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Ist Kraft Heinz eine Value-Aktie oder ein zu großes Risiko?

Foto: Getty Images

Die Aktien von Kraft Heinz (WKN:A14TU4) stürzten neulich auf ein Allzeittief, nachdem der Lebensmittelriese den Anlegern gleich drei schlechte Nachrichten einschenkte. Erstens erlitt der Konzern im vierten Quartal einen Nettoverlust von 12,6 Milliarden USD, der durch eine Abschreibung von 15,4 Milliarden USD auf die Marken Kraft und Oscar Mayer zustande kam. Der Umsatz stieg um weniger als 1 % auf 6,9 Milliarden USD.

Zweitens teilte Kraft mit, dass man von der Securities and Exchange Commission eine Vorladung bezüglich der Rechnungslegungspraktiken erhalten habe, man aber nicht erwarte, dass sich die Angelegenheiten vorerst auswirken werden. Am Ende kürzte man die Dividende um 36 % auf 0,40 USD pro Aktie – was die Forward-Rendite von etwa 7 % auf 5 % reduziert –, um „in der Bilanz eine größere Flexibilität zu gewährleisten.“

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Diese Ankündigungen schadeten dem Ruf von Kraft als sichere und konservative Einkommensaktie. Antizyklische Anleger könnten auf die Idee kommen, jetzt bei Kraft Heinz größer einzusteigen. Werfen wir doch mal einen Blick auf die Probleme des Konzerns, um zu sehen, ob es sich um eine Value-Aktie handelt – oder um eine Aktie im freien Fall.

Was war bei Kraft Heinz los?

Kraft Heinz, das im Jahr 2015 aus der Fusion von Kraft Foods und Heinz hervorgegangen ist, hat im Bereich abgepackte Lebensmittel über 200 verschiedene Marken im Portfolio – darunter Kraft, Heinz, Oscar Mayer, Planters, Kool-Aid, Jell-O, Philadelphia, Velveeta und Grey Poupon.

Die Nachfrage nach vielen dieser Marken ging in den letzten Jahren zurück, da sich die Verbraucher auf frischere Lebensmittel und gesündere Marken konzentrierten. Unterdessen konzentrierte sich das Management des Unternehmens verstärkt auf Kostensenkungen, weniger auf die Erweiterung des Portfolios oder aggressive Marketingkampagnen.

Kraft Heinz hat kürzlich Primal Nutrition (einen Hersteller von Paläo-Lebensmitteln) sowie das Bio-Kaffeeunternehmen Ethical Bean übernommen, aber diese Marken sind viel zu klein, um großen Ausschlag zu haben. Unterdessen verpasste man die Chance, Pinnacle Foods zu kaufen, und krallte sich auch nicht Campbell Soup (WKN:850561), als die im vergangenen Jahr große Probleme hatten.

Um den langfristigen Umsatz wirklich zu steigern, muss Kraft möglicherweise eine massive Akquisition ähnlich der Übernahme von Blue Buffalo Pet Products durch General Mills (WKN:853862) im vergangenen Jahr in Höhe von 8 Milliarden USD vornehmen.

Wie schnell wächst Kraft Heinz?

Um die schwächelnde Nachfrage nach verpackten Lebensmitteln zu kontern, senkte Kraft die Preise, um das Umsatzwachstum zu steigern. Mit dieser Strategie konnte das Unternehmen zwei Quartale lang ein organisches Umsatzwachstum erzielen:

Kennzahl Q4 2017 Q1 2018 Q2 2018 Q3 2018 Q4 2018
Organisches Absatzwachstum ggü. Vorjahr (0,6 %) (1,5 %) (0,4 %) 2,6 % 2,4 %
Netto-Absatzwachstum ggü. Vorjahr 0,3 % (0,3 %) 0,7 % 1,6 % 0,7 %

Quelle: Quartalsberichte von Kraft Heinz.

Leider hat diese Strategie auch die Margen belastet. Im vierten Quartal sank die bereinigte EBITDA-Marge von Kraft um 460 Basispunkte pro Jahr und 60 Basispunkte pro Jahr auf 24,7 %. Dieser Rückgang widersprach der Behauptung von Finanzvorstand David Knopf im dritten Quartal, dass sich die bereinigte EBITDA-Marge von Kraft im vierten Quartal verbessern würde, weil das Unternehmen ein „Gleichgewicht zwischen Kosteninflation und Einsparungen“ findet.

In der Telefonkonferenz zum vierten Quartal erklärte Knopf, dass der organische Umsatz von Kraft im ersten Quartal „aufgrund ungünstiger Handelszeiten und einer Verschiebung der Lieferungen rund um Ostern herum“ in das zweite Quartal zurückgehen würde (die Feiertage fielen im Vorjahr ins erste Quartal).

Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen Knopf zufolge weiterhin ein positives organisches Umsatzwachstum mit „Preiselastizität“. Mit anderen Worten, Kraft will die Preise weiter senken, um das Umsatzwachstum zu stützen. Daher erwartet Knopf für das Gesamtjahr einen Rückgang des bereinigten EBITDA um 18 % bis 21 %.

Knopf sagte auch, dass das bereinigte Ergebnis je Aktie, das 2018 weniger als 1 % auf 3,53 USD sank, wahrscheinlich erst 2020 wieder zum Wachstum zurückkehren würde. Anleger sollten auch beachten, dass die von Kraft berichteten Einnahmen pro Aktie (bei denen die bereits erwähnte Abschreibung für das vierte Quartal beinhaltet sind) einen enormen Verlust von 8,39 USD aufweisen. 2017 verzeichnete man hier noch einen Gewinn von 8,95 USD.

Unterdessen stieg die langfristige Verschuldung von Kraft um 9 % jährlich auf 30,9 Milliarden USD. Der Konzern versucht, diese Verschuldung durch die Veräußerung seiner Getränkeeinheit in Indien und seiner Käsesparte in Kanada zu reduzieren. Doch die Verschuldung könnte weiter steigen, sollte man andere Unternehmen erwerben und das Ertragswachstum sich verlangsamen.

General Mills steht vor ähnlichen Herausforderungen, aber dort diversifiziert man das Markenportfolio aggressiver als Kraft und hat darüber hinaus die Preise angehoben, um die niedrigeren Absatzzahlen auszugleichen. Das stellte sich als profitablere Strategie heraus als die Preissenkungen von Kraft.

Kraft ist aus gutem Grund billig

Krafts erwartetes Preis-Einnahmen-Verhältnis von 9 ist viel niedriger als das von General Mills, das bei 14 steht. Doch die Aktie ist nun einmal aus berechtigten Gründen so billig. Ich würde das Ziel für ein positives Ertragswachstum im Jahr 2020 auch eher anzweifeln.

Kraft verfehlte mit der Gewinnprognose für das vierte Quartal deutlich die Ziele und könnte die Anleger sicherlich ein weiteres Mal enttäuschen. Also würde ich vorerst bei General Mills oder anderen zuverlässigen Dividendenwerten bleiben.

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The Motley Fool shortet Aktien von Kraft Heinz. Leo Sun besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel erschien am 26.2.2019 auf fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt. 

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