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E-Commerce in Afrika: Rocket Internets nächster Börsengang verspricht Chancen wie einst MercadoLibre, steht aber vor großen Herausforderungen

Mit einem Kursplus von mehr als 1.250 % seit Börsengang im Jahr 2007 ist MercadoLibre  (WKN:A0MYNP) eine faszinierende Erfolgsgeschichte. Der E-Commerce-Riese mit angeschlossener Zahlungsplattform erobert seit vielen Jahren weite Teile des lateinamerikanischen Onlinehandels. Einem Markt, der für Amazon  (WKN:906866) und Co schwer zu erschließen ist.

Nun steht Jumia kurz vor dem Börsendebut an den amerikanischen Börsen. Ein afrikanisches E-Commerce-Unternehmen, an dem die deutsche Start-Up-Schmiede Rocket Internet  (WKN:A12UKK) 28 % der Anteile hält. Der unerschlossene afrikanische E-Commerce-Markt verspricht auf den ersten Blick Chancen wie einst bei MercadoLibre. Auf dem zweiten Blick wird deutlich, welch langen Atem Investoren hier benötigen werden. Dieser könnte derart lang sein, dass er selbst den hartgesottensten Langfristanlegern hier ausgehen könnte.

Lasst uns zunächst aber einen genaueren Blick auf Jumia und die Unterschiede zum MercadoLibre des Jahres 2007 werfen, dem Jahr, in dem die erfolgreiche Börsengeschichte von MercadoLibre begann.

Die Unterschiede von Jumia zu MercadoLibre sind riesig

Beginnen wir zunächst mit MercadoLibre. Einfach, weil die Beschreibung von MercadoLibre im Jahr 2007 deutlich einfacher ist als die Beschreibung von Jumia im Jahr 2019.

Im Jahr 2006 war MercadoLibre ein reiner Online-Marktplatz, der Verkäufer von Waren und interessierte Käufer zusammenbrachte. Zusätzlich bot das Unternehmen mit MercadoPago den Nutzern des Marktplatzes eine Online-Zahlungsmethode an. Auf dem Marktplatz, der in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Mexico, Peru, Uruguay und Venezuela genutzt werden konnte, tummelten sich 1,7 Millionen Verkäufer und 4,4 Millionen Käufer, die Waren im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar handelten. Der Umsatz von MercadoLibre belief sich auf überschaubare 52 Millionen US-Dollar, wobei allerdings 1,1 Millionen als Nettogewinn übrigblieben.

Kommen wir nun vom Einfachen zum Schweren. Von MercadoLibre zu Jumia.

Jumia ist bereits heute viel mehr als ein reiner Online-Marktplatz. Jumia verbindet nicht nur Käufer und Verkäufer, sondern tritt auch selbst als Online-Einzelhändler auf. Über Jumia kann man aber auch Flüge buchen, Hotels finden, eine Pizza bestellen und einiges mehr. Obwohl dies im Vergleich zu MercadoLibre sehr viel mehr ist, wurden 2018 über Jumia von 4,4 Millionen aktiven Konsumenten lediglich Waren und Dienstleistungen im Wert von 828 Millionen Euro gekauft. Der Umsatz übersteigt mit 130,6 Millionen Euro für 2018 den Umsatz des MercadoLibre aus dem Jahr 2006 deutlich. Allerdings nur, weil 63 % aller Umsätze von Jumia als Einzelhändler erzielt wurden; Jumia also nicht nur eine Vermittlungsprovision von Verkäufer oder Käufer erhielt, sondern den kompletten Verkaufspreis als Umsatz einstrich. Und auf der anderen Seite natürlich auch das jeweilige Produkt selbst einkaufen und selbst einlagern musste, sowie auch auf eigene Kosten auslieferte. So blieben trotz des deutlich höheren Umsatzes ein Verlust von faszinierenden 170,4 Millionen Euro.

Lassen wir nun aber Vergangenheit Vergangenheit sein und richten unseren Blick auf die Zukunft von Jumia.

Eine goldene Jumia-Zukunft ist möglich, liegt aber in weiter Ferne

Die große Frage für mutige Investoren ist nun natürlich, ob Jumia das rasante Umsatzwachstum von MercadoLibre – von 2006 bis 2018 jedes Jahr durchschnittlich 32 % – wiederholen kann.

Ich befürchte nein. Nicht, weil ich dem Management von Jumia weniger zutraue, sondern vielmehr, weil die Basis, auf der Jumia in all ihren Märkten aufbaut, deutlich wackeliger ist als die Basis von MercadoLibre im Jahr 2008.

Lasst uns hierzu das Brasilien des Jahres 2005 mit dem Nigeria des Jahres 2017 vergleichen. Denn so, wie Nigeria heute das wichtigste Land für Jumia ist, so war Brasilien 2006 das wichtigste Land für MercadoLibre.

Während das Bruttonationaleinkommen (Atlas-Methode) in Brasilien 2005 3.940 US-Dollar pro Person betrug, sind es in Nigeria im Jahr 2016 lediglich 2.450 US-Dollar. Und während in Brasilien 2005 bereits rund 83 % der Bevölkerung in Städten wohnten, waren es in Nigeria im Jahr 2017 nicht einmal 50 %. Lediglich die bereits sehr hohe Zahl an Internetnutzern in Nigeria spricht für die Märkte von Jumia.

Der Optimist denkt sich nun: Super, dann haben die Märkte von Jumia noch viel größeres Wachstumspotential als damals bei MercadoLibre. Der Pessimist denkt viel eher: Uff, die geringe Kaufkraft der Konsumenten ist noch für lange Zeit ein begrenzender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung von Jumia.

Diese begrenzte Kaufkraft ist vielleicht einer der Gründe, warum Jumia so früh bereits so viele unterschiedliche Geschäftsfelder im Portfolio hat. Der afrikanische Markt für eine reine Online-Handelsplattform, wie es MercadoLibre einst war, ist wohl viel zu klein, um die notwendige Größe zu erreichen. Die unterschiedlichen Geschäftsfelder sorgen aber nicht nur für schnelles Umsatzwachstum, sondern erfordern auch hohe Anlaufkosten, welche den riesigen Verlust im Jahr 2018 erklären.

Aufgrund der berechtigten Hoffnung auf eine rasante wirtschaftliche Entwicklung in vielen afrikanischen Ländern ist das für hartgesottene Langfristanleger noch kein Grund, die Jumia-Aktien links liegen zu lassen. Wenn das weitere Umsatzwachstum auf absehbare Zeit aber nur mit dem teuren Eintritt in immer mehr Online-Geschäftsfelder erzielt werden kann, dann könnte sich selbst der Atem der hartgesottensten Langfristanleger als zu kurz erweisen.



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Offenlegung: John Mackey, CEO von Whole Foods Market, eine Amazon-Tochter, ist Mitglied im Board of Directors von The Motley Fool. Sven besitzt Aktien von MercadoLibre. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und MercadoLibre.

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