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Der kuriose Fall der LEONI: Warum die Aktie um weitere 19 % gefallen ist

Der Drahtzieher, Quelle: Leoni AG

Wuuuuuaaaah, es geht bergab! Was ist nur mit der Aktie von Leoni (WKN:540888) los, fragst vielleicht auch du dich. Bereits Ende 2015 gab es operative Probleme, die den Kurs in den Keller geschickt haben. 2017 schien dann wieder alles einigermaßen okay und die Aktie verdoppelte sich. Seit Anfang 2018 ist wieder der Wurm drin und die Aktie hat über 70 % an Wert eingebüßt – brutal!

Allerdings läuft es auch bei einigen Konkurrenten nicht rund und der Ausblick ist wahrscheinlich gar nicht so schlecht, wie es jetzt erscheint.

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Was man zur aktuellen Situation von Leoni wissen muss

Seit Oktober 2018 ist der Niederländer Aldo Kamper der Boss von Leoni. Er kam von Osram Opto Semiconductors und sollte eigentlich für neuen Schwung sorgen. Doch das wird nun erst einmal ausgebremst. Erneut beweist das Unternehmen eindrücklich, dass es sein Geschäft nicht richtig im Griff hat. Wie schon 2015 geht es um unprofitable Aufträge und Überlastung sowie Probleme in einem Auslandswerk. Die Kosten laufen anscheinend teilweise aus dem Ruder, verschärft durch ineffiziente Organisationsstrukturen.

2016 wurden von der Buchhaltung 40 Mio. Euro an Betrüger überwiesen und 2018 verkündete der damalige Chef Dieter Bellé nach nur drei Jahren seinen Rückzug. Diesmal geht der Finanzvorstand Karl Gadesmann und Aldo Kamper will das lecke Schiff mit einem umfangreichen Restrukturierungsprogramm wieder auf Vordermann bringen. Dafür sind 120 Mio. Euro vorgesehen, die letztlich jährliche Einsparungen von 500 Mio. Euro bringen sollen.

Auch Leonis Konkurrenten haben ihre Probleme

Dabei ist Leoni eigentlich ein Unternehmen, das ein wunderbares Produktportfolio hat. Bei Hightech-Kabellösungen für Elektromobilität, Industrie 4.0 und Rechenzentren sehe ich beispielsweise jede Menge Wachstumspotenziale. Zudem scheint das Wettbewerbsumfeld stabil. Zwar gibt es unzählige Kabelhersteller, aber nur wenige arbeiten auf so hohem Niveau wie Leoni, darunter vor allem Sumitomo Electric Wiring Systems, Yazaki und Furukawa (WKN:861451) aus Japan.

Außerdem ist in einzelnen Geschäftsbereichen an Rivalen wie die italienische Prysmian Group (WKN:A0MP84), die amerikanische Lear Corp. (WKN:A0YERL), die schwedische AQ Group (WKN:A0BKPK) oder die in der Schweiz angesiedelte TE Connectivity (WKN:A0RP04) zu denken. Insgesamt ist eher eine Marktkonzentrierung zu erkennen, die tendenziell für die Margen förderlich sein sollte. Beispielsweise hat sich Prysmian 2018 die amerikanische General Cable Corporation einverleibt.

Auffällig ist, dass auch die Aktien der Konkurrenten ab Herbst 2017 nach unten drehten (Stand 18.03.):
– Furukawa minus 60 %
– Prysmian minus 43 %
– AQ Group minus 33 %

Ein Turnaround kann gelingen

Erneut zeigt sich, dass ein starkes Management viel wichtiger ist als eine Produktpalette, die scheinbar gut im Trend liegt. Offenbar kommen jedoch zur eigenen „Unfähigkeit“ auch äußere Umstände hinzu, die Leoni zu schaffen machen. Dabei ist insbesondere an die Nachfrageschwäche aus der Automobilindustrie vom vierten Quartal zu denken, die sich wohl auch noch in das neue Jahr hinein weiter fortgesetzt hat. Hinzu kommen die politisch verursachten Störungen der internationalen Lieferketten.

Trotzdem handelt es sich hier um einen Konzern mit rund 5 Mrd. Euro Umsatz, der in guten Jahren Nettoergebnisse von weit über 100 Mio. Euro erwirtschaftet. Da wirken 580 Mio. Euro Marktkapitalisierung schon etwas mickrig, zumal in den Büchern noch ein Eigenkapital von rund 1 Mrd. Euro steht. Sind die Schwierigkeiten wirklich so groß, dass man mit dem Schlimmsten kalkulieren muss?

Ich denke nicht, denn noch Ende 2018 konnte ein Schuldscheindarlehen über 331 Mio. Euro erfolgreich platziert werden. Außerdem ist der Bau der hochmodernen „Fabrik der Zukunft“ in Roth weitgehend abgeschlossen, sodass in Zukunft deutlich weniger Barmittel für Investitionen aufgewendet werden müssen. Dass daneben wenig profitable Randgeschäfte verkauft werden sollen, dürfte weitere Liquidität in die Kassen spülen. Von daher kann ich weder einen bedrohlichen Liquiditätsengpass noch ein Wegschmelzen der Substanz erkennen.

Insgesamt denke ich, dass Aldo Kamper nun das macht, was sein Vorgänger Dieter Bellé nach den Problemen von 2015 versäumt hatte, nämlich endlich einmal mit dem eisernen Besen durchzukehren. Wenn er dabei nicht überdreht – immerhin sollen auch Entwicklungs- und IT-Kosten gedrückt werden –, dann sollte Leoni mittelfristig gestärkt aus dieser Krise herauskommen. Kurzfristig könnte der Gegenwind für die Aktie allerdings noch anhalten, sodass ich hier höchstens in kleinen Schritten zukaufen würde.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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