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Warum 2018 für die Lufthansa nicht so schlecht war, wie die Börse glaubt

Quelle: Thomas Brantl

Am 14.03. präsentierte die Lufthansa (WKN: 823212) ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2018. Für Begeisterung sorgte das Zahlenwerk der Lufthansa an der Börse allerdings nicht wirklich – ganz im Gegenteil: An den beiden darauffolgenden Tagen verlor die Lufthansa-Aktie 7,5 %.

Ich kann diese Reaktion ehrlich gesagt nicht verstehen – denn wer das Geschäft der Lufthansa versteht, der findet viel Positives im 2018er-Geschäftsbericht.

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Das Zahlenwerk im Überblick

Lass uns zunächst einmal einen Blick auf ein paar Zahlen aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr werfen.

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr
Passagiere      142,3 Mio.                          + 10 %
Umsatz  35,8 Mrd. Euro                           + 1 %
EBIT   3,0 Mrd. Euro                          – 10 %
EBIT Eurowings – 231 Mio. Euro                               –
Treibstoffkosten   6,1 Mrd. Euro                          + 16 %

Quelle: Lufthansa-Geschäftsbericht 2018

Die Airlines der Lufthansa Group transportierten letztes Jahr 10 % mehr Passagiere als im Vorjahr, was grundsätzlich natürlich positiv zu bewerten ist. Da der Umsatz allerdings nur minimal gestiegen ist, liegt die Vermutung nahe, dass die Ticketpreise wohl gefallen sind. Vermutlich hauptsächlich bei der Eurowings – dazu später mehr.

Das ist wenig erfreulich und zeigt, dass nach wie vor ein großer Preisdruck in der Branche herrscht. Das EBIT, also der Gewinn vor Steuern und Zinsen, fiel 10 % niedriger aus als 2017. Hier sollte man allerdings genau hinschauen, bevor man sich ein Urteil bildet!

Denn hier haben vor allem zwei Sondereffekte zugeschlagen: Zum einen verbuchte das Segment Eurowings – vermutlich aufgrund des Pannensommers 2018 – ein negatives Ergebnis von über 230 Mio. Euro. 2017 erwirtschaftete dieser Bereich noch ein positives EBIT in Höhe von 94 Mio. Euro.

Allein Eurowings hat das Ergebnis also um 325 Mio. Euro verglichen mit 2017 verschlechtert. Das tut erst mal weh, keine Frage. Langfristige Investoren sollten sich allerdings die Frage stellen, ob wir hier einen einmaligen Effekt gesehen haben oder ob hier mittelfristig wieder ein positiver Beitrag zum Konzernergebnis geleistet wird – mehr dazu später.

Der zweite Negativeffekt für die Lufthansa war 2018 der höhere Ölpreis, der die Treibstoffkosten um 16 % in die Höhe getrieben hat. Hört sich zunächst nicht wild an – dieser Effekt hat allerdings mit rund 850 Mio. Euro Mehrkosten zu Buche geschlagen.

Diese beiden Sonderfaktoren sorgten für eine Ergebnisverschlechterung von über 1,2 Mrd. Euro verglichen mit 2017 – ohne diese beiden Sondereffekte hätte man 2018 einen neuen Rekordgewinn vermelden können!

Hätte, wäre, wenn zählt an der Börse aber natürlich nicht – die langfristig positiven Aspekte sollten allerdings nicht im Schatten dieser vermeintlich schlechten Zahlen untergehen!

Was 2018 gut gelaufen ist

Die für mich wichtigsten positiven Dinge aus dem Lufthansa-Jahr 2018 sind die folgenden drei Entwicklungen.

1. Das Kerngeschäft läuft wie geschmiert

Das Segment Network Airlines umfasst die Gesellschaften Austrian Airlines, Lufthansa und Swiss. Im Gegensatz zu Airlines wie Ryanair oder Eurowings (diese bieten einfach Strecke A nach B an) verfolgen diese eine Multi-Hub-Strategie. Das heißt, sie arbeiten mit Umsteigeflughäfen, um Kurz-, Mittel- und Fernziele miteinander zu verbinden.

