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Die Gründe, warum die TUI-Aktie jetzt ein Kauf sein kann

Aktionäre des Touristikkonzerns TUI (WKN:TUAG00) können mit dem Aktienkursverlauf des letzten Jahres nicht zufrieden sein, denn der Wert ihrer Aktie hat sich mittlerweile mehr als halbiert (Stand: 04.04.2019).

Dabei finden die schlechten Nachrichten gar kein Ende mehr: Nach dem Flugverbot der Boeing 737 MAX, von denen der TUI-Konzern 15 eigene Maschinen im Bestand hat und von denen bis Mai 2019 weitere 8 Flieger an das Unternehmen ausgeliefert werden sollen, musste der Urlaubsveranstalter eine Prognoseanpassung für das laufende Geschäftsjahr 2019 veröffentlichen.

Hierbei erwartet der Vorstand ein um ungefähr 200 Mio. Euro verringertes EBITA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Amortisationen), sollten die Boeing-Flugzeuge des Typs 737 MAX bis spätestens Mitte Juli 2019 wieder fliegen dürfen und TUI-Urlauber damit zu ihrem Urlaubsdomizil bringen.

Damit ist aber noch nicht genug: Sollte nicht bald Klarheit darüber herrschen, wann die Maschinen wieder fliegen dürfen, so müsste die TUI ihre eingeleiteten Maßnahmen bis zum Ende der Sommersaison verlängern – was zu weiteren Belastungen von 100 Mio. Euro bis Ende September 2019 führen würde.

Aktie wird günstig gehandelt

Die Aktie des Reiseveranstalters wird aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7,3 gehandelt (Basis-Gewinn je Aktie aus fortgeführtem Geschäft von 1,18 Euro für das Gesamtjahr 2018 und Kurs am 03.04.19 von 8,62 Euro). Die Dividendenrendite beläuft sich, gemessen an der Dividende für das Geschäftsjahr 2018 von 0,72 Euro, auf 8,4 %.

Ist die TUI jetzt ein günstiger Kaufkandidat? Dieser Frage wollen wir jetzt mal weiter auf den Grund gehen, denn der Sondereffekt aus dem Startverbot der Boeing 737 MAX wird ja voraussichtlich nicht jedes Jahr auftreten.

Bisher solides Wachstum

Fassen wir das Geschäftsjahr 2018 einmal kurz zusammen. Es wurde ein Umsatz von 19,5 Mrd. Euro erzielt, der währungsbereinigt um 6,3 % gestiegen ist. Das EBITA hat sich im Berichtszeitraum 2018 währungsbereinigt um 10,4 % auf 1,1 Mrd. Euro erhöht.

Für 2019 erwartet das Management ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von rund 3 %. Das EBITA soll sich dabei um rund 17 % verringern – bei einem Flugverbot der 737 MAX-Flugzeuge bis Mitte Juli 2019. Sollte die 737 MAX-Flugkapazität für die gesamte Sommersaison ersetzt werden müssen, so rechnet das Management mit einem Rückgang des EBITA um bis zu 26 %.

Da die Dividende an die EBITA-Kennzahl gekoppelt ist, muss man als Aktionär eine entsprechende Dividendenkürzung für 2019 einplanen. Eine Delle in der Dividendenhistorie wäre indes nicht schlimm, wenn man langfristig wieder das vorherige Niveau erreichen kann – was aus meiner Sicht möglich wäre.

Kapitalintensives Geschäftsmodell

Schaut man sich Bilanz der TUI an, so erkennt man klar die Schwäche des Geschäftsmodells aus Sicht eines Investors: die Kapitalintensität.

Richtig, die TUI betreibt 380 Hotels, 16 Kreuzfahrtschiffe und eine eigene Flugzeugflotte mit 150 Flugzeugen (Werte zum Geschäftsjahresende 2018), um die reiselustigen Kunden zu ihrem Urlaubsort zu bringen. Das Ganze bindet natürlich viel Kapital.

So belief sich die Bilanzsumme zum Stichtag des am 30.09.2018 endenden Geschäftsjahres auf 15,6 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalquote erreichte am Stichtag des Geschäftsberichtes 2018 einen Wert von 27,8 %.

Ein breit aufgestellter Konzern, der vielen Stellschrauben hat

Auch wenn der TUI-Konzern breit aufgestellt zu sein scheint, so gibt es eine große Zahl von Einflussgrößen, die das Ergebnis beeinträchtigen können – wie Beispielsweise das Wetter, Wechselkurse, Terroranschläge oder eben ein Flugverbot.

Keine Angst vor Schwankungen, TUI plant weiteres Wachstum

Als Investor muss man vor diesen Schwankungen keine Angst haben. Die TUI-Aktie war bisher ein solides Investment und hat schon viele Krisen gemeistert.

Die Wetterfahnen des Konzerns sind auf Wachstum ausgerichtet. So möchte die TUI bis zum Jahr 2022 in neuen Märkten eine Million zusätzliche Kunden gewinnen und damit eine weitere Milliarde an Umsatz generieren. Das klingt zumindest nach einer Weiterentwicklung des Geschäftsmodells, auch wenn die dynamischen Märkte bisher von Wettbewerbern wie Booking Holdings (WKN:A2JEXP) dominiert werden.

Fazit

Auch wenn man bei der TUI immer damit rechnen muss, dass etwas Außergewöhnliches passiert, so ist die Aktie aus Sicht eines Fools mit einem attraktiven Chancen- und Risikoverhältnis ausgestattet. Die mögliche Wiederaufnahme der 737 MAX-Flugtätigkeit könnte sich dabei zu einem Punkt entwickeln, an dem die Bewertungsfrage der TUI-Aktie wieder von zentralerer Bedeutung wird.

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Frank Seehawer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Booking Holdings.