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Die Aktien von General Electric: Der Bulle gegen den Bären

Mittlerweile wissen die meisten Investoren von General Electric Company (WKN:851144), dass das Management es verabsäumt hat, Ausblicke zu den drei wichtigsten Anliegen der Investoren zu geben: GE Power, den industriellen freien Cashflow und GE Capital. CEO Larry Culp versprach jedoch, das „bald“ nachzuholen.

In Erwartung dessen ist es an der Zeit, sich anzusehen, wie die Investoren — Bullen und Bären gleichermaßen — über die Aktie denken sollten.

Warum die jüngsten Zahlen den Bären Sorgen bereiteten

Die Debatte der Bullen und der Bären über die GE-Aktie dreht sich fast genauso sehr darum, wie sie die Aktie bewerten, wie um die aktuelle Ertragsentwicklung.

Die Bewertung der Bären basiert eher auf dem erwarteten freien Cashflow; auf dieser Grundlage ist die fehlende Prognose für den industriellen freien Cashflow ein großes Problem.

Obwohl das vielleicht nicht der beste Weg ist, ein Unternehmen zu bewerten, das eine Umstrukturierung durchläuft, ist es erwähnenswert, dass auf diese Art und Weise Industriekonzerne — eine aussterbende Art — oft bewertet wurden. Der Gedanke dahinter ist, dass der Mix der Geschäftsfelder — einige langzyklisch und zyklisch, wie Strom und Luftfahrt — mit weniger zyklischen wie dem Gesundheitsbereich ausgeglichen wird, so dass die Einnahmen im Jahresvergleich stabil sein sollten.

Vor diesem Hintergrund ist kein Ausblick auf den freien Cashflow ein großes Problem: Es ist sehr schwierig, genau zu definieren, wie der freie Cashflow in den nächsten Jahren ausfallen wird. Darüber hinaus gibt das Versäumnis, während der Telefonkonferenz spezifische Details auf die Fragen zu GE Capital, dem industriellen freien Cashflow oder GE Power zu geben, Anlass zu der Sorge, dass sich alle drei stärker als bisher erwartet verschlechtern werden. Das ist für diejenigen ein Problem, die den Kurs der Aktie auf Grundlage des freien Cashflows ein oder zwei Jahre hinaus festgelegt haben.

Tatsächlich hat sogar Fitch Ratings, eine Ratingagentur, die aufgrund ihrer Ausrichtung auf das Rating von Unternehmensschulden üblicherweise eine längerfristige Perspektive einnimmt, kürzlich ihren Rating-Ausblick von stabil auf negativ geändert: „Der negative Ausblick spiegelt Fitchs zunehmende Sorge über das endgültige Kreditprofil von GE wider, wobei sich die Risiken auf das Energiegeschäft, den industriellen freien Cashflow und die Unterstützung von GE Capital beziehen. Fitch stellte auch fest, dass die „Verschlechterung im Stromsegment seit dem dritten Quartal und die Erwartungen an einen niedrigeren industriellen freien Cashflow im Jahr 2019 die Umsetzungsrisiken erhöhen.“

Natürlich, wenn GE einen Ausblick oder gar spezifische Details zum Power-Segment gegeben hätte, dann wäre es viel einfacher gewesen, zuversichtliche Annahmen darüber zu treffen, was im Jahr 2019 zu erwarten ist. Aber bis Culp das tut, bleibt das Problem für die Bären.

Das Bullenszenario

Die Bullen konzentrieren sich tendenziell auf das langfristige Potenzial für die freie-Cashflow-Generierung durch GE Aviation und letztendlich auf den Deckungsbeitrag, wenn GE Power umstrukturiert wird — schließlich erwartet Siemens für sein Stromgeschäft im Jahr 2019 eine Marge im niedrigen einstelligen Prozentbereich, warum also kann das GE nicht in ein oder zwei Jahren schaffen?

Darüber hinaus argumentieren die Bullen, dass GE Aviation aufgrund eines negativen Margenmixes auch eine Phase unterdrückter Gewinne und Cashflow-Generierung durchläuft, da die Produktion des LEAP-Motors angekurbelt wird. Das wird sich in den kommenden Jahren gut auszahlen, wenn die LEAP-Umsätze im Aftermarket-Service höhere Margen haben.

Alles in allem neigen die Bullen dazu, die Stabilisierung des Power-Segments als ein temporäres Problem zu sehen, das das langfristige Potenzial nicht beeinträchtigen sollte. Ein oder zwei Jahre schwache Leistung von Power und ein schwacher Cashflow werden im größeren Zusammenhang keine Rolle spielen.

Der dritte Weg

Ein weiterer, pragmatischerer Ansatz besagt, dass GE selbst auf kurzfristiger freier-Cashflow-Basis zuvor unterbewertet war, aber das war damals, als GE mit fast 7 US-Dollar gehandelt wurde. Zu diesem Kurs könnte die Toleranz der Investoren für die freie-Cashflow-Generierung im Jahr 2019 höher sein. Doch jetzt, da die Aktie bei 10 US-Dollar liegt, liegt das gegenwärtige Kurs-industrieller-freier-Cashflow-Verhältnis von 19,5 höher als das von Honeywell International (WKN:870153) mit 18.6 – Honeywell hat aber keine Probleme mit Pensionausgaben oder Verlusten in einem Hauptgeschäft.

Es ist offensichtlich, dass der freie Cashflow in den nächsten Jahren eingeschränkt sein wird. Aber die Investoren haben das Recht, nach mehr Sicherheit im freien Cashflow zu fragen, da sie nicht glauben, dass GE Aviation die Cashflow-Belastung auf unbestimmte Zeit weiter tragen kann.

Mit anderen Worten, wenn eine bedeutende wirtschaftliche Verlangsamung eintritt — und denk daran, dass das nicht-zyklische Gesundheitssegment in Zukunft nicht mehr Teil von GE sein wird –, wird das Luftfahrtsegment leiden, ebenso wie GE. Tritt das ein, wenn GE Power noch immer Barmittel verbrennt, dann wird die Fähigkeit von GE, seine hohe Verschuldung zu reduzieren, ebenso in Frage gestellt wie die Qualität der Anleihen.

Was das alles für die Anleger bedeutet

Die hartgesottenen Bären, die GE nach dem kurzfristigen freien Cashflow bewerten, werden sich wohl durch nichts, was Culp in naher Zukunft sagt, beruhigten lassen. Ebenso werden sich die meisten Bullen wahrscheinlich auf das konzentrieren, was Culp über die Verbesserung der GE-Power-Marge in den nächsten Jahren sagt, und die Stärke von GE Aviation erneut unterstreichen.

Die meisten Investoren erwarten jedoch Zusicherungen für die freie-Cashflow-Generierung in den nächsten Jahren, einen Zeitplan für die Erholung der Margen von GE Power und eine Prognose für GE Capital. Sie benötigen das, bevor sie den Kauf der Aktien auf dem aktuellen Niveau bewerten und das Risiko eingehen, dass sich die Wirtschaft verlangsamt und die Annahmen über das Wachstum von GE Aviation gefährdet sind.

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, vom Kauf von GE-Aktien zu aktuellen Kursen abzusehen, bis Culp eine Prognose abgegeben hat.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Lee Samaha auf Englisch verfasst und am 22.02.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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