Dieser Bereich ist der umsatz- und renditestärkste des gesamten Lufthansa-Konzerns – und dieses wichtige Segment hat sich 2018 sehr gut entwickelt.

Veränderung zum Vorjahr
Umsatz 22,7 Mrd. Euro                 + 5 %
EBIT (adjusted)  2,4 Mrd. Euro                 + 6 %
EBIT-Marge (adjusted)       10,7 %               + 0,9 %

Quelle: Lufthansa Geschäftsbericht 2018

Der Umsatz ist solide gewachsen – der Gewinn sogar noch ein bisschen mehr, was in einer etwas höheren EBIT-Marge resultiert. Ich sehe es gerne, wenn der Gewinn schneller wächst als der Umsatz. Das deutet auf eine gewisse Preissetzungsmacht hin – beziehungsweise auf eine Effektivitätssteigerung.

Genau das hat die Lufthansa 2018 in ihrem Kernsegment geschafft – eine Entwicklung, die mir sehr gut gefällt.

2. Eurowings mit Potenzial

Wie erwähnt, hat der Bereich Eurowings, zu dem übrigens neben der eigentlichen Eurowings auch Germanwings, Brussels und SunExpress gehören, dem Lufthansa-Konzern im Jahr 2018 einen hohen Verlust eingebrockt.

Das dürfte vor allem an den Flugausfällen und Verspätungen im Pannensommer 2018 gelegen haben – die Entschädigungen lassen grüßen.

Trotzdem glaube ich fest daran, dass die Lufthansa die Fähigkeit besitzt, dieses Segment in eine profitable Zukunft zu führen. Das massive Wachstum und die Air-Berlin-Übernahme sorgen zwar kurzfristig für Verluste, doch langfristig macht diese Strategie Sinn.

Denn nur so konnte man sich die begehrten Slots an beliebten Flughäfen sichern: Sind diese erst mal vergeben und werden entsprechend von der Airline genutzt, sind sie weg vom Markt. Langfristig macht es in meinen Augen daher absolut Sinn, sich diese Slots zu sichern – koste es, was es wolle.

Mir zeigt dieses Vorgehen, dass bei der Lufthansa langfristig gedacht wird – man opfert den kurzfristigen Gewinn, um den Weg für langfristiges Wachstum zu ebnen. Genau so etwas möchte ich als langfristiger Anleger bei meinen Investments sehen.

3. Bilanz weiter verbessert

Auch der Blick auf die Bilanz sollte Investoren eigentlich verzücken: Die langfristigen Verbindlichkeiten konnten um 1,6 Mrd. Euro reduziert werden, das Eigenkapital wurde gleichzeitig um knapp 0,4 Mrd. erhöht. Das Resultat: 161 Mio. Euro weniger Aufwendungen für Zinszahlungen – nicht schlecht!

Auch diese Entwicklung deutet in meinen Augen auf eine langfristig ausgelegte Unternehmensstrategie hin – und leistet gleichzeitig einen nicht unerheblichen Anteil zur Ergebnisverbesserung.

Wer Lufthansa-Aktien kauft, muss das Airline-Geschäft verstehen

Die Lufthansa ist in meine Augen auf einem sehr guten Weg – das bestätigen die Zahlen für 2018. Wer allerdings in Airlines investiert, der muss mit Gewinnschwankungen aufgrund schwankender Ölpreise leben – und damit auch mit einer hohen Volatilität der Aktie.

Genau das ist der Lufthansa 2017 und 2018 passiert – zuerst verlieh ein niedriger Ölpreis der Kranich-Airline 2017 Rückenwind, ein Jahr später bremste er Deutschlands größte Airline aus.

Was sich in meine Augen nicht geändert hat: Die Lufthansa ist auf vielen Strecken Europas alternativlos, genießt einen hervorragend Ruf und steht finanziell auf gesunden Beinen. Daran ändert auch der Ölpreis nichts – ich werde meine Lufthansa-Aktie daher definitiv nicht verkaufen.

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Thomas Brantl besitzt Aktien der Lufthansa und von Ryanair. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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