks! Während die 2018er-Zahlen für den Daimler-Konzern insgesamt eher durchwachsen ausgefallen sind – der Umsatz stieg um nur 2 %, der Gewinn vor Steuern und Zinsen ist sogar 22 % niedriger ausgefallen als im Vorjahr –, laufen die Dinge bei den Trucks viel besser.

Daimler Trucks Vergleich zum Vorjahr
Umsatz 2018  38,3 Mrd. Euro               + 7 %
EBIT 2018   2,8 Mrd. Euro              + 16 %
Umsatzanteil am Gesamtkonzern          22,9 %              + 1,1 %

Quelle: Daimler Geschäftsbericht 2018

Insbesondere die Tatsache, dass der Gewinn schneller wächst als der Umsatz, zeigt uns Investoren, dass man bei den Trucks über eine gewisse Preissetzungsmacht verfügt – beziehungsweise die Kosten aufgrund seiner Größe kontinuierlich senken kann. Dinge, die man von der Pkw-Sparte derzeit nicht behaupten kann!

Ein weiterer Unterschied zu Daimler Cars: Dinge wie Carsharing, selbst fahrende Technologien oder die Elektrifizierung sind für Lkws keine Bedrohung – ganz im Gegenteil!

Elektrisch betriebene Trucks können zukünftig die Betriebskosten für Speditionen senken – selbst fahrende Lkws die Personalkosten. Diese beiden Faktoren stellen einen massiven Investitionsanreiz für alle Nutzer von Lastkraftwagen dar – und ein gigantisches Potenzial für den größten Lkw-Produzenten der Welt – Daimler Trucks.

Die Daimler-Aktie kommt mir heute nicht ins Depot

Da es keine Aktien von Daimler Trucks zu kaufen gibt, müsste eines der folgenden beiden Szenarien eintreten, damit ich hier investiere:

  1. separate Börsennotierung des Bereichs Daimler Trucks, also ein Spin-off;
  2. die Daimler-Aktie fällt unter den Wert, den ich alleine im Bereich Daimler Trucks sehe.

Solange keiner der beiden Fälle eintritt, kommt die Daimler-Aktie mir nicht ins Depot, da ich an Daimler Cars nicht beteiligt sein möchte – zumindest nicht, wenn ich dafür bezahlen muss.

Müsste ich mich allerdings zwischen der Allianz, Daimler und Nordex entscheiden, dann wäre die Daimler-Aktie mein klarer Favorit!

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Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

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